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Faustregel
Nach US-Wahlen boomen die Börsen

Richard Nixon Rücktritt
Der Nebel lichtet sich: Rücktritt von Richard Nixon 1974. Auf die Midterm-Elections danach folgte eines der besten Börsenjahre aller Zeiten.Quelle: akg-images

Die Börsenregel des Tages lautet: In den zwölf Monaten nach den Midterms steigen die Kurse. So war es seit dem Weltkrieg immer.

Von Ralph Pöhner
am 07.11.2018

Und jetzt? Ist der Ausgang der amerikanischen Wahlen nun gut oder schlecht für die Börsen? Für die Politiker und Ideologen ist der Fall ja zumeist klar: Wenn ihre Partei und ihre Seite gewinnt, dann steigen die Kurse – und sonst ist halt irgendetwas anderes Schuld.

Die Realität allerdings bestätigt eher eine Weisheit von Warren Buffett: «Es macht keinen Sinn, Anlagestrategien und Politik zu vermischen.»

Oder anders: Man kann die Börsenentwicklung kaum je mit den Machtverhältnissen im Staat in Einklang bringen. Und deshalb lässt man es besser bleiben. 

Egal, wer gewinnt

Eine schöne Bestätigung dafür liefert «Marketwatch». Der Investment-Kanal erinnert in einem Beitrag zu den US-Wahlen auf eine interessante Erfahrung: Seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Aktienkurse in den USA jedes Mal nach den Midterm Elections gestiegen. Und zwar ausnahmslos.

Konkret: Jeweils zwölf Monate nach den – immer im November stattfindenden – Wahlen zum Repräsentantenhaus lag der Dow Jones Index (und auch der S&P 500) höher als davor, wobei der Zuwachs im Schnitt stattliche 17 Prozent erreichte. 

Vor allem: Es kam gar nicht drauf an, ob die Demokraten oder die Republikaner einen Grund zum Feiern hatten.

Die Sache mit dem Nebel

Natürlich darf man nun nicht aus der Vergangenheit auf die Zukunft schliessen und sein Geld blind auf irgendwelche US-Aktien setzen. Denn klar ist auch: Die Aktienmärkte stiegen bislang sowieso in den meisten Fällen, Abstimmungen hin oder her. Konkret: In den 73 Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg schloss der Dow-Jones nur 22mal negativ ab.

Aber es könnte schon auch einen tieferen Grund geben für die bessere Börsenstimmung nach den Zwischenwahlen; darauf weist Stephen McBride vom «RiskHedge Report» hin. In den Monaten zuvor sind die Anleger traditionell zurückhaltend, zwischen Januar und Oktober fallen die Kurse im Schnitt um ein Prozent (auch in diesem Jahr war die Entwicklung ja bislang zäh).

Es könnte also sein, dass der Urnengang nun als reinigendes Gewitter wirkt. Oder mit Stephen McBride: «Betrachten Sie Midterm Elections als dicker Nebel, der über den Märkten liegt. Er trübt die politische Lage in der näheren Zukunft ein. Die Anleger werden nervös und handeln vorsichtig – so wie Sie auch ihr Auto im Nebel abbremsen würden.»

Wenn aber dann die Wahlen endlich vorbei sind, dann herrscht wieder Klarheit. Und mehr Zuversicht.

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Unsere Grafik zeigt die Gewinne des Dow Jones jeweils im vollen Jahr nach allen Midterm Elections seit 1946. Die Entwicklung war in den ersten zwölf Monaten nach der Abstimmung im November ausnahmslos positiv; in einem Fall – 2015 – ergab sich im Dezember dann noch ein leichter Rückschlag.