Zeit ist Geld. Gespannt warten Anleger und Analysten Anfang Jahr auf die Ergebnisse der Unternehmen. «Grundsätzlich gilt beim Jahresabschluss: Je früher, desto besser. Denn so sind Rückschlüsse auf den aktuellen Unternehmenswert besser möglich», erklärt Beat Füglistaller, Analyst bei der Bank Sal. Oppenheim.

Bei einigen Börsenschwergewichten müssen sie sich allerdings in Geduld üben - am längsten bei Swiss Life, nämlich 89 Tage (siehe Grafik). «Wir überprüfen derzeit die internen Abläufe mit dem Ziel, in Zukunft den Abschluss jeweils früher im Jahr publizieren zu können», heisst es beim Schweizer Lebensversicherer. Dass es auch schneller geht, beweist seit Jahren der Warenprüfkonzern SGS, der die kompletten Zahlen schon Mitte Januar (15 Tage) vorlegt und damit punkto Geschwindigkeit den Spitzenrang belegt.

Es geht immer schneller

Die Swatch Group benötigt 70 Tage und belegt damit im Reigen der SMI-Titel den zweitletzten Rang. Der Umsatz wird allerdings schon vorab bekannt gegeben. «Analysten sind für die Swatch Group kein Massstab für die Festlegung des Publikationsdatums. Wichtig sind gute Ergebnisse und dass sie richtig sind. Schneller als andere zu sein, spielt in diesem Fall für uns keine Rolle», sagt Swatch-Sprecherin Béatrice Howald. Immerhin: Noch vor wenigen Jahren liess sich Uhrenkönig Nicolas Hayek mit dem Abschluss Zeit bis im Mai. Auch andere börsenkotierte Unternehmen haben den Fahrplan in den letzten Jahren gestrafft, sodass heute praktisch alle die detaillierte Rechnung vor Ende März vorlegen.

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Und der Trend zur Beschleunigung des Abschlusses hält weiter an. «Heute kommt der Druck allerdings weniger von aussen, als von den Unternehmen selber», weiss Thomas Stenz, Leiter Wirtschaftsprüfung und Verwaltungsratspräsident von Ernst & Young Schweiz. Denn je früher die Ergebnisse vorliegen, desto schneller könne sich eine Gesellschaft wieder voll auf das laufende Geschäftsjahr konzentrieren und die Vergangenheit ad acta legen. «Hinzu kommt, dass ein Unternehmen, das die Zahlen im Januar vorlegt, von den Marktteilnehmern besser wahrgenommen wird, da zu diesem Zeitpunkt nicht mehrere Firmen gleichzeitig ihr Ergebnis publizieren», ist Stenz überzeugt. Insbesondere bei geplanten Kapitalmarkttransaktionen kann dies für die Firmen von Vorteil sein.

Abschluss im Januar ist möglich

Ansonsten lassen sich vom Publikationsdatum kaum Rückschlüsse auf die Qualität des Unternehmens ziehen. «Entscheidend ist, dass das interne Reporting schnell erfolgt, damit das Unternehmen umfassend über den eigenen Geschäftsgang informiert ist. Häufig wird aber erst zu einem späteren Zeitpunkt extern informiert», erklärt Sal.-Oppenheim-Analyst Füglistaller. Mit ein Grund für eine relativ spätere Information ist bei vielen Firmen das Abwarten des gedruckten Geschäftsberichts, was gut und gern zwei Wochen beanspruchen kann.

Ob eine späte Publikation auch für mehr Genauigkeit sorgt, ist offen. «Es ist technisch durchaus möglich, den Abschluss schon im Januar zu präsentieren», sagt Philipp Hallauer, Partner bei KPMG. Aber die Ansprüche seien gestiegen. In volatilen Zeiten sei der Abschluss aufwendiger, unter anderem wegen grösserer Unsicherheiten bei Bewertungsfragen. Hallauers Fazit: «Alles, was vor Ende Februar auf dem Tisch liegt, ist in Ordnung.»

Vorsorgen im November

Wer die Zahlen früh vorlegen will, muss bereits Ende November vorsorgen. Die Spezialisten sprechen dabei von einem «hard close» (siehe Kasten). Dazu braucht es neben entsprechenden Ressourcen und einer perfekten Organisation auch ein stabiles Geschäftsmodell, welches eine langfristige Bewertung möglich macht. Und vielfach eine kostspielige Software: Novartis steckte vor Jahren schon fast 100 Mio Fr. in solche Programme.

«Die Verkürzung der Abschlussfristen um mehrere Wochen kann für die Unternehmen einen Zusatzaufwand verursachen, der sich vor allem für KMU vielfach nicht lohnt», erklärt Hanspeter Stocker, Audit Partner bei KPMG. Schliesslich brauche es für einen solchen Schritt häufig neue Prozesse, die Zusatzkosten verursachen können.

Um dennoch zeitig zu kommunizieren, hat sich bei vielen Firmen in den letzten Jahren die Praxis durchgesetzt, Schlüsselzahlen bereits vorab zu kommunizieren. Dies findet auch bei den Analysten Anklang. «Zuerst nur den Bestellungseingang, Umsatz oder Gewinn zu veröffentlichen und zu einem späteren Zeitpunkt den gesamten Abschluss zu präsentieren, erscheint mir sehr sinnvoll», erklärt Füglistaller. Dies gilt insbesondere für Firmen, die nur halbjährlich rapportieren. «Im Hinblick auf Prognosen zum laufenden Geschäftsjahr ist es nämlich gar nicht schlecht, wenn bereits eine gewisse Zeit im Jahr verstrichen ist», so der Analyst.