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Kryptowährung
Bitcoins sind so volatil wie ein ETF auf Steroiden

Bitcoins: Anleger sind keine Fans der hohen Schwankungen. Keystone

Es gibt Volatilität und es gibt Bitcoin-Volatilität. Vor allem nachdem eine Reihe von Lösegeld-Trojanern die zunehmende Stabilität der digitalen Währung wieder ausradiert haben.

Veröffentlicht am 30.06.2017

Nachdem plötzliche Kurseinbrüche und jüngst eine Reihe von Lösegeld-Trojanern die zunehmende Stabilität der digitalen Währung wieder ausradiert haben, ist es schwierig geworden, eine vergleichbare Anlage zu finden. Naheliegend wäre tatsächlich nur ein börsengehandelter Fonds (ETF) auf gehebelten Steroiden, der höchst volatil sein soll.

Bitcoins schwanken nun stärker als der Direxion Daily Junior Gold Miners Index Bull 3x Share, kurz JNUG. Dieser ETF nutzt Fremdmittel, um den dreifachen Ertrag eines Index auf kleinkapitalisierte Goldminenunternehmen zu liefern. Die Volatilitätsdifferenz zwischen Bitcoins und der inversen Short-Version dieses Fonds, JDST, ist so gering wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

Fragen zur Legitimation

Die anziehende Volatilität wirft Schatten auf die Legitimation des Bitcoin-Markts. Seit 2014 eine Preisblase platzte, war die Kryptowährung stabiler geworden: die realisierte Zwei-Monats-Volatilität erreichte ihr niedrigstes Niveau im April 2016. Doch die jüngsten Kursausschläge führen schmerzlich vor Augen, dass Bitcoins noch einen weiten Weg vor sich haben, bevor sie sich wie eine etablierte Währung verhalten - wenn überhaupt möglich, meint Dave Nadig, Chief Executive Officer der Research-Firma ETF.com aus San Francisco.

«Es hat eine Menge Fortschritte gegeben und sie wurden von Investoren und Institutionen ernster genommen», sagt Nadig. «Doch vielerlei Schritte sind nötig, um einen Markt zu legitimieren, und Bitcoins sind ihrer Gestaltung nach grundsätzlich unreguliert. Zum Teil ist die Volatilität auch darauf zurückzuführen, dass es an einer Marktstruktur mangelt.»

In Anbetracht dessen, dass einige renommierte Investoren ihre Hoffnungen an eine Bitcoin-Stabilisierung geknüpft haben, sieht die Rückkehr der Kurskapriolen nicht gut aus. Der ehemalige Hedgefondsmanager Michael Novogratz hat zehn Prozent seines Kapitals in Kryptowährungen investiert, die seiner Aussage nach zu einem 5 Billionen Dollar schweren Markt werden könnten. Sollte der Bitcoin-Preis unter 2000 Dollar fallen, will Novogratz zukaufen. Derzeit wird die digitale Währung über 2500 Dollar gehandelt.

167 Prozent zugelegt

Im bisherigen Jahresverlauf hat der Bitcoin-Kurs um 167 Prozent zugelegt. Zuletzt korrelierten Bitcoins aber zunehmend mit einem kleineren, doch wachstumsstarken virtuellen Pendant, das auf der Ethereum-Blockchain beruht. Die als Ether bekannte Kryptowährung brach vergangene Woche am Handelsplatz GDAX von Coinbase von über 300 Dollar auf zehn Cents ein, bevor sie sich schlagartig erholte. Derzeit wechselt Ether für etwa 309 Dollar den Besitzer, zeigen von CoinMarketCap.com zusammengestellte Preise.

«Im Laufe der zweieinhalb Jahre bis Mitte vergangenen Jahres tendierte die Volatilität nach unten und war in etwa mit Nebenwerten vergleichbar», sagte Spencer Bogart, Research-Leiter von Blockchain Capital LLC, telefonisch gegenüber Bloomberg. «Einige der wichtigsten Treiber sind nun Bitcoin-Handelsgeschäfte mit anderen Kryptowährungen gewesen, und wenn es solch starke Zuwächse gibt, steigen die Chancen, dass es einen starken Rückgang gibt.»

Natürlich hat es an den Edelmetallmärkten zuletzt eine geringe Volatilität gegeben - was Bitcoins dazu verhalf, den Bergbauindex zu schlagen. Der CBOE/COMEX Gold Volatility Index ist in diesem Jahr 25 Prozent gefallen und hat im vergangenen Monat ein Allzeittief erreicht. Trotzdem sind JDST und JNUG noch immer die dritt- und viertvolatilsten ETFs von mehr als 2000 börsengehandelten Fonds in den USA.

Akzeptanz erhöht

Gold und Kryptowährungen werden an den Finanzmärkten oft als artverwandt betrachtet, schliesslich gelten beide als eine Alternative zu Papiergeld. Das Edelmetall, das schon seit Ewigkeiten als solche genutzt wird, ist normalerweise aber stabiler als die erst 2009 entstandenen Bitcoins.

JNUGs realisierte Volatilität liegt fast einen Punkt niedriger als bei Bitcoins, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten auf Sicht von 25 Tagen. Das letzte Mal, als die digitale Währung volatiler als der ETF war, war Anfang 2014. Damals rutschten Bitcoins über zwei Monate um 44 Prozent ab, nachdem ihr Kurs vorher innerhalb von nur einem Jahr von 13 Dollar auf 746 Dollar hochgeschnellt war.

«Im Grossen und Ganzen hat die Akzeptanz von Bitcoins bei verschiedenen Kapitalpools zugenommen», sagt Bogart. «Doch ihre Volatilität könnte in gewisser Weise einige der traditionell grösseren Investoren abschrecken und sagen lassen: ‹Ich lasse die Finger davon, es ist zu volatil.›»

(bloomberg/chb)

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