Die Finanzkrise hat den Small- und Mid-Cap-Fonds von Bernhard Signorell zurückgeworfen. Mit einem Minus von 45% innerhalb der letzten drei Jahre findet sich der 3V Invest Swiss Small & Mid Cap Fonds am Ende einer Gruppe von rund 60 Schweizer Nebenwerte-Fonds wieder, die er während mehrerer Jahre souverän angeführt hatte. «Die Performance des Fonds war in den letzten zwei Jahren unerfreulich ? ein klarer Misserfolg für mich», sagt der Chef von 3V Asset Management selbstkritisch.

«Mehr auf den Bauch hören»

Als Hauptgrund der Underperformance sieht Signorell die starke Übergewichtung von illiquiden Small Caps, die im Abschwung besonders gelitten haben. Doch als Fondsmanager will er sich nicht nur an einem Index orientieren, sondern Akzente setzen und auch mutige Entscheide fällen. Heute ist 3V am stärksten in Airesis, Swissmetal und Publigroupe investiert.

Diese erfolgen nicht nach dem Prinzip Zufall, wie die Dart-Scheibe im Büro von 3V vermuten lassen könnte, sondern vielmehr aufgrund einer klar definierten Strategie. «Das Universum, bestehend aus Schweizer Small und Mid Caps, wird regelmässig durchgekämmt und die Firmen werden auf ihre finanziellen Kennzahlen untersucht», erklärt Signorell, der als Hobby-Bogenschütze auch privat auf Treffsicherheit aus ist. Unterbewertete Gesellschaften mit einer spannenden Story nehmen Signorell und sein Co-Manager Martin Lehmann anschliessend genauer unter die Lupe. Bevor ein Investmententscheid gefällt wird, trifft sich Signorell in der Regel mit dem Management des Unternehmens.

Anzeige

«Derzeit gibt es angesichts der Krise viel mehr Anlageideen, als Geld vorhanden ist», sagt der langjährige Finanzmarktkenner. Denn aus Angst vor einem weiteren Abschwung sind viele Investoren vorsichtig geworden und stehen abwartend an der Seitenlinie. Nach wie vor werden zudem Mittel aus dem Fonds abgezogen. «Ich kenne das Verhalten der Anleger aus der letzten Krise, deshalb bereitet mir die aktuelle Situation auch keine schlaflosen Nächte», so der 3V-Chef. Dank seinem Durchhaltewille ist es ihm seit der Gründung von 3V gelungen, das Fondsvermögen von anfänglich 20 Mio Fr. auf rund 500 Mio Fr. im Jahr 2007 zu steigern. Heute liegt das Vermögen wieder bei 65 Mio Fr.

«Die jüngste Finanzkrise hat mich gelehrt, dass ich mehr auf meinen Bauch hören sollte», sagt Signorell. Wenn er von einem Titel überzeugt war, hat er schon mal Zweifel am Management beiseite geschoben ? ein Fehler, wie er im Nachhinein feststellen musste. Zumal im Segment der Small und Mid Caps ein Ausstieg aus den Investitionen angesichts der geringen Liquidität zum Teil sehr schwierig oder mit hohen Verlusten verbunden ist. «In solchen Fällen muss man ohnmächtig zusehen, da schon bei den ersten Alarmzeichen kein Markt mehr vorhanden ist», erklärt Signorell.

Die Liquidität geniesst daher seit der Finanzmarktkrise eine erhöhte Priorität im Alltag von Bernhard Signorell. Wenn er morgens ins Büro kommt, dann stehen als erstes Gespräche mit Brokern auf dem Programm. «Sie geben mir Informationen über den Handel, Stimmungsberichte und sagen mir vor allem, wie der Flow am Markt ist», so der 3V-Gründer. Damit bezeichnet er die gehandelten Volumina und die Angebots- und Nachfragesituation bei den einzelnen Titeln. «Heute überlege ich es mir mehrmals, bevor ich einen illiquiden Aktienblock kaufe, auch wenn der Titel interessant wäre», sagt Signorell. Das Liquiditätsmanagement erleichtert sich durch die Tatsache, dass das 3V-Team fast alle Investoren persönlich kennt.

Auf der Harley nach Hause

Auf bestehende Kontakte wird zum Teil auch zurückgegriffen, wenn es um die Akquisition von neuen Mitteln für den Fonds geht. Insbesondere Kunden, die mit ihrem Investment in 3V bereits gutes Geld verdient haben, sollen für einen Wiedereinstieg gewonnen werden. Trotz der schwachen Performance seines Fonds in den vergangenen zwei Jahren kann er bei ihnen auf Verständnis hoffen, schliesslich handelt es sich bei den Kunden von 3V um professionelle Investoren. Anders als zu der Zeit, als er noch vermehrt Privatkunden betreute, bleiben heute die verunsicherten Telefonanrufe der Anleger nach Feierabend aus.

Wenn sich Signorell nach Arbeitsschluss auf seine Harley schwingt, um nach Hause zu fahren, spürt er das Gefühl von Freiheit, das er auch mit seinem Beruf als Fondsmanager verbindet. Seinen Anlagestil will er dennoch nicht mit seinem Fahrstil vergleichen: «In meinem Job scheue ich die Risiken nicht ? dies passt nicht zum Cruisen auf der Harley.»