Man will schon gar nicht mehr hinsehen: Die Aktien von Goldminengesellschaften präsentieren sich mit Horrorchart. Barrick Gold ist seit 2011 im Abwärtstrend und notiert auf dem tiefsten Stand, zumindest seit 1985. Auch Newmont Mining zeigt einen Katastrophenkursverlauf. Auf einem ähnlich niedrigen Niveau wie aktuell notierte der Goldbetrieb aus Colorado zuletzt vor 15 Jahren, Ende 2000. Auch die kanadische Goldcorp ist im Keller. Der Kurs des Goldplayers aus Vancouver war seit 2005 nicht mehr so weit unten.

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In der gesamten Branche gibt es fast überall, wohin man blickt, hohe Kursverluste. So notiert der FTSE-Gold-Mines-Index, der die zehn grössten Goldgesellschaften der Welt enthält, mit aktuell 840 Punkten um 80 Prozent unter seinem Hoch aus 2011 mit rund 4000 Indexzählern. Die Kurse der Minengesellschaften kamen damit noch viel stärker unter die Räder als der Goldpreis selbst, denn das Edelmetall liegt nur um vergleichsweise bescheidene 40 Prozent unter seinem Allzeithoch vom August 2011.

Minenaktien – ein starker Hebel auf den Goldpreis

Der überproportionale Kursschwund der Minenaktien hängt aber auch mit der Einführung von Gold-ETFs vor rund zehn Jahren zusammen, bei denen das Edelmetall physisch hinterlegt ist. Denn dadurch haben Anleger eine gute Alternative zu Goldaktien hinzubekommen und müssen nicht mehr Minenbetreiber kaufen.

Dennoch sind Goldminen nicht totzukriegen. Allein kurzfristig betrachtet bieten sich hier schöne Kurschancen. Und zwar in Erholungsphasen beim gelben Metall. So kletterte die Aktie von Barrick Gold im Preisaufschwung bei Gold Anfang 2015 deutlich an. Während der Unzenpreis damals um etwa 8 Prozent nach oben ging, legte die Barrick-Aktie um mehr als 20 Prozent zu. Im zwischenzeitlichen Preisspurt bei Gold Anfang 2014 um 15 Prozent schaffte die Aktie ebenfalls mit einem Plus von rund 25 Prozent eine klare Outperformance, und auch im Sommer 2013 legte der Barrick-Kurs mit 45 Prozent innert weniger Wochen deutlich stärker zu als der Goldpreis mit einem Anstieg um knapp 15 Prozent. Ähnlich starke überproportionale Kursausschläge zeigen auch die Aktien von Goldcorp oder Newcrest Mining.

Gold: Kursverfall im Juli – noch keine Erholung bei Minenaktien

Jetzt fällt allerdings auf: Der aktuelle Aufschwung der Goldnotierung um bis zu rund 7 Prozent seit Anfang August und immer noch mit einem aktuellen Plus von über 4 Prozent innert weniger Wochen ist bisher per Saldo spurlos an den Goldaktien vorbeigegangen. Zwar kletterten die genannten Titel im Laufe des Monats August angesichts der steigenden Goldnotierung erneut überproportional teilweise um deutlich mehr als 10 Prozent nach oben, doch diese Kursgewinne sind inzwischen meist völlig abgebaut.

Viel erstaunlicher allerdings ist der Kursverlauf der Minen nach dem Goldrutsch im Juli. Während das Edelmetall zwischen Mitte Juli und Anfang August um rund 7 Prozent nach unten gegangen ist, rauschten Aktien wie Barrick, Newmont, Newcrest oder Goldcorp um 20 bis 30 Prozent nach unten und haben sich vom Kursverfall per Saldo nicht erholt.

Barrick und Newmont Mining – Kurse unter Buchwert

Da werden einige Titel jetzt aber spannend. Barrick Gold hat in den letzten Monaten und Quartalen nicht nur ihre Förderkosten für Gold weiter abgebaut, sondern auch den gewinnseitigen Turnaround geschafft. Schrieb das Unternehmen im ersten Halbjahr 2014 noch einen Verlust je Aktie von 0,16 Dollar, so standen in den ersten sechs Monaten 2015 +0,04 Dollar je Anteil in den Büchern. Vor allem aber: Nach dem Preisrutsch bei Gold im Juli mit folgendem Kursverfall der Barrick-Aktie, notiert der Titel nun um fast 25 Prozent unter dem Buchwert von 8,73 Dollar. Kurse unter Buchwert – das gab es bei Barrick schon viele Jahre nicht mehr – wenn es sie überhaupt jemals gegeben hat.

Auch Newmont Mining gibt es jetzt zum Schnäppchenpreis. Obwohl das Unternehmen im ersten Halbjahr schwarze Zahlen geschrieben hat, gibt es die Aktie nach dem Kursverfall im Juli jetzt mit einem Discount von 27 Prozent zum Buchwert von 22,45 Dollar. Newcrest Mining hingegen notiert aktuell trotz der Kursverluste vom Juli nur knapp unter dem Buchwert von 11,57 australischen Dollar, und Goldcorp bringt es sogar auf einen Börsenkurs im Bereich des Buchwerts von 13,88 Dollar je Aktie. Bei Barrick und Newmont besteht jetzt eine gute Chance auf ein grosses Nachholpotenzial.