Die Börsenrally der letzten Wochen ist in einen wilden Kursslalom übergegangen - was deutlich zeigt, wie tief die Verunsicherung beim Anlegerpublikum noch sitzt.

Auch die Profiinvestoren sind heute weit davon entfernt, in Euphorie zu verfallen. «Auf die nächsten sechs bis zwölf Monate hinaus kann man gar nichts sagen über den weiteren Börsenverlauf», sagt Peter J. Lehner, Investment-Urgestein und Manager des Fonds Saraselect der Bank Sarasin. Ähnlich düster sieht die Lage Lorenz Reinhard, Head Swiss Equities bei Pictet Funds und Verwalter des Pictet Swiss Mid-Small Cap Fonds. «In den ersten beiden Quartalen dieses Jahres werden wir von den Firmen wohl sehr schlechte Zahlen sehen.» Die Umsätze könnten nochmals um 40% einbrechen und die Profitabilität verloren gehen, warnt Reinhard. Schlechte Firmenresultate erwartet auch Peter Gachnang, der für Swisscanto deren Small & Midcaps Switzerland Fonds verwaltet. Seine Botschaft an die Anleger ist klar: «Es hat jetzt keinen Sinn, den Winkelried zu spielen und sich in neue Risiken zu stürzen.»

Verlockende Einstiegschancen

Die Entwicklung ihrer Fonds hat Gachnang und Reinhard in ihrer defensiven Haltung bestätigt: Die Vehikel liegen dieses Jahr weniger stark im Minus als der breite Swiss Performance Index (SPI), der in bis Ende letzten Februar um 14% gefallen ist. Der Pictet-Fonds hat 2009 mit einem Verlust von knapp 9% gar die beste Leistung aller 56 Fonds auf Schweizer Aktien erzielt (siehe Tabelle). Das Schlusslicht macht der Allianz-dit Fonds Schweiz mit -18%.

Anzeige

Geholfen hat Gachnang und Reinhard die Entscheidung, sich frühzeitig von Zyklikern zu verabschieden und defensive Titel zuzukaufen. Ein Favorit der beiden ist die Aktie des Life-Pharma-Konzerns Lonza. Reinhard stockte ausserdem in Acino, Sonova und Schindler auf. Gachnang seinerseits hat bisher Schweizer Werte aus den Bereichen Pharma, Medtech, Regionalbanken und Immobilien den Vorzug gegeben. Auch in der Defensive sind die Fondsmanager jedoch gehalten, sich weiter nach neuen Titeln umzusehen. Lehner etwa ist weiter zu 100% in Aktien investiert und sieht vielerorts Einstiegschancen. «Bald werden 60 bis 70% der Schweizer Aktienwerte unter Buchwert gehandelt», so der Fondsmanager. Lehner setzt auf Cash-starke Industriewerte wie Geberit, Bossart und Sika. Reinhard von Pictet dagegen sieht Swisslog, Ascom oder Schweiter als solide an. Und Gachnang glaubt jetzt gar an eine allmähliche Entspannung bei Finanz- und Technologiepapieren.