Damit hatten offensichtlich nur wenige gerechnet: Am Wochenende marschierten russische Truppen auf der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer ein und sorgten für Verunsicherung. Alle Welt fragt sich: Wie geht es weiter in der Ukraine? Welche Folgen hat die Krise? Anleger fragen sich: Was bedeutet das für meine Aktien, für mein Depot?

Am Montag – dem ersten Handelstag nach dem Militäraufmarsch der Russen auf der Insel Krim – gab es einen ersten Vorgeschmack. Die Börsen tauchten ab. Der SMI ging 150 Punkte oder 2 Prozent nach unten, Dax und Euro Stoxx 50 fielen jeweils um rund 3 Prozent, und im Dow Jones lagen die Kursverluste bei etwa 2 Prozent. Richtig unter die Räder kam die Börse Moskau. Der RTX rutschte um 10 Prozent nach unten.

Gold und Öl – Wiederbelebung der alten Krisengewinner

Gold hingegen verbuchte Kursgewinne. Das Edelmetall sprang am Montag um 30 Dollar oder 2 Prozent nach oben und markierte mit 1353 Dollar je Unze den höchsten Stand seit Oktober 2013. Auch Rohöl lag im Plus. Die Sorte Brent kletterte um 2 Dollar je Barrel oder um 2 Prozent. Die Reaktionen der Börsen auf den Militärakt bestätigen alte Verhaltensmuster: In Krisen leiden Aktien, Gold als Krisenwährung und nicht selten Rohöl können zulegen.

Schon am Dienstag drehten die Kurse jedoch wieder in die Gegenrichtung: Aktien kletterten nach oben, Gold und Öl büssten Gewinne ein. Eine militärische Eskalation scheint für die Akteure nun doch wenig wahrscheinlich zu sein, die Parteien – USA und EU sowie Russland sprechen miteinander. Die Unsicherheit geht zurück. Dennoch sind die Risiken nicht gebannt. Jederzeit könnte es erneut Turbulenzen an den Börsen geben. Immerhin wollen die USA Russland isolieren und drohen dem Land mit Sanktionen.

Devisen, Obligationen, Aktien – wie es weitergeht

Die Vermögensverwaltung der Deutsche Bank, Deutsche Asset & Wealth Management, zeichnet verschiedene Möglichkeiten. Auf der Devisenseite sehen die Experten die sicheren Häfen Schweizer Franken, Yen und Dollar kaum von der Krise betroffen. Bei Obligationen erwarten die Analysten nur geringe Ansteckungsgefahr für den globalen Rentenmarkt – vorausgesetzt, es kommt nicht zum militärischen Konflikt und zur regionalen Ausweitung der Krise über die Halbinsel Krim hinaus. Bei Aktien aus den entwickelten Ländern sehen die Experten bei Kursrücksetzern sogar fallweise Einstiegsgelegenheiten. Während sich die meisten SMI-Titel vom Rutsch am Montag wieder erholt haben, notieren übrigens Swiss Re und Swatch noch unter den alten Levels.

Nicht so gut sieht es hingegen für Russland aus. Deutsche Asset & Wealth Management sieht den russischen Finanzmarkt weiter unter Verkaufsdruck. Besonders betroffen, waren in den letzten Tagen russische Energieproduzenten, beispielsweise Gazprom. Trotz der Kurserholung vom Dienstag notiert die Aktie immer noch um rund 10 Prozent unter dem Niveau vom Freitag. Der Gasriese ist von Zahlungsausfällen aus der Ukraine bedroht. Der Ölkonzern Lukoil büsste zwar am Montag rund 10 Prozent ein, hat sich von diesem Schlag aber inzwischen fast komplett erholt.

Worauf Anleger jetzt setzen können

Spekulative Chancen bei politischen Entspannungssignalen bieten sich insbesondere bei Gazprom (ISIN: US3682872078). Auf dem aktuellen Kursniveau kommt der Konzern aus Moskau nur noch auf ein 2er-KGV. Das gilt auch für den RTX. Der Index notiert 15 Prozent unter den Hochs vom Februar. Da besteht hohes Turnaroundpotenzial. Spekulativ ist da ein Indexzertifikat interessant (ISIN: CH0029378228, Laufzeit endlos, nicht währungsgesichert).

Gold und Öl bleiben spannend. Wie bereits in der letzten Ausgabe von stocksDIGITAL berichtet, kehren Anleger verstärkt zu Gold zurück. So verbuchen Goldfonds in diesem Jahr wieder Mittelzuflüsse. Und auch die physische Nachfrage nach dem Edelmetall – etwa für Schmuck und Geschenke – könnte steigen. Nachdem die indische Regierung im vergangenen Jahr den Goldhunger der Inder durch Importbeschränkungen gebremst hatte, könnte eine Lockerung der Auflagen Gold zusätzlichen Auftrieb geben. Ein möglicher Preisanstieg beim Edelmetall lässt sich gut mit einem Hebel-Zertifikat (ISIN: CH0228068893, Laufzeit endlos, Basis und Knock-out jeweils 1200,15 Dollar, nicht währungsgesichert) spielen.

Noch mehr Risiken für den Ölpreis

Dann noch Öl. Neben den Krim-Risiken sieht BNP Paribas in diesem Jahr noch weitere Gefahren bei Öl. Etwa mögliche Aufstände in Algerien, Ägypten oder Nigeria. Dann Produktionsunterbrechungen im Irak oder Konflikte mit dem Iran. Diese könnten bei Öl unabhängig von Krim Kurssprünge auslösen. BNP sieht etwa im potenziellen Iran-Konflikt mögliche Auswirkungen auf den Brent-Preis von 20 Dollar je Barrel. Und auch die Charttechnik weist auf einen baldigen Ausbruch der Notierung hin (Call-Optionsschein auf Brent: ISIN: CH0232796141, Laufzeit 10.11.14). Wer auf steigende Brent-Preise setzt und falsch liegt, kann das übrigens auch positiv werten: nämlich als Versicherungsprämie gegen höhere Benzin- und Heizkosten.

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