Am Samstag, 29. September 2001, schuf sich Peter Kurer (58) seinen Ruf. Als Rechtsvertreter seines Vorgesetzten Marcel Ospel diktierte er der maroden Swissair die Kapitulationsbedingungen. Nach der Unterschrift der Swissair-Chefs, die eine 70-jährige stolze Firmengeschichte beendete, sagte Kurer gemäss Protokollen, die später auftauchten: «So, jetzt haben wir Euch den Stecker gezogen.»

Nun muss Kurer Acht geben, dass der Stecker der UBS drin bleibt. Der Chefjurist der Grossbank soll an der Generalversammlung vom 23. April 2008 den gescheiterten Kapitän Marcel Ospel auf der Brücke ablösen. Kurer gilt in der Konzernleitung als nahezu Einziger, der vom Debakel mit fast 40 Mrd Fr. Verlust im US-Hypothekenmarkt nicht direkt betroffen ist. Aber Kurer ist nicht nur «the last man standing» in der UBS-Konzernleitung, sondern er verfügt auch über das nötige Selbstvertrauen, sich das Amt zuzutrauen, und er ist sich sicher, die dafür nötigen Qualitäten mitzubringen. Als Wirtschaftsanwalt stieg Kurer 1980 bei der Kanzlei Baker & McKenzie in Zürich ein. Mit seiner Mitarbeit am Zusammenschluss der ABB in den Jahren 1987/88 legte er den Grundstein für sein Spezialgebiet der Fusionen und Übernahmen. In den folgenden Jahren war er an den ganz grossen Deals in der Schweizer Wirtschaftsgeschichte beteiligt, sei es beim Verkauf der Uhrenmarken IWC, A. Lange & Söhne und Jaeger-LeCoultre an Richemont oder bei der Fusion von Ciba-Geigy und Sandoz zu Novartis.

Genügend Fingerspitzengefühl für die Spitze?

Rechtsanwalt Urs Schenker von Baker & McKenzie kennt Peter Kurer seit Jahren und bezeichnet ihn als guten Freund. Die beiden arbeiteten lange zusammen bei der Zürcher Wirtschaftskanzlei Homburger, wo Peter Kurer bis Frühling 2001 Partner war, bevor er in die Geschäftsleitung der UBS wechselte. «Peter Kurer ist genau der richtige Mann für die UBS», glaubt Schenker. «Denn Kurer ist ein exzellenter Jurist, und das ist in der momentanen Lage von grossem Vorteil.» Denn Kurer wisse, was für die Bank regulatorisch möglich sei. Gleichzeitig habe er schon immer einen ausgeprägten Blick für die Wirtschaft gehabt und verfüge über einen Sinn für Prioritäten. «Die UBS braucht jetzt einen Anpacker, der mit beiden Beinen auf dem Boden steht», sagt Schenker.

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Der Zürcher Wirtschaftsanwalt François Bernath hatte einst mit Kurer zusammen die Anwaltsprüfung vorbereitet. Damals habe Kurer gesagt, er sehe seinen Weg auf einer grossen Anwaltskanzlei, nicht bei einem Unternehmen. «Als ich von seinem Wechsel zur UBS vernahm, da neckte ich ihn und sagte, das passe doch gar nicht zu ihm», erzählt Bernath. «Diese Bemerkung geriet ihm in den falschen Hals.» Kurer sei ein hervorragender Jurist, ob er aber das Zeug zu einem grossen Bankpräsidenten habe, sei offen. «Da braucht es auch Fingerspitzengefühl, und das hat er nicht. Widerstand überrollt er wie eine Dampfwalze», sagt Bernath. Juristische Schlachten in den USA, die der UBS von erbosten Anlegern drohen, seien aber ein anderes Kaliber als Verhandlungen mit einer bankrotten Swissair.