Nachdem American Express (Amex) ihre Konkurrenz lange in den Schatten gestellt hatte, ergeht es dem Konzern nun nicht besser als anderen Kreditkartenunternehmen. Seit die US-Wirtschaft in die Rezession gerutscht ist, hat Amex mit immer mehr säumigen Kunden und Zahlungsausfällen zu kämpfen. Mehr noch: Langjährige Kunden lassen kein gutes Haar am Service des Konzerns, der einst einen tadellosen Ruf besass. Und selbst solvente Kartenbesitzer zahlen immer seltener mit Plastik. Das Ergebnis: Die Aktien des New Yorker Unternehmens notieren auf ei-nem Zwölfjahrestief.

Nun ist Schadensbegrenzung angesagt: Amex versucht, ihre Expansion im Kreditkartengeschäft teilweise rückgängig zu machen und sich wieder auf eine zahlungskräftige Klientel zu konzentrieren, die ihr Kreditkartenkonto monatlich ausgleichen kann. Bis auf 8,3% stiegen die Zahlungsausfälle im Januar 2009 an - nach 7% im Dezember und einem Tief um die 2% im Januar 2006. Und diese Zahl enthält noch nicht einmal die Ausfälle bei Kleingewerbekunden und einigen der jüngst hinzugekommenen Kartenbesitzer. Nach Angaben von Fitch Ratings erreichten Zahlungsverzögerungen bei Kreditkarten im Januar ein Rekordhoch.

Bis zum Jahresende, so die Agentur, könnten Zahlungsausfälle und uneinbringliche Forderungen den bisherigen Höchststand von 7,7% (1. Quartal 2002) übertreffen und auf 9% steigen. Während der letzten Boomjahre lag das Niveau stets unter 5%.

Die Ausgaben schrumpfen

Ein weiterer Grund für die Misere bei Amex ist die aktuelle Kauf-unlust der Kunden. Laut dem US-Handelsministerium sanken die Konsumausgaben im Dezember um 1% - der fünfte Rückgang in Folge. Um 10% schrumpften im 4. Quartal die Ausgaben, die Kunden mit Amex-Karten bestritten. Viele der aktuellen Probleme des Kreditkartenriesen datieren jedoch zurück auf 2003, als Amex begann, ihr Geschäft auszuweiten. Der Konzern entschloss sich, verstärkt sogenannte Revolving Credit Cards auf den Markt zu bringen. Im Unterschied zu den geläufigeren Charge Cards, bei denen das Kreditkartenkonto am Monatsende stets ausgeglichen wird, kann ein Kunde bei einer Revolving Credit Card Schulden anhäufen und monatlich immer nur kleine Häppchen zurückzahlen. Die wichtigste Zielgruppe blieben trotzdem immer noch gutsituierte US-Bürger. Im Unterschied zu vielen anderen Kreditkartenfirmen, die jetzt Probleme haben, blieb man bei der Kartenvergabe an eine zahlungsschwache Klientel zurückhaltend. Das Problem jedoch: Während viele Banken, die Kreditkarten vergeben, das Gros ihres Umsatzes über Zinserträge erwirtschaften, ist Amex vorwiegend auf Transaktionsgebühren angewiesen. Immer wenn jemand seine Kreditkarte zückt, erhält Amex vom Händler eine Gebühr. Das Geschäftsmodell basiert also auf einer aktiven Kartennutzung. Den neuen Kartenbesitzern wurden immer höhere Kreditlimits eingeräumt, um sie zum Kaufen zu animieren.

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Nach dem Platzen der Immobilienblase spitzte sich die Situation allerdings zu. Viele der Amex-Kunden leben in Küstenregionen wie Kalifornien und Florida, die von den einbrechenden Hauspreisen besonders betroffen sind. Um den finanziellen Schaden zu begrenzen, werden derzeit neu ausgestellte Karten zurückgezogen und Kunden mit Geschenken zum Saldoausgleich und zur Kündigung ihres Kontos gelockt.

Die Limiten werden reduziert

Ausserdem werden die Kreditlinien für Kunden gekürzt, die in besonders vom Hauspreisverfall betroffenen Gegenden wohnen oder in krisengefährdeten Industrien arbeiten - auch wenn es sonst keine Anzeichen gibt, dass diese Menschen in Zahlungsschwierigkeiten sind.

Im Oktober verärgerte Amex tausende von Kunden, indem der Konzern deren Kreditkartenlimiten reduzierte. Basis für diese Entscheidung war, wo diese Kunden einkaufen und bei wem sie ihre Hypothek aufgenommen haben. Grund: Andere Amex-Kunden, die dieselben Unternehmen frequentieren, waren in Zahlungsschwierigkeiten geraten.