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Krise
Aryzta muss kleinere Brötchen backen

Krisenstimmung: Aryzta hat einen steinigen Weg vor sich. Keystone

Miese Halbjahreszahlen und eine Führungsmannschaft im Umbau: Der Backwarenhersteller Aryzta kommt nicht aus der Krise. Antizyklische Investoren können allerdings auf einen Turnaround setzen.

Von Annika Janssen
am 16.03.2017

Beim Blick auf die Aryzta-Aktie dürfte in den vergangenen Tagen so mancher Anleger ein Déjà-vu gehabt haben. Nach der Publikation eines miserablen Halbjahresergebnisses für das laufende Geschäftsjahr zu Wochenbeginn schmierte der Valor an der Schweizer Börse SIX ab, der Kurs sank seitdem um mehr als sieben Prozent.

Den schlechten Zahlen war im Januar eine Gewinnwarnung vorausgegangen. Vor einem Jahr sah es bei Aryzta ganz ähnlich aus: Nachdem der Zürcher Backwarenkonzern ein – im Vorfeld angekündigtes – schlechtes Halbjahresergebnis präsentiert hatte, hatte die Aktie innerhalb eines Tages zwölf Prozent verloren.

Verlust von Grosskunden

Aryzta steckt in einer schweren Krise. Das zeigen zum einen die veröffentlichten Halbjahreszahlen: In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres brach der operative Gewinn ein, gegenüber dem Vorjahr steht ein Minus von 31 Prozent. Auch der Umsatz liegt mit 1,9 Milliarden Euro 2,8 Prozent unter dem Vorjahreswert. Der Hersteller von Tiefkühlbackwaren wie Donuts und Gipfeli hat einige Grosskundenaufträge verloren.

Das drückt aufs Ergebnis. Eine Prognose für das Gesamtjahr wollte Aryzta gar nicht erst abgeben. Das stiess Investoren und Analysten sauer auf. Die Verweigerungshaltung trug dazu bei, dass Anleger sich in den vergangenen Tagen scharenweise von der Aryzta-Aktie trennten.

Geschäftsleitung löst sich auf

Zudem ist unklar, wie der irisch-schweizerische Konzern sich langfristig aufstellen will – und wer ihn dorthin führen wird: Firmenchef Owen Killian, Finanzchef Patrick McEniff und John Yamin, Leiter des Amerika-Geschäfts, werden Aryzta Ende März verlassen. Eigentlich sollte die Führungsmannschaft erst Ende Juli von Bord gehen. Bislang gibt es nur einen Interims-Finanzmanager. Davon abgesehen droht Arzyta ab April erst einmal führungslos unterwegs zu sein. Ein Durcheinander ist vorprogrammiert.

Bis beim Backwarenhersteller wieder Ruhe einkehrt und der Konzern nach den zahlreichen Hiobsbotschaften der Vergangenheit wieder auf Erfolgskurs zurückkehrt, könnte es eine Weile dauern. Trotz allem fällt das Urteil der Analysten nicht so hart aus, wie man annehmen könnte: «Arzyta steht vor vielen Unsicherheiten und braucht dringend einen Megenzuwachs, um seine Kapazitäten besser auslasten zu können», sagt Jean-Philippe Bertschy, Analyst der Bank Vontobel.

Schnelle operative Entwicklung notwendig

Den neuen Verwaltungsratspräsidenten des Konzerns, Gary McCann, hält Bertschy jedoch für «überzeugend». McCann habe einen sehr klaren Blick auf die Probleme des Unternehmens und ebenso klare Vorstellungen davon, wie diese zu lösen seien. Der Vontobel-Analyst rät zum Halten des Valors und hat ein Kursziel von 30 Franken ausgegeben.

Patrik Schwendimann, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB) ist pessimistischer: «Wir gehen davon aus, dass  der Aktienkurs nach dem jüngsten Rückgang nochmals tiefer geht, bevor es allenfalls zu einer nachhaltigen Kurserholung kommen kann», sagt er. Den Valor stuft er einstweilen auf «Untergewichten» herunter. «Positiv wäre, wenn es Aryzta gelänge, rasch einen renommierten CEO und CFO zu gewinnen, und wenn bei der operativen Entwicklung entgegen den heutigen Erwartungen, rasch eine Verbesserung erreicht werden könnte», sagt Schwendimann.

Hoffnung für antizyklische Anleger

Berauschend klingt das alles nicht. Für antizyklische Investoren ist die aktuelle Situation bei Aryzta jedoch ein klares Kaufsignal, jedenfalls für jene Anleger, die einen erfolgreichen Turnaround bei dem Zürcher Konzern für möglich halten. Denn Aryzta ist grundsätzlich kein kleines Licht am Schweizer Aktienmarkt – im Gegenteil.

Der Backwarenhersteller erzielte in den vergangenen zwei Jahren jeweils mehr als vier Milliarden Euro Umsatz. Mit einem Weltmarktanteil bei Spezialgebäck von rund elf Prozent ist Aryzta zudem ein führender Anbieter in seiner Nische. Nicht zuletzt ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren fast immer gewachsen und konnte seinen Umsatz steigern. Die Krise des Konzerns muss also nicht von Dauer sein. Wenn es wieder aufwärts geht, könnten antizyklische Investoren sich rückblickend über ein echtes Schnäppchen freuen.

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