Ende Juni tritt der von Nestlé angekündigte Aktiensplit in Kraft. Der Nennwert der Aktien wird im Verhältnis 1:10 geteilt. Beim aktuellen Börsenkurs von 480 Fr. beliefe sich der Wert eines Dividendenpapiers des Foodmultis dann nur noch auf 48 Fr. Nestlé will mit dem Split die Handelbarkeit und Liquidität ihrer Aktien erhöhen. Patrik Schwendimann, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank, sieht einen beschränkten Nutzen in der kleineren Stückelung der Nestlé-Papiere.

Schliesslich sei der Preis von knapp 500 Fr. keinesfalls überteuert, auch ein Kleinaktionär könne sich ein solches Papier leisten. «Nur im internationalen Vergleich ist der Preis für die Aktie allerdings relativ hoch», räumt der ZKB-Analyst ein. Schliesslich seien die Papiere der Konkurrenten Kraft (29 Dollar), Unilever (19 Euro) und Danone (47 Euro) für deutlich weniger zu haben: «Aus dieser Optik ist Nestlé ein schweres Papier.»

Split bringt per se keinen Vorteil

Über den grundsätzlichen Sinn und Nutzen von Aktiensplits scheiden sich die Geister. Eigentlich ändert sich bei der Teilung des Aktienbestandes einer Gesellschaft in eine grössere Anzahl von Titeln wenig. Die Titel erscheinen zwar optisch günstiger, aber auch Rendite und Dividende verkleinern sich proportional. «Per se ist ein Aktiensplit überhaupt kein Vorteil», sagt auch Roger Kunz, Head of Investment Strategy bei Clariden Leu. Schliesslich zieht die Teilung des Aktienbestandes in kleinere Handelseinheiten auch administrative Kosten nach sich. «Je nach Grösse des Unternehmens belaufen sich diese auf 100000 bis 1 Mio Fr.», sagt Kunz. Was für einen Börsenkoloss wie Nestlé jedoch vernachlässigbar sei.

Anzeige

Häufig dient ein Aktiensplit eines Unternehmens jedoch auch dazu, ein Signal an die Aktionäre zu senden. Dieses Signal besagt, dass der Aktienkurs ein gewisses Niveau erreicht hat. Und die Aktienstückelung wäre nicht notwendig, wenn das Management nicht davon ausgehen würde, dass der Preis für die Aktie permanent auf hohem Niveau bleibt. Negativ wirkt sich der Aktiensplit dann aus, wenn ein falsches Zeichen gesetzt wurde: «In diesem Fall werden die Unternehmen relativ lang abgestraft», sagt Kunz. So etwa geschehen bei ABB und Clariant. Während bei ABB der Aktienpreis von rund 32 Fr. mittlerweile wieder auf einem moderaten Niveau liegt, befindet sich der Kurs von Clariant nach wie vor im Sinkflug. Auch die Titel der grössten Schweizer Bank hätten mit 22 Fr. ein relativ tiefes Level erreicht: «Die UBS würde den Aktiensplit aus heutiger Sicht wohl auch nicht mehr machen», schätzt Kunz.

Mittagessen teurer als Aktie

Es gibt jedoch auch einige gute Gründe dafür, den Preis einer Aktie hoch zu halten. Etwa, wenn «das Mittagessen an der Generalversammlung mehr wert ist als eine Aktie», führt Schwendimann aus. In diesem Fall bestehe die Gefahr, dass viele Anleger eine Aktie kaufen würden und so ein Riesenandrang an der GV entsteht. Damit ginge die Exklusivität verloren. Paradebeispiel dafür ist Lindt & Sprüngli, für deren Dividendenpapier stolze 32000 Fr. gezahlt werden müssen, um als Aktionär in den jährlichen Genuss der üppigen Schoggi-Geschenke zu kommen.

Neben dem Edelschokoladenhersteller sind auch die Dividendenpapiere von Givaudan (940 Fr.), SGS (1580 Fr.), Sika (1600 Fr.), Hiestand (1710 Fr.) und Barry Callebaut (700 Fr.) ein teures Investment. Auf Anfrage sagten Givaudan, Lindt & Sprüngli, Sika, SGS und Barry Callebaut, derzeit sei kein Aktiensplit geplant. Der Nennwert der Aktien von Hiestand werde durch die Fusion von IAWS sowieso tiefer ausfallen, so der Grossbäcker. Grundsätzlich werden Aktiensplits von der Gesellschaft bekannt gegeben, dies erfolgt in der Regel an der Generalversammlung.

Anzeige

Im langfristigen Trend sind die Aktienpreise in der Schweiz rückläufig. Während früher Aktien durchschnittlich 1000 bis 2000 Fr. kosteten, belaufe sich der Wert für Schweizer Wertpapiere heute oft auf rund 50 bis 100 Fr., so Kunz. Daher sieht er im Swiss Market Index durchaus noch weitere Anwärter für einen Aktiensplit. «Swisscom, Swiss Life, ZFS oder Syngenta sind unter Umständen noch potenzielle Kandidaten», so Kunz.