1. Home
  2. Invest
  3. Anlage-Skandal: Polens Premier in der Kritik

Anlage-Skandal: Polens Premier in der Kritik

Amber-Gold-Homepage (nicht mehr erreichbar): 14,1 Prozent Rendite auf die Anlage in Gold.

Schneeballsystem, Millionenschulden, Ermittlungen: Das Aus der Finanzfirma Amber Gold lässt in Polen die Gemüter hochkochen. Nun geraten auch Regierungschef Donald Tusk und sein Sohn in die Kritik.

Von Laura Frommberg
am 15.08.2012

Über 14 Prozent Rendite auf die Anlage in Gold - das klingt zu gut, um wahr zu sein. Doch genau das hatte die polnische Finanzfirma Amber Gold ihren Kunden versprochen. Nicht alle wurden bei den Traumrenditen, die die Firma ihren Kunden auf die Anlage in verschiedene Edelmetalle verprach, misstrauisch.

Dafür werden sie nun bestraft: Am 13. August gab das Unternehmen des 28-jährigen Chefs Marcin Plichta seine Auflösung bekannt. «Wir teilen Ihnen mit, dass wir uns für die Auflösung der Amber Gold entschieden haben», erklärte die Firma auf ihrer Homepage. Seitdem müssen sich Tausende Kunden um ihr Erspartes sorgen. Wer die Filialen von Amber Gold aufsucht, steht vor verschlossenen Türen.

Insgesamt 7000 versuchten laut verschiedenen Medienberichten bisher, ihr Geld zurückzubekommen. Vergeblich. Nach eigenen Angaben aus den letzten Monaten hat Amber Gold aber insgesamt etwa 50'000 Kunden, die Summe, die es zurückzuzahlen gilt, liegt bei umgerechnet etwa 23 Millionen Franken. 

Alarmglocken klingeln

Die Alarmglocken hätten bei vielen Investoren schon vorher klingeln sollen. So stand Amber Gold schon lange auf der Schwarzen Liste der polnischen Finanzaufsichtsbehörde KNF und hatte keine Lizenz, von Kunden Geld für Risikogeschäfte entgegenzunehmen oder Kredite zu vergeben. Doch das Verbot nahm Eigner Marcin Plichta offenbar nicht ganz ernst und warb mit genau solchen Dienstleistungen auf grossen Plakaten in Polens Städten.

Wegen Verstosses gegen das polnische Bankengesetz ermittelte bereits die Staatsanwaltschaft Danzig. Journalisten unterstellten der Firma schon lange «unlautere Geschäfte», Betrug mit dem «Pyramidensystem» oder dem «Schneeballsystem».

Und auch Plichta ist den Behörden nicht unbekannt. Schon im Jahr 2008 war er wegen Veruntreuung mit seinem damaligen Finanzdienstleister Multikasa zu einer Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden, zuletzt im Juni 2010 für Krediterschleichung von der GE Bank in 57 Fällen.

Trotz aller Warnhinweise konnte Amber Gold aber weiter operieren - bis vor ein paar Wochen. Nachdem die Banken sämtliche Konten von Amber Gold gesperrt hatten, fehlte es an Liquidität. Das wirkte sich zunächst auf eine Tochtergesellschaft des Finanzdienstleisters aus. Erst in diesem Jahr hatte Plichta mit OLT Express Poland eine neue Billigfluglinie in Polen gegründet und wurde zum ernsten Konkurrenten der Nationalairline Lot.

Erst die Airline, dann Amber Gold

Nachdem der Cashflow versiegt war, stellte die Airline den Betrieb ein. Nur wenige Wochen später folgte die Muttergesellschaft. Wie Firmengründer Plichta an einer Medienkonferenz erklärte, sieht er hinter den Ereignissen eine Verschwörung der Regierung, eine Hetzjagd, die keine andere Wahl liess, als das Unternehmen aufzulösen. Angeblich soll eine neue Aktiengesellschaft nun dafür sorgen, dass die Kunden ihr Geld zurück erhalten, doch in der Branche zweifelt man das stark an. 

Viele fragen sich nun, wie Amber Gold seit der Gründung 2009 ungestört operieren konnte, warum die Regierung nie eingriff. Erboste Verbraucher werfen der Finanzbehörde vor, sie im Stich gelassen zu haben. Dass «Para-Banken» wie Amber Gold Schlupflöcher im Gesetz hätten nutzen können, sei schon lange eine Änderung wert gewesen.

Zu allem Überfluss ist auch noch der Sohn des Ministerpräsidenten Donald Tusk höchstpersönlich mit der dubiosen Firma verbandelt gewesen. Michal Tusk hatte als Medienberater für Amber Gold gearbeitet - bis sein Vater ihn warnte. In einem Interview erklärte er, der Premier habe ihm «vorsichtig ausgedrückt, gesagt, das sei nicht schlau».

Das brachte die Bürger auch gegen Donald Tusk auf. Warum er sie nicht ebenfalls gewarnt habe, fragten sie. Immerhin habe Michal Tusk sich gerade noch rechtzeitig von der Firma zurückziehen können. Die Opposition wirft dem Regierungschef vor, er habe vertrauliche Informationen des Geheimdienstes und der ermittelnden Finanzbehörden genutzt, um das Privatleben seines Sohnes zu schützen. Der Premier weist das zurück.

Anzeige