Der Einfall des Coronavirus stellt die britischen Versicherer bislang vor allem vor Imageprobleme. Die Belastung auf der Schadenseite ist überschaubar, Gefahr droht vor allem bei den Kapitalanlagen. Nach dem deftigen Einbruch der Aktienmärkte ist zwar wieder etwas Aufwind zu spüren, doch nur wenige glauben, dass dies eine Erholung auf Dauer ist. Mittelfristig werden Einschläge in Anleihenportfolios tiefe Spuren hinterlassen. Die Rating-Agentur Fitch setzt deshalb die Lebensversicherer auf negativen Ausblick. Die Agentur hat damit begonnen, die Auswirkungen der Pandemie auf die Versicherer insgesamt neu zu bewerten.

275 Millionen Pfund für Covid-19-Schäden

Grossbritannien hatte das Problem von Covid-19 lange ignoriert, doch spätestens seit dem 18. März ist den Briten klar, wie ernst die Lage wirklich ist. An dem Tag verkündete die Regierung die Schliessung der Schulen.  Zwei Tage später schloss Lloyd’s auf Drängen der Regierung seine Underwriting-Räume. Die Underwriter motteten widerwillig ihre Slipcases ein und bearbeiten jetzt ihre Aktenberge über die elektronische Placing Platform von ihrem Homeoffice aus. O tempores, o mores, mag da der eine oder andere gemurmelt haben. Zuvor hatten bereits London-Market-Versicherer wie Travelers, Enstar, Axis, Beazley und Arch auf Telearbeit umgestellt. Die am Londoner Markt agierenden Versicherer sind digital fortschrittlicher als der Markt selbst.

Betriebsunterbrechungen in den USA

Die grössten Sorgen macht man sich am Londoner Versicherungsmarkt über Betriebsunterbrechungen (BU) in den USA. Verschiedene US-Bundesstaaten und Gerichte setzen die Versicherer unter Druck, BU-Schäden für Klein- und Mittelunternehmen zu regulieren. Nach Berechnungen von US-Versicherern würde das die Branche 220 bis 383 Milliarden Dollar kosten – pro Tag. Die Schadenbelastung aus dem rein britischen Geschäft hingegen ist überschaubar. Die Schäden durch Reiseversicherungen, dem Ausfall von Veranstaltungen, Schulausflügen und den nur in geringem Umfang gedeckten Betriebsunterbrechungen durch Covid-19 werden die britischen Versicherer mit lediglich 275 Millionen Pfund belasten. Der Direktversicherer Direct Line (3,2 Milliarden Pfund Beitragseinnahmen, 420 Millionen Pfund Gewinn 2019) geht davon aus, dass die Pandemieschäden in der Reiseversicherung 1 Million Pfund nicht übersteigen werden. Zum Vergleich: Die etwa 82’000 Schäden durch die Stürme Ciara und Dennis werden die britischen Versicherer 363 Millionen Pfund kosten.
Schleudertrauma-Reform auf der langen Bank

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Die Kleinbetriebe machen sich auf harte Zeiten gefasst. Viele Läden haben ihre Schaufenster leergeräumt, manche sogar zum Schutz vor Plünderern vernagelt: «No cash inside!» Sorgen bereitet ihnen, dass sie aufgrund der gängigen Bedingungswerke ihren Versicherungsschutz verlieren, wenn sie die Betriebsgebäude einen Monat leer stehen lassen. Angesichts der derzeitigen Dynamik der Pandemie scheint dieses Szenario nicht unrealistisch. Nun zeigt die Zurich UK, die wegen ihrer Pandemieausschlüsse in der Reiseversicherung in die Kritik geraten war, Entgegenkommen: Der Versicherungsschutz bleibe auch bei einer Betriebsschliessung von mehr als einem Monat bestehen, vorausgesetzt, die nötigen Sicherheitsvorkehrungen sind getroffen. Der Beifall der Makler war ihr dadurch sicher.