Ein stilles Jubiläum – unbemerkt von der Öffentlichkeit jährte sich die Lancierung des VSMI am Montag zum zehnten Mal. Die Schweizer Börse SIX hatte den Gradmesser für die implizite Volatilität des heimischen Leitindex SMI am 20. April 2005 ins Leben gerufen. Basierend auf den Optionsmärkten gibt der VSMI die erwartete Kursschwankungsbreite des SMI wieder. Während die Volatilität in hektischen Börsenzeiten ansteigt, führt sie in Phasen stabiler Trends eher ein Schattendasein. Insofern entwickelt sich der VSMI stark gegenläufig zu den Kursen der zwanzig grössten Schweizer Blue Chips.

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Gerade wegen dieser negativen Korrelation wird die Volatilität gerne von institutionellen Investoren zur Absicherung eingesetzt. Durch die Beimischung dieser Anlageklasse versuchen die Profis, die Rückschlagsgefahr in Portfolios zu dämpfen und das Risiko zu streuen. Obwohl die Aktienmärkte seit Jahren nach oben streben, kommt dieses Hedging-Werkzeug immer öfter zum Einsatz. Das zeigt ein Blick auf die Umsatzstatistik einer der grössten Terminbörsen weltweit, der Eurexchange. Dort werden verschiedene Volatilitäts-Produkte gehandelt. Sie zielen vor allem auf den VSTOXX, das Volatilitäts-Barometer für den Euro Stoxx 50. 2014 wurden in diesem Segment mehr als zehn Millionen Kontrakte umgesetzt. Damit hat sich das Volumen innert drei Jahren gut vervierfacht.

Über Rollverluste und extreme Ausschläge

Offenbar sind viele Investoren bereit, die Tücken der Volatilität in Kauf zu nehmen. Die Schwierigkeiten fangen damit an, dass dieser Terminmarkt besonders häufig ein Contango zeigt. Länger laufende Kontrakte stehen dann höher als der nächstfällige. Die Folge: Beim regelmässig erforderlichen Austausch des zugrunde liegenden Futures entsteht ein Rollverlust. Ein weiterer Wesenszug der impliziten Volatilität ist ihre eigene starke Schwankungsbreite. Steigt die Hektik am Markt, sind extreme Volatilitätsspitzen zu beobachten.

Als die SNB den heimischen Aktienmarkt am 15. Januar mit dem überraschenden Ende des Euro-Mindestkurses schockte, hatte sich der VSMI in nur drei Tagen annähernd verdoppelt. Typisch ist überdies die sogenannte Mean Reversion. Sie sagt aus, dass die Volatilität im Zeitverlauf immer wieder zu ihrem Mittelwert zurückkehrt. Auch dieses Merkmal war beim VSMI zuletzt zu beobachten. Bereits Mitte Februar hatte der Index wieder das Niveau erreicht, welches er vor dem SMI-Ausverkauf gehabt hatte.

Volatilitäts-Zertifikate – Commerzbank als Vorreiter

Die skizzierten Besonderheiten machen es den Emittenten von strukturierten Produkten schwer, eine Volatilitäts-Positionierung anzubieten. Gleichwohl nehmen einige Häuser die Herausforderung an. Die Commerzbank bildet mit ihren Faktor-Zertifikaten den VSTOXX ab. Diese Struktur ist an die tägliche Wertentwicklung des Gradmessers gekoppelt. Dabei versucht die Emittentin, die Contango-Falle durch ein spezielles Indexkonzept zu umgehen. Anleger, die mit einer Korrektur am europäischen Aktienmarkt respektive mit einem Volatilitätsanstieg rechnen, können sich mit einem Long-Zertifikat (ISIN DE000CZ33SR5) wappnen. Während dieses Produkt dem VSTOXX eins zu eins folgt, bietet die Commerzbank auch eine aggressivere Variante mit einem Hebel von zwei (ISIN DE000CM2GH90) an. Anleger sollten beachten, dass diese Produkte auf kurzfristige Wetten abzielen. Liegen die Zertifikate dauerhaft im Depot, kann ein Contango der Terminkurve kräftig am Wert zerren.

Einen längerfristigen Ansatz ermöglichen die Frankfurter mit der «US Equity Volatility Strategy Plus». Dieses Konzept ist an die Terminkurve des VIX, an das Wall-Street-Pendant zu VSMI und VSTOXX, gekoppelt. Während den Phasen des Contangos geht man mit dieser Strategie eine Short-Position ein, man setzt also auf eine fallende Volatilität. Dreht der Terminmarkt in die Backwardation, das heisst länger laufende Kontrakte kosten weniger als kurzfristig fällige, erfolgt eine Umschichtung. Dann zielt die Methodik auf einen Volatilitätsanstieg ab. Darüber hinaus wird versucht, eine positive Rollrendite zu generieren. Über ein Tracker-Zertifikat (ISIN DE000CZ33UY7) macht die Commerzbank ihre Strategie investierbar. Nachdem das auf US-Dollar lautende Derivat im zweiten Halbjahr 2014 deutlich Federn lassen musste, konnte es zuletzt Boden gutmachen.

Volatilitäts-Tracker von Leonteq – langfristige Depot-Beimischung

Kurzfristig ging es auch mit einem vergleichbaren Produkt (ISIN CH0199037935) von Leonteq nach oben. Wie beim Commerzbank-Ansatz profitierte der «CBOE Dynamic VIX Indices Basket» vom deutlich ausgeprägten Contango der Terminkurve. Das führte dazu, dass beide Strategien eine Short-Position im VIX eingegangen sind. Infolgedessen spielte ihnen der starke Rückgang des US-Volatilitätsindex im bisherigen Jahresverlauf in die Hände.

Auch der Leonteq-Tracker ist auf eine längerfristige Depot-Beimischung ausgerichtet. Egal, aus welchem Kalkül heraus die Positionierung erfolgt: Angesichts der komplexen Bauweise der Derivate und den skizzierten Wesenszügen der impliziten Volatilität sollten sich nur aktive und erfahrene Anleger auf dieses spezielle Investmentfeld wagen. Alle anderen können VSMI & Co. aber als interessante Barometer für das kollektive Nervenkostüm der Investoren betrachten.