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Börse 2014 – ein Rückblick und der Favorit für 2015

China: Infolge des Booms wachsen auch die Immobilien in den Himmel wie hier in Shanghai. Keystone

Im Börsenjahr 2014 lieferten die grossen Indizes per Saldo solide Gewinne ab. Globaler Top-Performer war der Merval. Wo es noch gut gelaufen ist und welche Börsen sich Anleger im 2015 ansehen sollten.

Von Georg Pröbstl
am 11.12.2014

An der Spitze hat sich nicht allzu viel getan. Die Börse Caracas war im vergangenen Jahr mit einem Plus von 400 Prozent die Nummer eins der weltweiten Top-Performer und Argentinien die Nummer zwei, mit einem Anstieg des Merval von 80 Prozent, nun liegt die Börse in Buenos Aires vorn. Die Kurssteigerungen der letzten zwölf Monate liegen inzwischen bei rund 70 Prozent.

Anleger reiben sich da verständlicherweise die Augen. Steht das Land doch knapp vor dem Staatsbankrott, und auch das Wirtschaftswachstum ist komplett abgestürzt. Im 2013 war es noch im Bereich von 4 Prozent, in diesem Jahr wird es bei unter 1,0 Prozent oder gar im rezessiven Bereich liegen. Wie schon beim letztjährigen Top-Performer Venezuela ist aber auch hier die hohe Kursperformance der enormen Inflation im Land geschuldet.

Argentinien – hohe Inflation und Peso-Absturz

In diesem Jahr wurden in Argentinien schon Inflationsraten im Bereich von 40 Prozent verzeichnet. Und dann ist da der argentinische Peso. Die Regierung in Buenos Aires hat die Devise mit starren Wechselkursen mehr oder weniger festgezurrt. Dennoch knickte der Peso schon am offiziellen Devisenmarkt in diesem Jahr gegenüber dem Euro oder Dollar um 20 bis 30 Prozent ein. Der Peso notiert derzeit gegenüber dem Dollar bei etwa 8,5, und am Schwarzmarkt werden für einen Dollar schon längst deutlich mehr als 10 Peso bezahlt.

Während die Preissituation in Argentinien, beispielsweise für Arbeitnehmende, Rentner oder Sparer, katastrophal ist, zeigt die Kursentwicklung im Merval, dass Aktien auch am Rio de La Plata einen guten Schutz vor Inflation bieten. Sachwert bleibt eben Sachwert.

Kairo und Caracas folgen auf den Plätzen zwei und drei

Dennoch: Rein bezogen auf die Performance und werthaltig oder nicht – der Merval ist und bleibt im 2014 die Top-Börse. Mit einem Kursplus von 30 Prozent auf Platz drei zurückgefallen, ist die Börse Caracas. Dort herrschen ähnliche Bedingungen wie an der Börse Buenos Aires: Hohe Inflation und schlaffes Wirtschaftswachstum. 2013 beispielsweise verbuchte Venezuela eine Preissteigerung von 56 Prozent.

Auf Rang zwei an Caracas vorbeigerutscht, ist die Börse Kairo mit einem Jahresplus von rund 40 Prozent. Immerhin ist dort die Inflation mit rund 10 Prozent weniger rasant als am Rio de La Plata und auch wird für 2014 ein Wirtschaftswachstum von über 1,0 Prozent erwartet. Als investmenttauglich überzeugt die Börse Kairo wegen politischer Unsicherheiten und wegen der Terrorismusgefahr in manchen Landesteilen dennoch kaum.

Indien überzeugt, die Leitindizes der Industrieländer liefern eine solide Performance

Anders Indien. Dort ist die Inflation mit erwarteten knapp 8 Prozent im Vergleich zu den bereits genannten Ländern fast schon als moderat zu bezeichnen, und es gibt mit einem Plus von geschätzten rund 6,0 Prozent ein kräftiges Wirtschaftswachstum auf dem Subkontinent. Der politische Hoffnungsträger des Landes, Narendra Modi, konnte auch nach seinem Amtsantritt im Mai Gutes für die Börse Bombay tun. Der Leitindex Sensex kletterte seither in sechs Monaten um 20 Prozent und beschert dem Index eine Zwölf-Monats-Performance von 30 Prozent.

Abgesehen von diesen Exoten überzeugten die Aktienmärkte der Industriestaaten meist mit einem soliden Wachstum. Egal, ob SMI, Dow Jones oder DAX – die wichtigen Leitindizes bescherten auf Jahressicht meist Kursgewinne im Bereich von 10 Prozent.

Die Verlierer 

Sogar die Verluste hielten sich 2014 mehr oder weniger in Grenzen. Lediglich der österreichische ATX verliert 10 Prozent und wird da nur noch von der Börse Lissabon mit dem PSI 20 mit -15 Prozent, von der Börse Athen mit -25 Prozent und vom russischen Aktienmarkt mit dem RTS und einem Minus von 40 Prozent an Verlusten überboten.

Zu PSI und Athen gibt es ausser Schuldenkrise und Konjunkturschwäche nicht viel zu sagen, im Fall von Russland muss der Rubel- und Ölpreisverfall sowie die Kapitalflucht von internationalen Investoren als Erklärung für die Miesen herhalten. ATX hingegen ist eher als Trauerspiel zu bezeichnen. Die Wirtschaft wächst, und auch die Arbeitslosigkeit zählt im Euroraum zu den niedrigsten. Obendrein befinden sich an der Börse Wien viele Titel mit einstelligen KGVs und hohen Dividenden.

Die Favoriten – der ATX könnte überraschen, China ist top

Der ATX könnte damit wegen unverhältnismässig tiefen Bewertungsrelationen einer der Favoriten für 2015 werden (Anlagetipp zum Beispiel Partizipationszertifikat ISIN: AT0000340161). Und es könnte sein, dass China sogar ganz hell aufleuchten wird. Schon jetzt profitiert die Börse Shanghai von der Liberalisierung des Kapitalmarkts im Reich der Mitte. So können Ausländer seit November A-Aktien ohne Beschränkung kaufen. Der Shanghai-A-Index kletterte seither bereits um 20 Prozent. Dennoch sind chinesische Aktien mit 7er-KGVs und Kurs/Buchwert-Verhältnissen nicht weit über 1 im internationalen Vergleich nach wie vor sehr niedrig bewertet.

Dass für China in den nächsten Jahren ein hohes Wachstum erwartet wird – Experten schätzen das jährliche Wirtschaftswachstum im Reich der Mitte auf durchschnittlich rund 4 Prozent – ist da überhaupt nicht in den Kursen drin. Steigerungen der chinesischen Aktien lassen sich gut mit einem ETF auf den CSI 300, in dem 300 chinesische A-Aktien der Börsen Shanghai oder Shenzen enthalten sind, spielen (ISIN: US2330518794). 

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