Der 19. Oktober 1987 war kein Tag für Anleger: Die Kurse an den Aktienmärkten brachen jäh ein und der Schwarze Montag brannte sich ins kollektive Gedächtnis der Börseninvestoren. Und tatsächlich ist die Stimmung heute vergleichbar positiv wie kurz vor dem Crash vor 30 Jahren. 1987 hatten die Aktienindizes seit Jahresbeginn mit über 25 Prozent ähnlich stark zugelegt wie in diesem Jahr, konstatiert Uwe Neumann, Analyst bei der Credit Suisse.

Doch er fügt an: Seinerzeit legen die Bewertungen höher als heute und auch «Konjunkturdaten und Zinsniveaus unterschieden sich stark vom aktuellen Umfeld.» Tatsächlich, so der Experte, gebe es gute Gründe, eine relative solide Berichtssaison zum dritten Quartal des Jahres zu erwarten. Der Aktienanalyst favorisiert insbesondere drei Sektoren – Gesundheit, Telekommunikation und Energie. Auch im Finanzsektor könnte es positive Überraschungen geben, schreibt er in einer neuen Analyse.

Credit Suisse und Goldman Sachs setzen auf Roche-Aktie

Darin empfiehlt der Experte vier Aktien aus den favorisierten Bereichen, die positiv überraschen könnten. Allen voran steht der Basler Pharmakonzern Roche. Mit Blick auf den Ergebnisausweis erwartet Neumann erneut ein starkes Wachstum von Ocrevus, einer neuen Therapie für die Nervenkrankheit multiple Sklerose, die im Frühjahr lanciert wurde. «Zudem rechnen wir mit einer sehr baldigen Veröffentlichung der Resultate der Studie IMpower 150 zu Tecentriq in Kombination mit Chemotherapie bei Lungenkrebs.»

Damit steht die Credit Suisse nicht allein. Mehr und mehr Experten setzen auf den Titel: Die Investmentbank Goldman Sachs veranschlagt das Kursziel auf 325 Franken – heute liegt das Papier bei rund 245 Franken. Analyst Keyur Parekh sieht angesichts der geringen Erwartungen für die Studie IMpower 150 und die möglichen Alternativen mehr Chancen denn Risiken für den Roche-Titel.

Deutsche Telekom könnte positiv überraschen

Auch der zweite Favorit bei der Credit Suisse steht bei einigen Experten hoch im Kurs: die Deutsche Telekom. Neumann verweist auf zwei potenzielle Kurstreiber. Fürs dritte Quartal sieht er bessere operative Geschäfte und setzt zudem auf einen möglichen Zusammenschluss: Eine Fusion zwischen T-Mobile US und Sprint könnte angekündigt werden.

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Derzeit steht der Titel bei rund 15.50 Franken. Erst am Dienstag stufte die US-Bank JP Morgen die Aktie auf «Übergewichten». Dort sieht man das Kursziel bei 20 Euro. Ungeachtet der rekordverdächtig negativen Marktstimmung für die europäischen Telekom-Unternehmen halte er an seiner positiven Einschätzung des attraktiv bewerteten Sektors fest, schrieb Analyst Akhil Dattani in einer Branchenstudie. Die Investmentbank Barclays erhöhte das Kursziel am Montag leicht von 19,00 auf 19,30 Euro. Auch Analyst Maurice Patrick zeigte sich zuversichtlich für das dritte Quartal. Er erwartet keine signifikanten Auswirkungen durch die gesenkten Roaminggebühren in Europa.

US-Ölindustrie braucht Ausrüstung von Halliburton

CS-Experte Neumann setzt darüber hinaus auf einen Vertreter der amerikanischen Ölindustrie. Der Dienstleister Halliburton besteche durch seinen hohen Auftragsbestand für die Fertigstellung von Bohranlagen in den USA. «Die gute Umsatzentwicklung, die im 2. Quartal in Nordamerika resultierte, und die Margensteigerung sollten unseres Erachtens mindestens bis Ende des laufenden Jahres anhalten.»

Aktuell steht der Aktienkurs von Halliburton bei etwa 44 Dollar. Das da mehr drin ist, erwarten auch die Experten der Deutschen Bank. Die Aktienexperten von Deutschlands grösster Bank sehen den Titel ebenfalls als «Kauf» und beliessen das Kursziel in einer vergangenen Woche veröffentlichten Analyse bei 54 Dollar.

Banken wie Crédit Agricole im Fokus

Zu guter Letzt sieht Neumann «auch bei Crédit Agricole Spielraum für eine positive Gewinnüberraschung», wie er schreibt, «zumal wir mit einem soliden Gewinnbeitrag des Versicherungsgeschäfts und einer guten Dynamik bei seiner grossen Vermögensverwaltungsgesellschaft Amundi rechnen.» Damit hebt der CS-Analyst einen Titel aus der Finanzbranche positiv hervor, die in den vergangenen Monaten ohnehin schon gut performte. Sollte sich die Geldpolitik in den kommenden Monaten weiter normalisieren, könnte das die Aktien in der Branche zusätzlich stützen.