Wird die Privatbank Sarasin verkauft, gerät die ganze Schweizer Privatbankenlandschaft in Bewegung. Das lässt auch die börsenkotierte GAM-Gruppe nicht unberührt. «Wir sind interessiert an Akquisitionen», sagt GAM-Sprecherin Larissa Alghisi. Zum konkreten Fall Sarasin will sie sich nicht äussern − aber das kann noch werden. Denn käme bei Sarasin die Zürcher Julius Bär zum Handkuss, wäre eine Abspaltung des Sarasin-Asset-Managements mit den bekannten Nachhaltigkeitsfonds denkbar, heisst es am Markt.

Aktienkurs unter Startwert

Doch das allein würde die unter stagnierenden Vermögen und rückläufigem Gewinn leidende GAM nicht weiterbringen. Heute steht die Zürcher Asset-Managerin auf den zwei Standbeinen GAM, einer aktiven Vermögensverwalterin mit Basis England, und Swiss & Global Asset Management, die aus dem Julius-Bär-Fondsgeschäft hervorgegangen ist. Auch GAM gehörte bis 2009 zu Bär. Als sich diese auf ihr Kerngeschäft Private Banking fokussierte, wurden GAM und die Bär-Fonds in die GAM-Holding fusioniert und an der Börse kotiert. Der Kurs mäandrierte lange um den Startpreis von 12 Franken. Erst ab Mitte 2010 schossen die Titel in die Höhe. Vom Börsenaufschwung würde GAM profitieren, meinten viele Anleger. Als dann klar wurde, dass es sich um ein Strohfeuer handelte, brach der Titel ein. Derzeit pendelt er um 11 Franken. Für die beiden GAM-Spitzenmanager Hans de Gier (67) und David Solo (45) ist das heutige Umfeld eine Herausforderung. Der Haudegen aus Holland und der smarte Risk Manager aus den USA haben einen langen gemeinsamen Weg hinter sich, der sich durch spektakuläre Deals auszeichnet. Diese haben sich nicht zuletzt für die beiden Top-Shots selbst bezahlt gemacht.

De Gier und Solo lernten sich in den 1990er-Jahren bei der Grossbank UBS kennen. De Gier war ein gestandener Manager und genoss das Vertrauen von UBS-Übervater Marcel Ospel. Solo galt als aufgehender Stern bei der von Ospel akquirierten Chicagoer Derivateboutique O’Connor. Aus de Gier und Solo wurde eine Art Meister und Zauberlehrling. Solo, der nach dem Milliardenverlust mit dem Hedgefonds Long Term Capital Management ab 1998 das Risk Management der UBS neu aufbaute, kam nach einer zweijährigen Pause zur Grossbank zurück und galt als Zahlengenie. De Gier hingegen war der schlaue, gnadenlose Investmentbanker, der mit Hilfe von Solos Sachverstand lukrative Deals zimmern konnte.

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Standbeine neu ausrichten

Im Herbst 2005 war es so weit. De Gier hatte Julius-Bär-Präsident Raymond Bär eine Gruppe von UBS-Töchtern schmackhaft gemacht, mit GAM im Zentrum und drei kleineren Privatbanken als Zugabe. Der Verkauf verschaffte de Gier und Solo beste Plätze im neuen Bär-Konstrukt: De Gier wurde Chef der ganzen Privatbank, Solo Chef des Asset Managements. Vier Jahre später gelang de Gier und Solo eine zweiter Coup, diesmal an der Börse respektive mit unabhängigen Investoren. Wieder lohnte sich die Transaktion nicht zuletzt für das umtriebige Duo. De Gier sitzt heute auf über 1,5 Millionen GAM-Optionen, die bei einem Kurs über dem Strike-Preis von 12.28 Franken den grossen Reibach bringen könnten. Nun könnte ein dritter Verkauf das Ziel von de Gier und Solo sein. Doch ein solcher ist fürs Erste unwahrscheinlich. «Das GAM-Management kann nicht mehr wie früher mit einem Weiterverkauf der Gruppe zu einem hohen Preis rechnen, dafür hat sich das Umfeld zu dramatisch verändert», sagt ZKB-Analyst Andreas Venditti. Entsprechend sei nun operative Arbeit angesagt.

Das dürfte den beiden nicht leicht fallen. Nicht nur haben es de Gier und Solo mit schwierigen und tendenziell fallenden Märkten und vorsichtigen, sparsamen Kunden zu tun. Sie müssen gleichzeitig den wichtigsten Bereich ihres Zweibein-Unternehmens komplett neu ausrichten.GAM, eine 1983 vom bekannten Bankier Gilbert de Botton gegründete Boutique, profitierte bisher immer von der Heimat in einer grossen Privatbank mit viel Kundengeldern. Ab 1999 war das die UBS, nach dem Verkauf 2005 Julius Bär. Mit der Verselbstständigung musste die Gruppe dann aber einen Abfluss von UBS- und Bär-Kundengeldern von rund 35 Milliarden Franken wegstecken. Die Gegenstrategie war der Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes. Heute, so GAM-Sprecherin Alghisi, stünde GAM bei vielen Finanzintermediären sowie bei grossen Institutionellen wie Versicherungen und Pensionskassen auf der Fonds-Einkaufsliste. Selbst im riesigen US-Markt, der zuvor brach gelegen habe, sei die Asset-Managerin heute mit eigenen Produkten präsent.

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GAM wird nächste Woche einen Zwischenbericht über die ersten neun Monate 2011 vorlegen. Der dürfte einmal mehr durchzogen ausfallen – so viel zu tun wie nie für das Gespann an der Spitze.

 

Unternehmen: Abfluss bei den Vermögen

Unter Druck
Die kotierte GAM-Holding ermöglicht dem Investoren, auf das reine Vermögensverwaltungsgeschäft zu setzen. Die Holding bietet unter ihren zwei Marken GAM und Julius Bär eine breite Palette von Fonds an. Seit dem Zenit von 2007 sind die verwalteten Vermögen um rund einen Drittel gesunken. Das Management hat die Kapazitäten bisher aber nur beschränkt angepasst. Sollte sich die Finanzwelt in absehbarer Zeit nicht aufhellen, müssten auch die GAM-Chefs sparen.