Christian Rahn teilt das Büro mit zwei Arbeitskollegen - und einem kleinen «Sechseläuten-Böögg», gebastelt aus einem mexikanischen Kürbis.

Das Maskottchen steht nicht ohne Grund am schönen Fensterplatz. Der Spross der alteingesessenen Zürcher Bankiersfamilie ist Zunftmeister der «Zunft zum Widder». Ein Amt, das einiges zu tun gibt: Nicht nur für das Zürcher Fest «Sechseläuten» schreibt er Reden, sondern er leitet auch während des Jahres Zunftanlässe.

Und dann ist da die Arbeit: Als unbeschränkt haftender Partner der Zürcher Privatbank Rahn & Bodmer Co. ist Rahn für den Rechtsdienst und das Personalwesen verantwortlich. Fast die Hälfte seiner Arbeitszeit widmet er aber noch immer seiner Kundschaft. Natürlich bestehe derzeit mehr Erklärungsbedarf, sagt Rahn. «Doch wegen der Finanzkrise und der Diskussionen rund um das Bankgeheimnis hat sich an der Arbeit für den Private Banker nichts geändert.»

Auf die Kunden eingehen und für sie ein langfristiges Anlagekonzept erarbeiten: «Das gilt in guten wie in schlechten Zeiten.»

«rahn&bodmerisch halt»

Deshalb ist er auch skeptisch, wenn andere Banken jetzt plötzlich mit einem «Strategiewechsel» auf die Krise reagieren und den «Kunden ins Zentrum» stellen. Das sei vermutlich weniger ein Umdenken als ein Umkommunizieren.

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Konnte die Zürcher Traditionsbank auch von der Krise profitieren? Profitieren, das ist für Rahn ein unseliger Ausdruck. Man habe zwar «schwergewichtig von der einen Grossbank» neue Kundinnen und Kunden gewonnen, doch die Verluste auf den Aktiven konnten damit nicht kompensiert werden. Die verwalteten Vermögen sind vom Höchst im Juni 2007 um 19% gesunken und liegen heute bei rund 11,3 Mrd Fr.

In den guten Jahren ist die älteste Zürcher Privatbank organisch und langsamer gewachsen als viele andere Privatbanken, die in das Hedge-Fonds-Geschäft eingestiegen sind oder andere eigene Produktefabriken aufgebaut haben.

Streit oder Differenzen über die künftige Ausrichtung der Bank habe es zwischen den drei Bankiersfamilien Rahn, Bodmer und Bidermann nie gegeben. «Wir betreiben das Vermögensverwaltungsgeschäft, das ist eine simple Strategie.» Daran werde sich auch in absehbarer Zukunft nichts ändern.

«Wir haben auch nie schon im Hinblick auf ein zukünftiges grösseres Wachstum neue Mitarbeitende eingestellt», sagt Rahn. Als Kundenberater sei auch willkommen, wer keinen Kundenstamm mitbringe. Ausschlaggebend sei, dass der künftige Mitarbeiter zur Bank passt. Doch wer passt zu Rahn & Bodmer? Rahn kann es gar nicht richtig beschreiben - «rahn&bodmerisch halt», sagt er.

Aufwendige juristische Arbeit

Die Kundenberater reisen häufig ins Ausland, um ihre Kunden zu besuchen. Doch reisende Vermögensverwalter können schnell mit ausländischen Gesetzen in Konflikt geraten. «Das Einhalten des komplizierter werdenden rechtlichen Umfeldes wird immer aufwendiger», sagt der promovierte Jurist.

Der begeisterte Berggänger wollte ursprünglich eine juristische Laufbahn einschlagen, die Bankkarriere strebte sein älterer Bruder Peter Rahn an. Neben den Brüdern Rahn gehören heute Martin und Christian Bidermann sowie André Bodmer zu den unbeschränkt haftenden Teilhabern. Alle Partner sind zwischen 42- und 55-jährig. In den nächsten 15 bis 30 Jahren würden also alle ins Pensionsalter kommen. «Unsere grösste Sorge ist die Nachfolge», sagt Rahn. Denn die Söhne und Töchter der Teilhaber sind noch jung, und wer weiss, ob sie dereinst Interesse am Bankgeschäft haben werden.

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Jetzt ist Deklaration geboten

Wie es auch kommt, für die Zukunft des Privatbankierhauses ist Rahn zuversichtlich, ebenso wie für das aus der Schweiz heraus betriebene Vermögensverwaltungsgeschäft. Die Zeit der unversteuerten Gelder laufe ohnehin schon seit dem Ende des Kalten Krieges ab. «Der Kunde ist exponiert, er kann die Mittel nicht brauchen.» Was rät er einem Kunden, der sich Sorgen macht, weil er unversteuertes Geld auf dem Konto hat? «Deklarieren», sagt Rahn.

Es ist der tägliche Kundenkontakt, aber auch der Kontakt mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Christian Rahn Freude bereitet. Und die Abwechslung. Seine Arbeitstage sind ungewöhnlich lang, und einmal im Gespräch fragt er: «Darf man sich auf die Ferien freuen?» Darf man? «Natürlich, aber auch oder vor allem das Leben im Alltag sollte einen zufrieden machen», meint Rahn.

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