Die Schlagworte einfach, günstig und transparent haben sich die Emittenten von Exchange Traded Funds (ETF) auf die Fahnen geschrieben und damit in den letzten Jahren einen wahren Siegeszug an den Börsen hingelegt. Zusehends entwickeln sich aber nun komplexere Variationen, die von den alten Ansprüchen abweichen: Darunter die in der Schweiz relativ neuen Short- und Leverage-ETF.

Short-SMI bald auch in Schweiz?

Short-Indizes stellen die inverse Performance eines Index dar. Die negative Entwicklung dieses Index führt für den Anleger also zu einem Wertzuwachs. Mit Leverage-Produkten kann der Anleger dagegen überproportional an der Wertentwicklung eines Index teilnehmen. Dabei sind auch Mischformen wie Short Leverage möglich: Nimmt der Basiswert um 1% ab, dann steigt das Produkt bei einem Hebel von Minus 2 um 2% (siehe Grafik). Seit rund zwei Wochen ist der weltweit erste Short-ETF auf den Swiss Market Index (SMI) handelbar. Das Deutsche-Bank-Produkt SMI Short Daily ist an der deutschen Börse Xetra gelistet. «Die Zulassung des SMI-Short-Daily-ETF in der Schweiz sowie die Börsenkotierung sind geplant», so Thorsten Michalik, Leiter des ETF-Geschäfts der Deutschen Bank. Seit letztem Herbst hat die Schweizer Börse SIX Swiss Exchange Short- und Leverage Indizes auf den SMI, den Swiss Leader Index (SLI) und den Swiss Bond Index (SBI) lanciert. Die Indizes sollen es Anbietern von strukturierten Produkten und ETF ermöglichen, entsprechende Produkte auf die neuen Hebelstrategien zu emittieren.

Bisher ist an der SIX noch kein Schweizer Short-Produkt handelbar. Stephan Meier von der SIX sagt dazu: «Es braucht immer eine gewisse Zeit, bis ETF aufgesetzt werden.» Daher könne noch keine Aussage über die Nachfrage gemacht werden. Auf jeden Fall hängt diese stark von der aktuellen Marktsituation ab. Gerade in Erholungsphasen oder Bullenmärkten dürfte diese also stark zurückgehen.

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Insgesamt sind in der Schweiz fünf Short-ETF handelbar: Zwei auf den DJ Euro Stoxx 50 (von der Commerzbank und der Deutschen Bank), zudem bietet die Deutsche Bank ein Short-Produkt auf den französischen Leitindex CAC 40, eines auf den deutschen DAX und eines auf den britischen FTSE 100. Das Angebot der Deutschen Bank soll laut Michalik in den nächsten Wochen erweitert werden. Ge- mäss SIX besteht auch seitens anderer Anbieter Interesse, Produkte auf Short- und Leverage-Indizes zu emittieren.

Schwankende Fondsvermögen

Gerade für wenig erfahrene Privatanleger bergen jedoch Short- und Leverage-Produkte durchaus ihre Tücken. Obwohl die Vehikel die Indizes mit einem bestimmten Hebel auf täglicher Basis abbilden, können langfristige Renditen nicht mit dem entsprechenden Faktor multipliziert werden. Deshalb sind die Indizes nur für kurzfristige Investitionen und nicht für eine «buy-and-hold»-Strategie geeignet.

Dass die Produkte für kurzfristig orientierte Anleger gedacht sind, hat auch Auswirkungen auf die Fondsvermögen: Diese unterliegen dadurch grossen Schwankungen. «Dies kann ein Grund sein, warum nicht alle Anbieter solche Produkte anbieten wollen», erklärt Meier von der SIX.