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Immer mehr Anleger setzen auf Schweizer Nebenwerte

Emmi: Viele SPI-Titel haben sich vom Mauerblümchen zum Marktführer entwickelt. Keystone

Die Suche nach Valoren aus der zweiten Reihe kann sich lohnen. Aktien im Nebenwerte-Segment haben sich in den vergangenen Monaten wesentlich besser entwickelt als die Titel der Grosskonzerne im SMI.

Von Annika Janssen
am 18.08.2016

40 Prozent, 63 Prozent, 90 Prozent: Von solchen Kursanstiegen können SMI-Anleger nur träumen. Seit dem Jahresbeginn hat der Schweizer Leitindex mehr als 7 Prozent verloren, die meisten Einzeltitel schafften keine zweistelligen Kursanstiege. Das gelang Unternehmen aus der zweiten Reihe in den vergangenen Monaten umso besser. Der Titel des Molkereiunternehmens Emmi etwa legte um mehr als 40 Prozent zu, der Aktienkurs des Bauausrüstungskonzerns AFG Arbonia Forster stieg um 63 Prozent an und beim Chemieunternehmen Dottikon ES ging es um satte 90 Prozent aufwärts.

Es sind nur drei Beispiele von vielen: Die Valoren von Unternehmen mit kleiner und mittlerer Marktkapitalisierung, sogenannte Small  Caps und Mid Caps, haben sich im Vergleich zu den Dickschiffen im SMI sehr gut entwickelt. Im Index SPI Extra, der rund 180 Schweizer Nebenwerte abbildet, sind Anstiege im hohen zweistelligen Bereich inzwischen Normalität.

Gezielte Suche nach guten Wachstums-Chancen

Schnelle Gewinne lassen sich mit den Aktien kleiner und mittelgrosser Schweizer Unternehmen trotzdem meist nicht erzielen. Eine gezielte Suche nach aussichtsreichen Titeln in der zweiten Reihe und vor allem Geduld können sich allerdings auszahlen. Denn Small Caps und Mid Caps haben oft stabile Geschäftsmodelle zu bieten und gute Wachstums-Chancen. Sie sind in lukrativen Nischenmärkten unterwegs und exportieren viele ihrer Produkte ins Ausland.

Anleger sollten allerdings genau hinschauen, bevor sie einen Titel aus den Schweizer Nebenwerte-Indizes SPI Extra oder SMIM erwerben: Denn inzwischen sind viele Small Caps und Mid Caps hoch bewertet und damit anfällig für Marktschwankungen. Nicht bei allen Aktien, deren Kurs bereits stark gestiegen ist, lohnt sich noch der Einstieg.

Vom Mauerblümchen zum Marktführer

Nebenwerte schneiden in der Schweiz schon seit mehreren Jahren besser ab als sogenannte Large Caps: In den vergangenen 20 Jahren steigerte sich der SMI um insgesamt 263 Prozent und der SPI Extra um 657 Prozent. Der steile Anstieg in diesem Jahr hat verschiedene Gründe. «Viele Firmen haben sich in den vergangenen 10 bis 15 Jahren von Mauerblümchen zu Marktführern in ihrer Nische entwickelt», sagt Marc Hänni, Fondsmanager des Vontobel Fund – Swiss Mid and Small Cap Equity (ISIN: LU0278085229).

Unternehmen, die lange Zeit hauptsächlich auf die Schweiz fokussiert waren, haben inzwischen ihre Fühler ins Ausland ausgestreckt und den globalen Markt erobert. «Emmi ist ein solches Beispiel», sagt Hänni. Das Unternehmen verkauft längst nicht mehr nur Milch und Käse an Schweizer Kunden, sondern auch Fertig-Kaffeegetränke in Supermärkten weltweit – mit hohen Margen. «Zudem ist das Gewinnwachstum bei Small Caps und Mid Caps in diesem Jahr bislang deutlich höher ausgefallen als bei grossen Unternehmen», sagt Hänni. Selbst der starke Franken beeinträchtige das Geschäft der oft exportorientierten Unternehmen nicht allzu sehr.

Noch viel Luft nach oben

Ein weiterer Grund: Im Niedrigzinsumfeld haben zuletzt auch Grossanleger – etwa Pensionskassen und Investmentgesellschaften – ihr Kapital in Aktien umgeschichtet, um eine auskömmliche Rendite zu erzielen. Dabei haben sie auch das Segment der Nebenwerte für sich entdeckt. «Das Wachstumspotenzial kleiner Firmen ist wesentlich grösser als das etablierter Konzerne, die schon weltweit aktiv sind», sagt Markus Rüegsegger, Manager des Quantex Nebenwerte Fonds (ISIN: CH0043431425). Das wissen sowohl institutionelle als auch private Anleger zu schätzen. «Solange das Zinsumfeld auf dem aktuellen tiefen Niveau bleibt, gibt es keine Alternativen mit derartigen Wachstumsaussichten», sagt Rüegsegger.

Bei manchem Valor gibt es auch nach dem Höhenflug der vergangenen Monate noch viel Luft nach oben. Vontobel-Fondsmanager Hänni hat zuletzt zum Beispiel Aktien des Flughafens Zürich zugekauft: «Die Passagierzahlen sind im Juli erneut gestiegen, der Betreiber baut die Infrastruktur des Flughafens ständig aus und dort gibt es die nach Umsatz zweitgrösste Shoppingmall der Schweiz. Das Gesamtbild ist einfach überzeugend», erklärt Hänni. Zugekauft hat er zuletzt auch Aktien des Transportdienstleisters Panalpina und des Mobilfunkanbieters Sunrise. Vor allem Panalpina wecke Kursphantasie, sagt der Fondsmanager: «Das Unternehmen steckt mitten in einem Turnaround-Prozess.» Wenn er gelingt, könnte es sein, dass die Aktie des Unternehmens noch einmal kräftig zulegen wird.

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