Versagt der freie Markt, folgt regelmässig der Ruf nach dem Staat. Dann muss er schon einmal als Sicherheitsgarant für private Unternehmen auftreten oder gar in eine Firma investieren, um den Kollaps eines ganzen Systems zu verhindern, wie jüngst bei der US-Investmentbank Bear Stearns oder der englischen Northern-Rock-Bank. Der Staat als Investor und Sinnbild von Sicherheit tritt aber nicht nur in Krisenzeiten in Erscheinung.Inwieweit ein Anleger davon profitieren kann, hängt jedoch stark von der jeweiligen Branche ab.

Krisenresistent dank Garantie

Am deutlichsten kommt die Verflechtung von Staat und Privatwirtschaft bei den Kantonalbanken zum Ausdruck. Die Finanzinstitute, an denen die Kantone als Mehrheitsaktionäre beteiligt sind und die deshalb in den meisten Fällen noch von der sogenannten Staatsgarantie profitieren, haben sich denn auch in den aktuellen Finanzmarktturbulenzen als krisenresistent erwiesen.

Mit einem Plus von 10 resp. 9% seit Anfang 2008 gehören die Aktien der Zuger (ZugerKB) und der Berner Kantonalbank (BEKB) zu den Top-Performern am Schweizer Aktienmarkt. «Die Staatsgarantie ist für die Kunden ein wichtiger Vertrauensfaktor und für die Bank bei der Refinanzierung von grosser Bedeutung», erklärt Valartis-Analyst Michael Schwaller. Dieses Sicherheitselement, welches besagt, dass für die Verbindlichkeiten der meisten Kantonalbanken der jeweilige Kanton haftet, erweist sich insbesondere in unsicheren Zeiten als starkes Verkaufsargument. Es erstaunt deshalb wenig, dass die Banque Cantonale Vaudoise (BCV), die als einzige Kantonalbank über keine Staatsgarantie mehr verfügt, das Schlusslicht unter den SPI-Unternehmen mit staatlicher Beteiligung darstellt.

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Profiteure der Krise

Eine stabile Kursentwicklung allein auf die Staatsgarantie zurückzuführen, würde allerdings zu kurz greifen. «Die Aktien der Kantonalbanken werden nicht wegen der Staatsbeteiligung gekauft, sondern aufgrund des Geschäftsmodells», sagt Schwaller. Diesbezüglich kommt den Staatsbanken die insgesamt defensivere Haltung zugute. In der aktuellen Krise profitieren sie zusätzlich von den Problemen und dem damit verbundenen Vertrauensverlust bei den Grossbanken, die ihnen verstärkt Neugelder von verunsicherten Kunden zufliessen lassen.

Interessante Versorger

Eine hohe Staatsbeteiligung weisen neben den Kantonalbanken auch die Versorgerbetriebe aus. Und auch diese Unternehmen haben sich in den letzten Monaten mit einer anständigen Kursentwicklung hervorgetan. Die Titel von Romand Energie oder Sopra cenerina legten beispielsweise in einem fallenden Markt in den letzten Monaten nochmals leicht zu.

«Die gute Performance ist allerdings mehr auf den defensiven Charakter der Unternehmen als auf die staatliche Beteiligung zurückzu führen», ist Andreas Escher, Analyst bei der Bank Vontobel, überzeugt. Vielmehr sind es Themen wie der langfristig steigende Stromverbrauch und die Verknappung der Energieressourcen, die für den Aufschwung bei den Versorgern verantwortlich sind.

Operativ hemmender Staat

«Für die Kantone sind die Beteiligungen sehr lukrativ, während die Staatsbeteiligung für die Unternehmen selber eher hemmend ist», weiss Escher. Schliesslich haben die Kantone vielfach eine Vetomöglichkeit und können die Gesellschaften in ihren operativen Tätigkeiten einengen. So kann es zuweilen geschehen, dass staatspolitische Entscheide den wirtschaftlichen Notwendigkeiten vorstehen. Ähnlich sieht die Situation aus Sicht der Investoren aus: Der tiefe Freefloat schränkt die Handelbarkeit der Aktien ein. «Und auch ausländische Investoren würden eine geringere Staatsbeteiligung bei den Versorgerbetrieben bevorzugen», ergänzt Escher.Dass Unternehmen mit einer hohen Staatsbeteiligung per se nicht vor einem Kurseinbruch geschützt sind und sich deshalb für die Investoren nicht als sicherer Hafen in turbulenten Wirtschaftszeiten eignen, zeigen die Titel der Swisscom. Seit Anfang Jahr ist der Kurs des Telekom-Unternehmens, an dem die Eidgenossenschaft eine Beteiligung von 52% hält, um über 23% und damit stärker als der SMI gefallen. Der erhöhte Preisdruck, die deutliche Senkung des Entbündelungspreises sowie ein konservativer Ausblick auf das laufende Jahr haben den Kursverlauf belastet.

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