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«Gute Chancen zum Einsteigen»

Der mit der Swissfirst-Affäre bekannt gewordene Pensionskassen-Manager setzt weiter aufs Risiko: Er übergewichtet Aktien und macht sich als Vermögensverwalter selbstständig.

Von Samuel Gerber
am 26.08.2008

Ein Investor darf nie die Chancen und Risiken einer Geldanlage unterschätzen.» Das ist Jürg Maurers Anleger-Motto. Doch die Risiken, die dem Head Portfolio Management der Rieter Management AG 2006 aus einer einzigen Transaktion erwachsen sind, hatte er sich in diesem Ausmass bestimmt nicht ausgemalt. Damals verkaufte er für die Pensionskasse des Industriekonzerns Rieter 40 000 Aktien der Privatbank Swissfirst. Wenig später schoss der Kurs der Aktie um 20% hoch, als Swissfirst mit der damaligen Bank am Bellevue fusionierte.

«Wir starten im Oktober»

Was dann folgte, war die Swissfirst-Affäre. Maurer geriet wegen seines Vorgehens – hatte er von der bevorstehenden Fusion gewusst? und wegen seines eigenen, rasch vermehrten Vermögens ins Fadenkreuz der Öffentlichkeit. Der «Blick» schimpfte ihn den «frechsten Pensionskassenverwalter der Schweiz». Untersuchungen, die sowohl Rieter wie auch die Eidgenössische Bankenkommission in der Sache anstellten, konnten jedoch die verschiedenen Verdachtsmomente nicht bestätigen. Maurer blieb bei Rieter. Der «Blick» entschuldigte sich. Und aus der Swissfirst wurde die Bellevue Group.

Nun, zwei Jahre später, packt der heute 55-Jährige eine neue Chance: Er macht sich selbstständig. «Am 1. Oktober 2008 werde ich zusammen mit Mitarbeitern die Firma JMA Jürg Maurer Asset Management AG starten», bestätigt Maurer seine Pläne auf Anfrage. Wie sich dem Handelsregister entnehmen lässt, wo JMA seit Anfang August eingetragen ist, besteht das Angebot aus Vermögensverwaltung, Anlageberatung sowie der Besorgung von Finanz- und Treuhandgeschäften aller Art. Maurer firmiert dabei als Präsident des Verwaltungsrats. Ihm zur Seite stehen Markus Frey, Präsident der Zürcher Beteiligungsgesellschaft Frey Group Holding, sowie Livio Zanetti. Zanetti ist unter anderem Verwaltungsrat der an der Berner Börse BX kotierten Effektenhändlerin CAT Group, die auch Transaktionen für Rieter durchführte. Mit CAT hat Maurer noch weitere Berührungspunkte: Er sitzt dort selber im Verwaltungsrat. Maurer sagt aber: «Die Firma JMA wird weder finanzielle noch andere Verflechtungen mit CAT haben.»Maurers neuer Unternehmung ist das Interesse gewiss: Der diplomierte Bankfachmann konnte sein eigenes Vermögen innerhalb von wenigen Jahren von einigen hunderttausend auf 70 Mio Fr. steigern. Und für die Rieter-Pensionskasse erzielte er gemäss eigenen Angaben seit 1994 eine durchschnittliche Jahresperformance von über 14%. Erreicht hat dies der von seinem ganzen Äusseren her vorsichtig wirkende Maurer auch dank der konsequenten Übergewichtung von Aktien im Portefeuille: Bei Rieter holte er sich die Erlaubnis, den Aktienanteil des PK-Vermögens bis auf 60% zu steigern. Und auch heute misst er dieser Anlageklasse viel Potenzial zu. «Nach den jüngsten Kursrückschlägen bieten Aktien gute Einstiegschancen», so Maurer. Risiken sieht er bis zum Jahresende dagegen bei Bondanlagen. «Gründe dafür sind die Inflationsgefahr und mögliche Zinserhöhungen.» Wenn Maurer Aktienpapiere zukauft, hält er sich an feste Prinzipien: Erstens schaut er sich nach Titeln mit einer langfristig stabilen Wertentwicklung um, die aber noch nicht im Börsenwert enthalten ist. Dies entspricht dem sogenannten «Value»-Stil, der von einem der berühmtesten Investoren überhaupt, Warren Buffett, angewendet wird.

Derivatestrategien sinnvoll

Als Stock Picker sucht er seine Investments dazu selber und einzeln heraus. Dies im Gegensatz zu den passiven Index-Investments, die gerade bei Pensionskassen immer häufiger angewendet werden. Aktiv am Markt auftreten, das ist Maurer wichtig.

Dass er für seine Aktionärsrechte mitunter auch auf Konfrontationskurs mit einem Firmen-Management geht, hat die Generalversammlung des Bierbrauers Feldschlösschen im Jahr 2001 gezeigt. Zusammen mit anderen institutionellen Investoren kippte die Rieter PK damals die Führungscrew. Nicht nur im Umgang mit dem Aktionärsrecht, sondern auch mit der Finanztechnik zeigt sich Maurer gewandt. «Im Zusammenhang mit der Optimierung einer Anlagestrategie sowie als Absicherung von bestehenden Anlagen sind Derivatestrategien sinnvoll.» Allerdings hätten Derivate während seiner Tätigkeit als Portfolio-Manager für die Rieter Group keine grosse Bedeutung gehabt, sagt Maurer.

Bei aller Optimierung setzt Maurer jedoch vorab auf eine solide Basis. Für ihn seien ein guter Investment-Case und ein langfristiger Anlagehorizont immer wichtig gewesen. Um solche Anlagen zu finden, müsse man stets die Augen nach Themen offen halten. Einige Themen hat Maurer heute schon identifiziert. So Energie, Infrastruktur, Biotechnologie und Gesundheit. Und er weiss auch, welche Einzelwerte hier die besten Chancen bieten. ABB für Energie und Infrastruktur, Amgen für die Biotechnologie, Lonza und Straumann bei der Gesundheit. Und Apple, weil der Aktie wohl kein Stock Picker wiederstehen kann.

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