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Norwegen: Lachspreis springt auf ein 30-Jahreshoch

Springender Lachs: Auch der Preis für sein Fleisch hüpft in luftige Höhen. Flickr/CC/ Thomas Bjørkan

Vor zwei Jahren waren die Lachspreise im Keller, nun sind sie so hoch wie seit rund drei Jahrezehnten nicht mehr. Die Trendumkehr brachte eine Schwemme parasitärer Seeläuse.

Veröffentlicht am 01.02.2016

Es ist eine recht gute Zeit, um Besitzer einer Lachsfarm in Norwegen zu sein. Die Exportpreise sind auf ein 30-Jahreshoch geschnellt, die weltweite Nachfrage steigt und die Gewinnmargen explodieren.

Im Jahr 2014 hatte es noch ganz anders ausgesehen. Damals steckte das grösste Lachs produzierende Land der Welt in einem tiefen Abschwung. Es war gezwungen, den Fisch mit Rabatt zu verkaufen. Wegen Handelssanktionen durfte beispielsweise kein Lachs mehr nach Russland verschifft werden, einem der wichtigsten Abnehmer.

Parasiten bringen die Wende

Die Trendumkehr setzte Ende vergangenen Jahres mit einer Schwemme parasitärer Seeläuse ein. Diese könnten die Produktion in der ersten Hälfte 2016 um fünf Prozent drücken, heisst es vom Norwegian Seafood Council.

Seit vergangenem Oktober sind die Preise für exportierten Lachs deshalb um bis zu 53 Prozent auf 61,64 Kronen pro Kilogramm (7,22 Franken) am 17. Januar nach oben geschnellt. Das geht aus wöchentlichen Daten der norwegischen Statistikbehörde hervor und ist laut Seafood Council sowie Nordea Bank der höchste Preis auf Kronen-Basis seit rund drei Jahrzehnten. Zum Vergleich: 2014 fuhr Lachs einen Tiefstpreis von gerade einmal 33,60 Kronen ein.

Knappes Angebot

Auch wenn die Preise in den vergangenen Tagen wieder etwas nachgegeben haben – wohl nicht zuletzt aufgrund der Sorge, dass zu hohe Preise die Nachfrage belasten könnten – werden sich die europäischen Verbraucher in diesem Jahr wohl auf höhere Kosten einstellen müssen, heisst es vom Seafood Council.

Grund ist das knappe Angebot, das noch ein paar Monate anhalten dürfte. Norwegen produziert fast seinen gesamten Lachs in Zuchtanlagen auf dem offenen Meer. Im November waren einige Produktionsstätten vor Zentralnorwegen von den Seeläusen betroffen. Um die Parasiten loszuwerden, mussten die Anlagen gesäubert und die Fische vorzeitig aus dem Wasser geholt werden, auch wenn sie noch recht klein waren. Auf Produktionsseite wurden nach Schätzungen des Seafood Council rund 30'000 Tonnen in Mitleidenschaft gezogen.

Segen für einige Produzenten

Die höheren Preise haben sich für einige Produzenten als ein wahrer Segen erwiesen. Trotz des Parasitenbefalls verkaufen einige ihren Lachs mit einer Gewinnmarge von bis zu 50 Prozent über Produktionskosten, sagt Analyst Kolbjorn Giskeodegard von der Nordea Bank. Er hat sich auf die Branche der Fischproduzenten spezialisiert.

Die Aktien der in Oslo notierten Marine Harvest ASA, dem weltgrössten Anbieter für Zuchtlachs aus dem Atlantik, haben sich seit Ende August um rund ein Fünftel verteuert. Das Unternehmen will am 17. Februar seine Zahlen zum vierten Quartal veröffentlichen.

Kontrast zur Ölbranche

Der Boom beim Lachs steht im starken Gegensatz zu den jüngsten Entwicklungen in der Rohölbranche. Diese ist immerhin für rund ein Fünftel der Wirtschaftsleistung des Landes verantwortlich.

Seit Juni 2014 sind die Preise für Rohöl um etwa 70 Prozent eingebrochen. Vor diesem Hintergrund befindet sich die Ölbranche inmitten einer starken Krise, mehr als 30'000 Jobs sind bereits vernichtet worden.

(bloomberg/ise)

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