Darauf hatten viele Anleger gewartet: Auf den Split der B-Aktien von Berkshire Hathaway im Januar 2010 im Verhältnis 1:50 mit der Aufteilung einer alten in 50 neue Aktien. Denn zuvor war das Papier mit einem Kurs von rund 3500 Dollar je Anteil nicht gerade günstig. Für viele Anleger war es bis dahin schwierig gewesen, sich den Titel ins Depot legen zu können und wenn, dann nur eine oder wenige Aktien.

Für viele Anleger bedeutet eine schwierige Teilbarkeit einer Aktie auch: Das strukturelle Risiko im Depot kann sich durch den Kauf einer wirklich schweren Aktie deutlich erhöhen. Denn bei einem Aktienportfolio von zum Beispiel 100'000 Franken hat ein Titel mit einem Börsenwert von beispielsweise 20'000 Franken ja enormes Gewicht und zieht das Depot damit einseitig in Richtung einer einzelnen Aktie.

19,4 Prozent pro Jahr – über 50 Jahre

Berkshire Hathaway ist aber Kult und hat eine grosse Fan-Gemeinde. Denn die Beteiligungsgesellschaft ist das Investmentvehikel der Börsen-Legende Warren Buffett. Der Value-Investor konnte über viele Jahrzehnte hinweg seit der Gründung seiner Gesellschaft im 1965 zeigen, was er kann: Der US-Milliardär steigerte den Buchwert von Berkshire Hathaway in den letzten 50 Jahren um 19,4 Prozent pro Jahr, der Börsenwert des Unternehmens kletterte im selben Zeitraum jährlich sogar um 21,6 Prozent.

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Der S&P 500 brachte nur ein jährliches Plus von 9,9 Prozent. Auf jeden Fall ging es sofort nach dem Split mit dem Kurs der neuen, leichten B-Aktie steil nach oben. In den ersten 30 Handelsminuten schaffte der Titel ein Plus von 4,9 Prozent und kletterte dabei von 69,50 auf 72,88 Dollar. Die Aufteilung der zuvor vergleichsweise schweren B-Aktie brachte somit schnelle Gewinne.

Splits bringen hohe überdurchschnittliche Kursgewinne…

Ein ähnliches mehr oder weniger prominentes aktuelles Beispiel ist die Aktie von Netflix. Der Medienkonzern teilte seine Aktie Mitte Juli im Verhältnis 1:7, und der Kurs schoss innert weniger Tage um rund 15 Prozent nach oben. Kein Wunder, dass Anleger generell hellhörig werden, wenn ein Unternehmen einen Split ankündigt. Dass Splits eine hohe Performance bringen, belegt nämlich beispielsweise auch eine Studie des US-Professors für Finanzwirtschaft, David Ikenberry.

Für den Zeitraum 1975 bis 1990 ermittelte der Wissenschaftler bei 1275 untersuchten Splits im Verhältnis 1:2 – also der Aufteilung der alten Aktie in zwei neue – eine Überrendite gegenüber dem breiten Aktienmarkt von durchschnittlich 7,9 Prozent in den ersten zwölf Monaten nach dem Split. Nach drei Jahren brachte die Aufspaltung von schweren Aktien bei Splits 1:2 dann sogar eine durchschnittliche Outperformance von 12,2 Prozent.

... und steigern die Handelsliquidität...

Durch die kursmässige Verbilligung einer zuvor schweren – also optisch teuren – Aktie erreichen Unternehmen oft völlig neue Anlegerkreise, die das Papier zuvor vielleicht gerne gekauft hätten, es sich aber nicht leisten konnten. Das bringt eine neue Nachfrage nach einem Titel und höhere Kurse. Zudem steigt durch die Stückelung in der Regel auch die Handelsliquidität des Papiers an der Börse – auch das hat positive Folgen auf den Börsenkurs.

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Bei der B-Aktie von Berkshire kletterte das Handelsvolumen immerhin in den ersten drei Monaten nach dem Split auf mehr als das Doppelte. Damit ist die Strategie schon erprobt und bewährt: Kauf einer schweren Aktie kurz nach oder besser noch gleich nach Ankündigung vor dem Split und Spekulation auf überdurchschnittliche Kurssteigerungen infolge der Aufspaltung in den nächsten Wochen und Monaten.

… aber schwere Aktien laufen grundsätzlich auch nicht schlecht

Betrachtet man die Kursverläufe von schweren Aktien mit Kursen von über 1000 Franken, zeigen sich aber auch hier trotz der optisch hohen Kurse keine Katastrophen-Charts. So kletterte die wirklich ganz schwergewichtige Berkshire-Hathaway-A-Aktie – aktueller Kurs 214'500 Dollar – seit Anfang 2014 bereits um 21,9 Prozent und schaffte in den letzten drei Jahren sogar ein Plus von 70,1 Prozent. Der Vergleichsindex S&P 500 brachte in denselben Zeiträumen nur Gewinne von 15,5 und 56,7 Prozent.

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Oder Lindt & Sprüngli. Die sehr schwere Namensaktie – Kurs aktuell 62'620 Franken und damit die schwerste Aktie im SPI – schaffte seit Anfang 2014 ein Kursplus von 28,1 Prozent und in den letzten drei Jahren von 81,5 Prozent. Der SPI kletterte in diesen Zeiträumen hingegen nur um 13,1 und 51,8 Prozent. Dann ein weiterer schwerer Wert im SPI – Sika. Die Aktie des Chemiespezialisten schaffte in den letzten drei Jahren ein Plus von 90,5 Prozent. Nimmt man die Top zehn der schwersten Aktien im breiten Schweizer Aktienmarkt, kommen diese ex Banken und Immobilientitel in den letzten drei Jahren immerhin auf ein Plus von 46,4 Prozent und damit fast auf die gleiche Rendite wie der SMI.

Splits werden oft sehr kurzfristig verkündet

Einziges Problem für Splitspekulanten: Die Splits werden meist nur sehr kurzfristig mit einer Vorlaufzeit von wenigen Tagen oder höchstens Wochen verkündet. Anleger bleibt da nur Fleissarbeit – das Lesen der Finanznachrichten – insbesondere der internationalen Medien. Denn in der Schweiz ist das Aufspalten seit der letzten Splitwelle im Jahr 2001 derzeit kaum ein Thema.

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2001 stückelten noch immerhin rund 50 Firmen ihre schweren Aktien infolge einer Gesetzesänderung hinsichtlich des gesetzlichen Mindestnennwerts von Aktien. Einen der wenigen Splits in der Schweiz in den letzten Jahren führte beispielsweise Conzzeta Ende Juni im Verhältnis 1:4 durch. Gleichzeitig wurde dabei die Immobiliensparte an die Börse gebracht – Conzzeta-Aktionäre erhielten dabei auch kostenlos Aktien der abgespaltenen Plazza AG.

Netflix und Biotest – hier könnte es zu weiteren Kurssteigerungen kommen

Für die nächsten Wochen sind im Moment wegen der Sommerpause keine gewichtigen Splits – auch nicht international – angesagt. Einer der wenigen Split-Kandidaten auf dem Schweizer Kurszettel scheint aber Lindt  & Sprüngli zu sein. Die Aktie ist inzwischen sehr teuer – sollte es noch weitere Kurssteigerungen geben, dürfte hier früher oder später eine Aufspaltung kommen.

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Allerdings wohl eher nicht in einem hohen Verhältnis, sondern vielleicht 1:2 oder auch 1:4. Aber wie David Ikenberry herausfand – auch bei solch verhältnismässig niedrigen Splitrelationen sind hohe Kursgewinne drin. Nimmt man die Erkenntnisse des Wissenschaftlers als Basis, dann könnte es sich aber auch noch lohnen, in Titel, bei denen der Split bereits vor kurzem erfolgt ist, einzusteigen. Netflix – Splittermin war der 15.7. – oder auch die Aktie von Biotest – Termin war ebenfalls der 15.7. – im Verhältnis 1:3 könnten da noch monatelang überdurchschnittlich zulegen. Der Einstieg könnte sich da noch lohnen.