Eines kann man den Emittenten von strukturierten Produkten keinesfalls vorwerfen: Phantasielosigkeit. Die Emittenten haben in der Vergangenheit immer wieder auch mit höchst exotischen Strukturen die Anleger überrascht. Egal, ob Alpha-Zertifikate, Twin-Win-Mechanismen oder All-Time-High-Produkte, der Ideenreichtum der Branche ist riesig. Doch die meisten Strukturen führen nur ein Schattendasein am Markt oder verschwinden nach ein paar kläglichen Versuchen gleich ganz von der Bildfläche.

Eine gute Chance, doch mehr Interesse der Anleger zu bekommen, hat derzeit der sogenannte «Lock-in»-Mechanismus, der verstärkt bei Barrier Reverse Convertibles (BRC) angewandt wird. Mit über 7000 gelisteten Produkten an der SIX Structured Products ist der BRC mit Abstand Marktführer in der Schweiz. «Beim Lock-in-Zertifikat verschmelzen die Vorteile von Barrier Reverse Convertibles und Kapitalschutz-Papieren dank eines Lock-in», erklärt Derivate-Experte Manuel Dürr von Leonteq und fügt hinzu: «Das Zertifikat bietet einen garantierten Coupon und die Chance auf vollständige Sicherheit.»

Renditeoptimierung und Kapitalschutz in einem

Im Detail funktionieren die Papiere folgendermassen: Schliessen an einem der monatlichen Beobachtungstage alle in der Struktur verankerten Basiswerte über dem Lock-in, wird der 100-Prozent-Kapitalschutz aktiviert. Mit anderen Worten: Der Nominalwert wird am Ende der Laufzeit vollständig zurückbezahlt. Sollte der Lock-in während der Laufzeit nicht greifen, verhält sich das Zertifikat wie ein klassischer Barrier Reverse Convertible. Dann ist der Nominalwert bis zur Barriere geschützt.

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Für den Fall, dass mindestens ein Titel die Schwelle touchiert und am Laufzeitende nicht alle Basiswerte auf dem Ausgangsniveau notieren, orientiert sich die Rückzahlung am schwächsten Basiswert-Mitglied, Stichwort «Worst-of».

Leonteq – zweimal Lock-in

Leonteq ist einer der eifrigsten Emittenten im Bereich der Lock-in-Zertifikate. Inzwischen hat die Bank rund 20 solcher Papiere auf den Markt gebracht. Kürzlich kamen zwei neue hinzu: Eines deckt den Schweizer Aktienmarkt ab, das andere zielt auf eine Blue-Chip-Auswahl aus Deutschland ab. Die etwas besseren Konditionen bietet das Produkt auf die DAX-Mitglieder BASF, Deutsche Post, Deutsche Telekom und SAP (ISIN CH0274802559). Sollte das Quartett an einem der monatlichen Beobachtungstermine geschlossen über dem Lock-in-Level von 103 Prozent schliessen, greift der Lock-in und Anleger sind keinem Kursrisiko mehr ausgesetzt. Aktuell befinden sich die Deutsche Post und Telekom bereits im Plus, SAP und BASF liegen ganz knapp unter ihren Startlevels.

Beim Produkt auf die heimische Vierer-Auswahl Geberit, Novartis, Swiss Re und Swisscom (ISIN CH0274802542) sind die Valoren bereits allesamt im positiven Bereich. Am weitesten vorne ist Swisscom mit einem Zuwachs von 1,5 Prozent. Die jährliche Verzinsung bei diesem BRC mit Lock-in-Funktion liegt bei 3,0 Prozent, beim deutschen Quartett gibt es 3,1 Prozent. Das Produkt bietet aber nicht nur einen höheren Coupon, sondern lässt auch den Valoren mehr Freilauf. Die Barriere befindet sich bei 49 Prozent der Startwerte, die SMI-Mitglieder haben hingegen «nur» Platz bis auf 61 Prozent des Ausgangsniveaus.

Auch von ZKB kommen Lock-ins

Auch die Zürcher Kantonalbank springt auf den Trend auf. Sie hat aktuell ein Produkt auf die drei SMI-Schwergewichte Novartis, Nestlé und Roche in der Zeichnung (ISIN CH0114329649). Der Coupon liegt mit 4,0 Prozent p.a. deutlich über den vergleichbaren Leonteq-Produkten. Auch sind nur drei Valoren in der Struktur verankert, was nicht nur das Verlustrisiko senkt, auch die Chance den Lock-in zu erreichen, erhöht sich mit weniger Basiswerten. Allerdings geht dies klar zu Lasten des Risikopuffers, der hier nur einen Viertel beträgt. Der Lock-in-Level befindet sich ebenfalls bei 103 Prozent. Die Laufzeit beträgt zwei Jahre.

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Im März emittiert, schon jetzt eingeloggt

Wie schnell man mit einem Lock-in-Zertifikat zum Erfolg kommen kann, zeigt ein kürzlich emittiertes Produkt der Credit Suisse auf Clariant, Lonza und Syngenta (ISIN CH0270333666). Erst Ende März auf den Markt gekommen, hat das Trio bereits seinen Lock-in-Level erreicht. Da es sich bei diesem Produkt um einen Tracker handelt, ist eine Coupon-Zahlung nicht vorgesehen. Anleger, die das Papier gezeichnet haben, nehmen nun ohne Kursrisiko vollumfänglich an einer positiven Performance der Basiswerte bis zum Laufzeitende teil.