290 Galerien aus 34 Ländern werden an der Art Basel 2019 präsent sein, die am Donnerstag nach dem Reigen der VIP-Vorbesichtigungen bis Sonntag für das breite Publikum ihre Tore öffnen wird. Mit dabei sind einmal mehr die Top-Häuser wie David Zwirner und Gargosian aus New York oder Sprüth Magers aus Berlin.

Diese Galerien sind neben den grossen Auktionshäusern die Profiteure des nach dem Crash von 2008 konsolidierten Kunstmarkts. Im «Art Market Report 2019» der Art Basel und der UBS ist von einem «unglaublich wachstumsstarken» Markt die Rede. Allerdings gehöre lediglich eine kleine Anzahl von Galerien zu den grossen Gewinnern, die mit einer Handvoll Künstlern grosse Geschäfte mache.

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Auf der Liste der im Top-Segment gehandelten noch lebenden Künstler stehen zuoberst die schillernden Namen David Hockney, Gerhard Richter und Jeff Koons. Hockneys Gemälde «Portrait of an Artist» erzielte 2018 an einer Auktion von Christie's den astronomischen Preis von 90,3 Millionen Dollar. Ein silberner Hase von Jeff Koons wechselte im Mai dieses Jahres beim selben Auktionshaus für 90,1 Millionen den Besitzer.

Mit diesen Preisen können Kunstmessen nicht mithalten. «Aber auch auf der Art Basel werden Höchstpreise erzielt», sagt Marc Spiegler, Global Director der Basler Messe mit ihren Ablegern in Hong Kong und Miami. «Letztes Jahr zum Beispiel bot Lévy Gorvy das Werk Untitled XII von Willem de Kooning für 35 Millionen Dollar an und verkaufte die Arbeit.»

Werke im Wert von 3,5 Milliarden Euro

Auch wenn die Auktionen bei den Preisen obenauf schwingen, sieht Spiegler die Bedeutung von Kunstmessen nicht gefährdet. 2018 wiesen Messen laut «Art Market Report» einen wertmässigen Anteil von 46 Prozent an den weltweit getätigten Kunstverkäufen aus. Online-Verkäufe hinken mit einem Anteil von 9 Prozent weit hinterher. Nach Schätzungen von AXA XL Art & Lifestyle stehen an der Messe in Basel Kunstwerke im Wert von insgesamt rund 3,5 Milliarden Euro zum Verkauf.

Einen Vorteil der Messen sieht Spiegler auch in der Breite des Angebots. Um die 2000 Künstlerinnen und Künstler aus der ganzen Welt seien vertreten.

Analysten sehen im starken Wachstum um obersten Segment aber auch Gefahren. In der New York Times stellte die Ökonomin Allison Schrager im Mai die These auf, dass die Dominanz weniger superreicher Kunstkäufer weniger Reiche verscheuchen würde.

Spiegler sieht dies anders: An der Hongkong-Ausgabe der Art Basel im März sei nichts davon zu spüren gewesen. «Kunst war noch nie so populär wie heute», sagt er, «und wir treffen in allen Bereichen und Preissegmenten auf neue Sammler mit einem grossen Interesse und viel Leidenschaft.»

Die Konsolidierung des oberen Marktsegments sei aber eine Herausforderung für die mittelständischen und jungen Galerien, sagt Spiegler. «Dabei ist gerade der Nachwuchs so wichtig für das weitere Bestehen des Systems Kunstmarkt.» Die jungen Galerien und Non-Profit-Institutionen seien es, die den neuen Positionen eine Plattform geben, die letztlich überlebensnotwendig sei für eine Messe wie die Art Basel.

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Dies hat die Art Basel dazu bewogen, die jüngere Generation zu fördern. So subventioniert die Messe den Sektor «Statements», wo jüngere Galerien Künstler in Solo-Shows präsentieren. Galerien, die zum ersten Mal im Hauptsektor vertreten sind, erhalten zu Lasten der Alteingesessenen einen Mietpreisnachlass von 20 Prozent. Beim zweiten Auftritt sind es noch 10 Prozent.

Frauen nach wie vor im Hintertreffen

Die Förderung von jungen Galerien hat sich aber vor allem die Alternativmesse Liste auf die Fahnen geschrieben, die am Montagabend mit der öffentlichen Vernissage ihre Tore öffnen wird. Sie findet dieses Jahr zu 24. Mal statt. Nach dem Rücktritt von Liste-Gründer Peter Bläuer wird sie neu von der Berlinerin Joanna Kamm geleitet.

Eine Frau in einer massgeblichen Position im Kunstmarkt ist aber nach wie vor eine Ausnahme, wie der «Art Market Report» feststellt. Unter den an 82 Messen ausgestellten rund 27'000 Künstlerinnen und Künstlern seien lediglich 24 Prozent Frauen gewesen.

(sda/dhü)