VERPACKUNGSINDUSTRIE. Das Geschäft mit Verpackungen war in den letzten Jahren eine klare Wachstumsbranche. Im vergangenen Jahr wurden weltweit geschätzte 527 Mrd Dollar umgesetzt, davon knapp über 6 Mrd Fr. in der Schweiz. Dies entspricht einem weltweiten Wachstum von über 4,5% gegenüber dem Vorjahr.

Trotz hoher Marktsättigung und starker globaler Konkurrenz konnten sich die schweizerischen Unternehmen erstaunlich gut behaupten. Doch mit der Erschliessung neuer Märkte im Osten und der Klimadebatte kommen neue Herausforderungen auf die Unternehmen zu.

Exportstarke Schweizer

Der Verdrängungskampf auf dem internationalen Verpackungsmarkt ist hart. Dennoch konnten 2006 die meisten Schweizer Unternehmen, darunter viele kleinere und mittlere Betriebe, Umsatzgewinne erzielen. Die drei grössten Unternehmen der Branche, die kürzlich von der neuseeländischen Rank-Gruppe übernommene SIG, die Model-Gruppe, Anbieterin von Kartonverpackungen, und der Glasverpackungshersteller Vetropack, konnten im letzten Jahr ihre Umsätze deutlich steigern. Ebenfalls stark läuft hierzulande der Export von Verpackungsmaschinen, in dem die Schweiz weltweit gar den fünften Rang belegt. Für die exportstarken Schweizer Unternehmen sichten Analysten vor allem in der Erschliessung neuer Märkte, namentlich in China, Osteuropa und Südamerika, Wachstumspotenziale.Um sich in diesen neuen Märkten gegen ausländische Konkurrenz zu behaupten, setzen Schweizer Unternehmen vermehrt auf die Integration verschiedenster Dienstleistungen in ihr Angebot: «Es geht eben nicht nur um den Preis der Verpackung selbst, sondern dem Kunden muss es auch darum gehen, wie viel der ganze Verpackungsprozess und die damit verbundenen Dienstleistungen kosten», erklärt Wolfgang Durrer, Geschäftsführer des Schweizerischen Verpackungsinstituts (SVI). Im Angebot stehen ganze Verpackungssysteme, die Logistik, Abfüllung und verschiedene weitere Dienste umfassen können. Unternehmen, die ihre Verpackungen in der Schweiz vergleichsweise teuer produzieren, können dank effizienter Systeme die integrierte Gesamtlösung zu attraktiven Preisen anbieten. Doch steht nicht mehr bloss der Preis im Mittelpunkt. Mit zunehmendem Einfluss auf Gesellschaft und Politik verändert die Klimadebatte auch die Kundennachfrage. Für die Grossen der Branche gehört neben der globalen Positionierung ein aktives Klimaschutzprogramm dazu.

Klimaschonend produzieren

Spätestens seit Ende der 1980er Jahre sind ökologische Betrachtungen ein Thema in der Verpackungsbranche. Während es früher hauptsächlich darum ging, die Verschmutzung durch Verpackungsmüll zu reduzieren, geht es heute um Nachhaltigkeit in einem breiteren Sinne. Es wird versucht, den ganzen Produktionsprozess – von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Auslieferung – im Hinblick auf seine ökologische Gesamtbilanz zu optimieren. Jüngstes Beispiel hierfür ist die Umweltkampagne des Verpackungsriesen Tetra Pak (siehe auch «Handelszeitung» Nr. 43 vom 24. Oktober 2007). In Zusammenarbeit mit dem WWF hat sich das Unternehmen zum Ziel gesetzt, bis 2010 konzernweit die CO2-Emissionen um einen Zehntel zu verringern. Der Trend hin zu nachhaltiger Produktion scheint bereits die gesamte Branche erfasst zu haben: «Wer da nicht mitdenkt und mitmacht, begibt sich ins Offside», bestätigt auch Durrer. Viele sehen in dieser Entwicklung eher eine Chance, sich gegenüber der Konkurrenz aus Billiglohnländern noch stärker zu profilieren.

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