Manfred Schlumberger zweifelt. Der Chef des Vermögensverwalters BHF Trust hat Aktien gekauft, denn er erwartet ein Kursrallye. Doch nichts geschieht, nein, die Kurse fallen sogar. Dabei hat Mario Draghi, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), erst gerade die Dicke Bertha aufgefahren. Einst der Name einer Kanone aus dem Ersten Weltkrieg, bezeichnet Draghi damit die Billion Euro, die er den Banken zusichert, um Staatsanleihen zu kaufen. Damit ist die Eurokrise vorerst aus dem Schussfeld und der Weg für höhere Aktienkurse frei, sind Schlumberger und sein Team im Dezember 2011 überzeugt.

«Der Dezember verging, und nichts passierte, da wurden wir schon etwas unsicher, ob wir weiter Aktien kaufen sollten», sagt Schlumberger heute, dem schon bald klar wurde, was damals los war: «Versicherungen und Pensionskassen konnten im Dezember 2011 nicht mehr reagieren, sondern erst im folgenden Januar.» Institutionelle Anleger, wie Versicherungen und Pensionskassen ­zusammen auch genannt werden, operieren mit Risikobudgets. Diese waren nach den Kursverlusten im Jahr 2011 schon aufgebraucht, also konnten sie nicht mehr Aktien zukaufen. Das ist, wie wenn der Kleiderausverkauf Ende Monat stattfinden würde, wenn die Lohnkonten schon fast leer sind, weil Mitte Monat noch die Steuerrechnung bezahlt werden musste. Da kann auch kaum mehr ­jemand reagieren.

Erst im neuen Jahr, mit frischen Budgets, konnten die institutionellen Anleger wieder Aktien zukaufen. Im Januar begannen die Aktienkurse dann tatsächlich bald zu steigen, und Schlumberger konnte für seine Kunden im Verlauf des Jahres gute Renditen erwirtschaften, so gute, dass er mit seinem Team gleich in zwei Kategorien des zweiten BILANZ-Renditetests den Siegersprung von der Treppe machen kann.

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