Ebola – die Welt zittert vor dem Virus. Seit Fällen der Ansteckung in Krankenhäusern in den USA und in Spanien scheint ein Ausbruch auch in der industriellen Welt nicht weit entfernt zu sein. Aber Ebola ist nicht die einzige weltweite Bedrohung für die Gesundheit. Die Gefahr von Pandemien schimmert immer wieder auf.

Etwa durch SARS vor rund zehn Jahren oder durch die Vogelgrippe. Und in den vergangenen 100 Jahren gab es zahlreiche Krankheiten, die Millionen von Menschen das Leben gekostet haben – etwa Pocken, das spanische Fieber oder Aids.

Pandemie: Schwere globale Rezession und 2,5 Billionen Dollar Kosten

Vor diesem Hintergrund zeigen die Experten der Bank of America Merrill Lynch das Gefahrenpotenzial von Pandemien auf. Basierend auf historischen Erfahrungen kommen die Analysten zum Schluss, dass beim Ausbruch einer ernsten und länger dauernden Pandemie weltweit 180 bis 360 Millionen Menschen sterben könnten.

Eine globale Rezession wäre unausweichlich. So schätzen die Analysten weltweit den Rückgang der Wirtschaftsleistung im ersten Jahr des Auftretens einer solchen Pandemie auf 5 bis 10 Prozent, auch mit entsprechend negativen Folgen auf die Aktienmärkte. Besonders betroffen wären wohl auf Sektorebene Transport, Hotels, Restaurants und die Tourismus- und Freizeitindustrie. Hier würden Umsatzrückgänge im Bereich von 20 Prozent erwartet. Finanziell stark belastet, würden zudem Versicherungen. Die Gesamtkosten einer Pandemie werden auf Basis der Daten des World Travel & Tourism Council und des Wirtschaftsforschungsinstituts Oxford Economics auf bis zu 2,5 Billionen Dollar beziffert.

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Rasantes Wachstum im Markt für Impfstoffe

Aber es gibt wirtschaftlich betrachtet nicht nur Verlierer. Unternehmen, die sich weltweit mit dem Kampf gegen eine Seuche beschäftigen, profitieren. So ist der Markt für Impfstoffe seit dem Jahr 2000 um 10 bis 15 Prozent im Jahr gewachsen und damit in etwa doppelt so schnell wie der Gesundheitssektor insgesamt.

Die Bank of America Merrill Lynch sieht rund 60 Unternehmen, die sich im engeren und weiteren Sinn mit der Pandemie-Thematik befassen. Die Firmen stammen aus den drei Sektoren Pharma und Gesundheit, Life Science sowie diagnostische Hilfsmittel und Schutzausrüstung. Allerdings sind viele Firmen mit Pandemie-Phantasie sehr hoch bewertet. Vor allem in den Bereichen Pharma/Gesundheit finden Anleger noch Unternehmen, die vergleichsweise günstig zu haben sind.

Sanofi und Pfizer – die Impfstoffspezialisten

Zu nennen, ist hier mit Sanofi (ISIN: FR0000120578) der Marktführer bei Impfstoffen. Die als Gemeinschaftsunternehmen zusammen mit dem US-Wettbewerber Merck & Co. betriebene Impfstofftochter Sanofi Pasteur MSD des französischen Pharmakonzerns hat sich als einziges Unternehmen in Europa ausschliesslich auf Impfstoffe spezialisiert. Der ansonsten vor allem auf die Entwicklung von Medikamenten gegen Diabetes, seltene Erkrankungen, Herz- und Gefässerkrankungen sowie Krebs fokussierte viertgrösste Pharmakonzern der Welt hat ausserdem eine sehr gute Position in den Emerging Markets und verfügt über ein hochprofitables Geschäft in der Tiergesundheit. Die Bewertung ist mit einem geschätzten KGV für 2014 von 15,7 vertretbar, und die Dividendenrendite ist mit geschätzten 3,5 Prozent vergleichsweise attraktiv.

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Auf Platz drei unter den Impfstoff-Spezialisten rangiert Pfizer (ISIN: US7170811035). Die Research-Firma EvaluatePharma geht jedoch davon aus, dass der nach Umsatz gemessen zweitgrösste Arzneimittelhersteller der Welt seinen Marktanteil von zuletzt 15,5 Prozent bis zum Jahr 2020 auf 18,9 Prozent steigern kann. Zuletzt stärkte Pfizer ihre Impfstoff-Sparte durch die im zweiten Quartal erfolgte Übernahme des Impfstoff-Portfolios von Baxter International. Dadurch wurde das Portfolio um zwei Impfstoffe für Meningitis und Enzephalitis erweitert. Obwohl der US-Pharmakonzern mit auslaufenden Patenten zu kämpfen hat und auch deshalb im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang ausweisen musste, ist die Aktie mit einem geschätzten KGV für 2014 von 12,4 vergleichsweise moderat bewertet. Positiv ist zudem eine üppige Dividendenrendite von 3,7 Prozent.

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Gilead Sciences: Stark bei der Behandlung von Viren

Ebenfalls starkes Wachstum winkt bei Medikamenten zur Behandlung von durch Viren verursachten Infektionskrankheiten. Experten halten hier bis 2020 ein jährliches Wachstum von 7 Prozent für möglich. Marktführer in diesem Segment ist Gilead Sciences (ISIN: US3755581036) mit einem Marktanteil von 33,5 Prozent. Das Researchhaus EvaluatePharma hält es sogar für möglich, dass das US-Biotechunternehmen seinen Marktanteil bis 2020 auf 47,8 Prozent ausbauen kann.

Erhebliches Wachstumspotenzial besteht dabei auf der Gewinnseite. So rechnet Morgan-Stanley-Analyst Matthew Harrison von 2013 bis 2016 mit einem Gewinnplus je Gilead-Aktie von im Durchschnitt 71 Prozent pro Jahr. Trotzdem wird die Aktie nur mit einem 12er-KGV gehandelt. Erklären lässt sich die vergleichsweise moderate Bewertung mit Befürchtungen, beim 2013 zugelassenen und sehr teuren Hepatitis-C-Medikament Sovaldi könnte es früher oder später staatliche Preisbeschränkungen geben.  

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Teva – Analysten sehen ein hohes Kurspotenzial

Vielversprechend scheint auch der aus Israel stammende weltweit grösste Generikahersteller Teva Pharmaceutical (ISIN: US8816242098) zu sein. Ähnlich wie andere Firmen der Branche hat auch Teva mit auslaufenden Patenten zu kämpfen und das vor allem beim wichtigsten hauseigenen Multiple-Sklerose-Medikament Copaxone per Ende 2015. Ein neuer Vorstandschef baut derzeit den Konzern um. Ob die Rechnung aufgehen wird, wird sich zeigen. Die Aktie ist aber mit einem 10er-KGV nicht teuer. Investoren wie George Soros glauben an das Unternehmen. Immerhin erreichte die Aktie im Juli den höchsten Stand seit Anfang 2011. Besonders zuversichtlich sind die Analysten der Citigroup. Sie veranschlagen ihr Kursziel auf 70 Dollar – zum aktuellen Niveau entspricht dies einem Potenzial von rund 40 Prozent.

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