Er wittert hierzulande das gros­se Geschäft. Fouad Baj­jali heisst der Mann, der für den britischen Online-Trading-Giganten IG Group das Schweizer Geschäft leiten soll. Der Finanzdienstleister, an der Londoner Börse mit 3,3 Milliarden Pfund bewertet, macht sein Geld mit dem Handel von Differenzkontrakten.

Diese Finanzinstrumente, kurz CFD (Contract for Difference) genannt, gelten deshalb als riskant, weil es Hebelprodukte sind. Das heisst: Anleger setzen mit einem Bruchteil des sonst üblichen Einsatzes auf eine Aktie. Geht der Kurs in die falsche Richtung, müssen die Anleger innerhalb kurzer Zeit das fehlende Geld einzahlen. Im anderen Fall lockt ein hoher Gewinn.

Steigende Börsenkurse befeuern CFD

Vor allem in den letzten Jahren boomten solche Produkte in Europa, befeuert von den steigenden Börsen. Nur in der Schweiz blieben die Zahlen am Boden. «Das ist für uns nicht nachvollziehbar», sagt Bajjali – und folgert daraus: «Wir sehen in der Schweiz ein grosses Potenzial.»

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Dies, obwohl zwischen Zürich und Genf bereits drei andere Online-Trading-Plattformen sich seit Jahren den Markt weitgehend aufgeteilt haben. Hier Swissquote, die mit 220 000 Kunden Marktleader ist, und Saxo Bank, die mit einem Komplett­angebot bei den Kunden punkten will, dort die in der Deutschschweiz weitgehend unbekannte Dukascopy aus Genf, deren Angebot sich auf Währungen und Differenzkontrakte beschränkt.

Über Finanzbereich hinaus

Die Ziele, die sich der Deutsche Bajjali steckt, liegen hoch: «Die Schweiz soll für unser Unternehmen ein wichtiger Markt werden.» Er erinnert sich an seine Zeit in Spanien, wo er während acht Jahren für den dortigen IG-Ableger tätig war. Seine Erkenntnis aus jener Zeit: Das Spekulieren mit Differenzprodukten fasziniert Leute weit über den Finanzbereich hinaus, wie er an diversen Kundenseminaren feststellte. Einer von ihnen war ein Gemüsebauer, der sich nebenher ein Zugeld mit den Differenzkontrakten verdiente.

Marktbeobachter hegen indes Zweifel, ob IG hierzulande tatsächlich reüssiert. Der klassische CFD-Trader, so ein Szenekenner, erfülle drei Voraussetzungen: Er mache Chartanalyse, sei kostensensibel und ein «Heavy Trader». So wird jemand genannt, der oft und viel handelt. Der typische Schweizer Börsianer hingegen erfülle nicht eine dieser Bedingungen.

Einfachere Produkte gefragter

Selbst Swissquote, die bei ihrem Auslandgeschäft stark auf Währungen und Differenzkontrakte setzt, sieht in der Schweiz kaum Potenzial für CFD. «Bei uns werden in erster Linie einfachere Produkte wie Warrants gehandelt», sagt Swissquote-Chef Marc Bürki. Seine Erfahrungen zeigten, dass Schweizer Privatanleger ein eher ruhiges Anlageverhalten hätten. «Es gibt einen Markt für Zocker», räumt Bürki ein, «aber der ist sehr begrenzt.»

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Auch der zweite grosse Player in der Schweiz, Saxo Bank, gibt sich vom Markteintritt von IG wenig beeindruckt. «Konkurrenz ist gesund und belebt das Geschäft», sagt CEO Soren Mose lakonisch. Er weiss auch, dass das Geschäft mit Differenzkontrakten kein Selbstläufer ist. Vor einigen Jahren hatte die dänische Muttergesellschaft bereits einen Versuch unternommen, über einen Finanzintermediär den Handel mit Differenzkontrakten zu beleben – das Experiment scheiterte innerhalb kurzer Zeit. Heute bietet die Saxo Bank dieses Hebelprodukt wieder an, ­allerdings versteht sie dies als Teil eines Gesamtangebots. «Wir sind der einzige Multi-Product-Anbieter», sagt Mose. Will heissen: Nur bei Saxo Bank kann man in der Schweiz jedes mögliche Produkt über die Börse oder «am Tresen» (Over-the-Counter) handeln.

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Einige Fragezeichen

Beobachter fragen sich, ob hinter dem Einstieg der IG Group in der Schweiz sich möglicherweise eine andere Absicht verbirgt. «Es wird ein gewaltiger Challenge sein, im kleinen Schweizer Markt mit dem CFD-Handel alleine schon die hohen Kosten der Finma-Banklizenz einzuspielen», sagt ein Insider.

Es stelle sich daher die Frage, ob die IG mit der Schweizer Banklizenz den Swissness-Faktor im Ausland ausspielen wolle. «Der Schweiz-Bezug ist bei Neukunden im Ausland hoch angesehen, vor allem im FX-Bereich», so der Insider. Mit FX (Forex) ist der Devisenhandel gemeint – ein ­Segment, in welchem sich weltweit Hunderte von sowohl seriösen wie auch sehr undurchsichtigen Anbietern tummeln.

Standort Genf als «Anfängerfehler»?

Fragezeichen werden auch hinter den Standort Genf der IG Bank gesetzt. «Ein Anfängerfehler», wird in der Branche ­beurteilt. Längerfristig kämen tradingorientierte Finanzinstitute nicht um den ­Finanzplatz Zürich herum. Der Hauptharst der Schweizer Trader ist im deutschsprachigen Teil zu finden, zudem gelten Zürcher als deutlich affiner für häufiges Trading als ihre Genfer Kollegen. Diese Erfahrung musste auch die Saxo Bank machen, die ursprünglich ihren Schweizer Sitz in der Stadt Genf hatte. Nach kurzer Zeit zog die Bank um – in die Zürcher Vorortsgemeinde Zollikon.

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Von diesem Branchengerede will sich IG-Chef Bajjali nicht beirren lassen. Er verweist auf die Tausenden Kunden, die IG bereits heute in der Schweiz betreut und auf die grossen Pläne, welche die Bank in der Schweiz hegt. So sind schon bald landesweit Seminare geplant, an welchen Anleger über Chancen und Risiken von Differenzkontrakten aufgeklärt werden sollen. Und bis in zwei Jahren will IG – wie bereits heute in England – auch auf den reinen Aktienhandel setzen, wie Swiss­quote und Saxo Bank.