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Interview
«Digitalisierung von Patienten führt sehr weit»

Medizinaltechnik
Medizinaltechniker bei der Arbeit.Quelle: Sebastian Rothe

Warum Tesla aussen vor bleibt, ABB und Health-Tech-Anbieter aber zu den heissen Tech-Aktien zählen: Das sagt Fondsmanager Andreas Dagasan.

Von Peter Manhart
am 19.09.2018

Sie verantworten einen Technologiefonds. Doch konsumnahe Titel oder Social-Media-Firmen sucht man darin vergeblich. Weshalb würden Sie beispielsweise nie in Tesla investieren?
Andreas Dagasan*: Wir konzentrieren uns auf die Hauptprofiteure von technologischen Megatrends. Also die Unternehmen, auf die andere Firmen wie eben Tesla angewiesen sind. Der US-Chip- und Grafikkartenhersteller Nvidia ist so ein Unternehmen. Für die Aktie spricht trotz hohen Bewertung weiterhin viel. Nvidia ist hochprofitabel und wächst rasant. Im Bereich Elektromobilität und autonomes Fahren zählt die deutsche Infineon dazu, die in den Bereichen Energieeffizienz, Mobilität und Sicherheit eine sehr starke Marktstellung innehat.

Was gefällt Ihnen besonders an Infineon?
Erstens ist die Aktie nicht zu anspruchsvoll bewertet, zweitens ist die Qualität des Managements ausgezeichnet und die Bilanz robust. Das sind alles Voraussetzungen für Infineon, sich künftig positiv zu entwickeln.

Sie erwähnen als einen der ersten Titel einen Konzern aus Deutschland. Und wie steht es mit Schweizer Gesellschaften?
ABB ist Bestandteil unseres Fonds. Vor wenigen Jahren hätten wohl viele gesagt, was will ich mit einer ABB in einem Technologiefonds, die sind doch in den Bereichen Energie und Kraftwerkbau tätig. Das will ich nicht. Das ist langweilig. Dabei ist ABB einer der Konzerne, der wirklich eine Neupositionierung anstrebt und auch durchführt.

Bei ABB handelt es sich um einen Vertreter, der von einem anderen Megatrend profitiert, namentlich der Industrie 4.0.
Richtig. Dieser Trend umfasst die Automatisierung und die Roboterisierung der Wirtschaft. Systemsoftwareanbieter sind hier ebenfalls Profiteure.

Wer noch?
Besonders gut positioniert sind Unternehmen aus Japan wie der Mechatronik-Spezialist Yaskawa und der Roboterbauer Fanuc. Beide Aktien kamen zuletzt allerdings unter Druck.

Weswegen?
Einerseits belastet die Handelskriegsthematik, anderseits sind mittlerweile gewisse konjunkturelle Gegenwinde spürbar, die eventuell auch China erfassen. Persönlich glaube ich aber, dass der Trend ungebrochen ist. Der Anteil an Robotern in Werkhallen wird sich weiter erhöhen, denn die Konzerne sind angehalten, die Produktivität und Effizienz weiter zu steigern. Produktionsstandorte werden mittlerweile vermehrt von Billiglohnländern in die Industrieländer zurückgeholt – ohne grossen Einsatz von Robotern wäre das nicht möglich.

Möglicherweise wird Roboterarbeit künftig besteuert. Könnte das den Trend hin zu mehr Automatisierung bremsen?
In den entwickelten Ländern herrscht ein Arbeitskräftemangel, der sich noch akzentuieren dürfte. Daher gehe ich eher nicht davon aus, dass sich der Trend verlangsamt. Im Gegenteil – die in den USA beschworene Reindustrialisierung dürfte an Fahrt gewinnen und auch in Europa Nachahmer finden.

Der 3D-Druck erhielt vor einigen Jahren grosse Aufmerksamkeit. Mittlerweile hat sich das mediale Interesse etwas verringert. Wie beurteilen Sie die Entwicklung in diesem Bereich?
Der 3D-Druck hat eine grosse Zukunft vor sich – für mich stellt sich die Frage, wo ich das geeignete Unternehmen für den Fonds finde...

... Und Ihre Antwort darauf?
3D Systems aus den USA und SLM aus Deutschland, ein metallurgischer 3D-Drucker.

Spricht auch etwas gegen SLM?
Die Schwierigkeit für das Unternehmen besteht in der Adaption der Nachfrage. Das führt bei Quartalsberichten manchmal zu Enttäuschung, was kurzfristig orientierte Anleger enttäuschen kann. Aber dabei handelt es sich um ein generelles Problem bei industrieorientierten Unternehmen, die sich innerhalb eines Megatrends positionieren. Die Anfangsphase ist oft holprig.

Werden wir alle bald einen 3D-Drucker zu Hause stehen haben?
Im Haushalt sehe ich wenig Zukunft für 3D-Drucker. Die Industrie und die Medizinaltechnik sind Abnehmer.

An was denken Sie speziell – Zahntechnik?
Das sehe ich als erfolgsversprechend an.

In welchen anderen Bereichen in der Medizinaltechnik erwarten Sie bahnbrechende Innovationen?
Im Bereich der Operationsrobotik. So kann die Fehlerquote verringert werden und im Gesundheitssystem können Kosten eingespart werden. Der Bereich wird weiter rasant wachsen wie auch Telemedizin-Anwendungen.

Was meinen Sie genau mit Telemedizin?
Die Digitalisierung der Patienten. Das führt mittlerweile sehr weit. Durch die Vernetzung der Spitäler und Ärzte kann die Medikation viel präziser abgestimmt werden. Durch solche Plattformen steigt der Behandlungserfolg und so resultiert wiederum eine Kostenersparnis für das Gesundheitssystem. Unternehmen, die das ermöglichen, werden sehr hohe Zuwachsraten erzielen. Dazu zählt die amerikanische Tabula Rasa Healthcare.

Erwarten Sie, dass die Digitalisierung auch in klinischen Pharmastudien Einzug hält?
Was wir bereits sehen, ist, dass künstliche Intelligenz in der Diagnose eingesetzt wird. Eine der Hintergrundanwendungen ist IBM Watson. Aber deswegen in IBM zu investieren, ergibt keinen Sinn, der Anteil am Gewinn ist marginal.

Das scheint ein grundsätzliches Problem beim Investieren in Megatrends zu sein – Pure Plays zu finden ist schwierig?
Oft wären einzelne Abteilungen von Grosskonzernen spannend als Investition. Teilweise ergeben sich solche Möglichkeiten, wie zuletzt, als Siemens die Medizinalsparte an die Börse brachte. Wir haben allerdings nicht in Healthineers investiert. Aber es handelt sich um eine spannende Geschichte, ebenso wie bei Philips Healthcare, die ebenfalls vom Rest des Konzerns abgespalten wurde.

Welche Aktie ist Ihr Favorit im Bereich Medizinaltechnik?
Eine der vielversprechenden Aktien ist Carl Zeiss Meditec.

Wer wird derzeit unter Wert geschlagen?
Osram. Werden die Hausaufgaben erledigt, besteht Potenzial nach oben.

* Andreas Dagasan ist Leiter Globale Aktien bei der Bantleon Bank.

 

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