Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat ihren Leitzins im Sommer wieder auf null Prozent gesenkt. Für Pensionskassen ist das ein bekanntes Szenario – schon zwischen 2015 und 2022 lebten sie mit Null- respektive mit Negativzinsen. Inzwischen haben sich die Rahmenbedingungen jedoch verändert: Damals standen Deflationssorgen im Vordergrund, gegenwärtig liegt die Inflation vielerorts hartnäckig über dem Zielwert.
Die Weltwirtschaft war vor ein paar Jahren von stabiler Globalisierung geprägt, heute dominieren geopolitische Konflikte, Handelskriege und Fragmentierung. Dazu kommen wirtschaftliche Unsicherheit und fragile Zinsmärkte.
Fokus liegt auf Flexibilität und Inflationsschutz
Nachdem die Pensionskassen damals stark auf illiquide Anlagen wie Private Equity und Immobilien gesetzt haben, müssen sie ihre Strategien heute stärker auf Flexibilität und Inflationsschutz ausrichten. Ihre Sollrenditen von 2 bis 4 Prozent haben sie nach wie vor zu erwirtschaften – aber dies in einem anspruchsvollen Umfeld, das mehr Risiken birgt.
Besonders deutlich werden die Herausforderungen für Vorsorgeeinrichtungen beim Blick auf den Heimmarkt. Franken-Obligationen werfen kaum noch Rendite ab, doch Ersatz in Form von alternativen Anlagen oder von Infrastrukturprojekten ist in der Schweiz nur begrenzt vorhanden. Der Kapitalmarkt ist klein, und Infrastrukturvorhaben finanzieren sich meist direkt über Bund und Kantone. Für institutionelle Investoren bleiben damit ausländische Projekte – etwa Flughäfen, Energieanlagen oder Stromnetze.
Werner E. Rutsch ist seit mehr als 15 Jahren Mitglied der Geschäftsleitung von AXA Investment Managers Schweiz AG und Head Alts Business. AXA IM Alts ist ein Unternehmensbereich von AXA Investment Managers, der seit dem 1. Juli 2025 nach Abschluss der Übernahme Teil der BNP Paribas Gruppe ist.
Attraktive Anlagen sind Mangelware
Auch bei Immobilien zeigt sich diese Enge: In der Schweiz dominieren Wohn- und Büroliegenschaften; spezialisierte, potenziell interessante Segmente wie Studentenheime, Selbstlagerzentren oder altersgerechtes Wohnen für Seniorinnen und Senioren (Senior Living), wie sie etwa in den USA verbreitet sind, fehlen weitgehend. Es gibt zwar entsprechende Angebote, doch sind diese für institutionelle Anleger kaum investierbar.
Private Equity verspricht Rendite, doch ohne globale Diversifikation steigen die Risiken für einzelne Pensionskassen unverhältnismässig. Hinzu kommt: Viele alternative und Infrastrukturanlagen sind in Fremdwährungen denominiert und erfordern teures Hedging. Attraktive Anlagen in Schweizer Franken sind daher sowohl für Pensionskassen als auch für Privatanleger Mangelware.
Mehr Beweglichkeit zeigen
Pensionskassen sollten mit mehr Beweglichkeit auf die veränderten Rahmenbedingungen reagieren. Statt an starren Quoten für einzelne Anlageklassen festzuhalten, gilt es, die Gewichtungen rascher anzupassen, Realwerte stärker einzubeziehen und das Risikomanagement mit Stresstests und Szenarioanalysen zu professionalisieren. Diversifizierung – sowohl geografisch als auch sektoral – ist von entscheidender Bedeutung. Gleichzeitig sollten Liquiditätspuffer ausgebaut werden, um Marktschwankungen besser abfedern und günstige Zukaufmöglichkeiten ausnutzen zu können.
Die Rückkehr zum Nullzins verschärft auch die Debatte um die Zukunft der Altersvorsorge. Ohne Reformen im BVG droht der Druck auf Leistungen und Beiträge weiter zuzunehmen. Auf der Anlageseite eröffnen sich hingegen neue Chancen: Digitalisierung, KI-gestützte Risikoanalysen und nachhaltige Investitionen können dazu beitragen, die zweite Säule widerstandsfähiger und zukunftsfester zu machen – und zugleich Kosten zu senken.
Breit diversifizieren
Privatanleger stehen vor noch grösseren Hürden. Viele Anlagevehikel sind institutionellen Investoren vorbehalten und der Zugang zu alternativen Anlagen ist eingeschränkt. Umso wichtiger sind eine schlanke Kostenstruktur der Investitionsprodukte, geringe Bankspesen und eine disziplinierte Anlagestrategie. Wer breit diversifiziert und langfristig denkt, fährt besser, als kurzfristigen Renditen mit teuren Währungsabsicherungen hinterherzujagen.
Das Spannungsfeld zwischen Sicherheit und Rendite begleitet Investoren von jeher. Mit Nullzinsen spitzt sich dieses Dilemma zu. Gold gewinnt in diesem Umfeld wieder an Bedeutung – als langfristig inflationsresistente Anlage, die Vertrauen schafft und in Form von Goldvreneli auch Freude machen kann.
Fazit: Die Nullzinsen sind zurück, aber unter völlig neuen Vorzeichen. Sicherheit lässt sich mit Franken-Obligationen zwar weiterhin zum Nulltarif kaufen – allerdings ohne Rendite. Wer Erträge anstrebt, muss Risiken bewusst steuern und Anlagealternativen sorgfältig abwägen, auch jenseits von klassischen Franken-Anlagen.
Dieser Beitrag ist Teil des am 13. November 2025 erschienenen HZ Insurance-Print-Specials «Finanzplanung und Vorsorge».


