Der SMI ist im Aufschwung und hat sein Allzeithoch aus 2007 fast erreicht. Solange das Niedrigzinsumfeld anhält, dürften die Kurse gut gestützt bleiben. Immerhin werfen die SMI-Vertreter mit einer Dividendenrendite von 3,2 Prozent im Zehnjahresdurchschnitt auch eine im Vergleich zu Bundesobligationen hohe Rendite ab. Allerdings liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der Gewinnschätzungen der nächsten zwölf Monate mit rund 18 deutlich über dem langfristigen Mittel mit 13er-KGV.

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Auch vor diesem Hintergrund kommen die Experten von Julius Bär basierend auf dem intern berechneten fairen Indexniveau und den defensiven Merkmalen des Marktes derzeit zu einem allgemein neutralen Rating für die Schweizer Börse. Dem starken Franken attestierten die Banker kurzfristig in den vergangenen Wochen zwar erheblichen negativen Einfluss auf die Aktienmarktperformance, auf lange Sicht sehen die Analysten für ausländische Anleger die starke Währung aber positiv. Wechselkursbedingte Zugewinne könnten die lokale Performance einer Anlage steigern, schreibt Analyst Christoph Riniker in einer Quartalsstudie zum Schweizer Aktienmarkt. Schweizer Anleger seien zudem von den Wechselkursschwankungen ohnehin nicht direkt betroffen.

Zyklische Sektoren und Small Caps – übergewichten

Obwohl die Experten von Julius Bär Schweizer Aktien aus fundamentaler Sicht neutral gegenüberstehen, behalten sie gleichzeitig eine Übergewichtung zyklischer Sektoren bei und halten dabei insbesondere Nebenwerte für attraktiv. So hätten sich Small Caps zuletzt bereits besser entwickelt als Large Caps und dank ihrer zyklischen Komponente dürften sie von steigenden Anleihenrenditen und besseren Frühindikatoren profitieren. Zudem sind Small und Mid Caps in der Regel stärker im Inland tätig und unterliegen damit weniger dem Wechselkurseinfluss.

Von zehn Aktien ausserhalb des SMI, die Julius Bär mit einer Kaufempfehlung versehen hat, ist dabei beispielsweise Lindt & Sprüngli (ISIN: CH0010570767) mit einem Kursziel von 5850 Franken interessant. Der Schokoladenhersteller sei gut aufgestellt, um von strukturellen Trends im Premium-Schokoladensegment profitieren zu können. Die Aktie werde gegenüber vergleichbaren Unternehmen im Sektor wegen der überdurchschnittlichen Wachstumsaussichten mit einem Aufschlag von 50 Prozent gehandelt. Dieser Bewertungsaufschlag sei gerechtfertigt, und es wird mit einer Kursperformance gerechnet, die dem Gewinnwachstum je Aktie entspricht.

Kauftipps – zwei aus dem Finanzsektor …

Aus dem Finanzbereich haben es zwei Vertreter zu einer Kaufempfehlung durch Julius Bär geschafft. Einer davon ist der Versicherungskonzern Bâloise Holding (ISIN: CH0012410517), für den das Kursziel mit 145 Franken angegeben wird. Zur Begründung heisst es, das Schweizer Nicht-Leben-Geschäft sei dank guter Zeichnungsdisziplin und hoher Kosteneffizienz hochrentabel. Kapitalüberschüsse, ein verstärkter Fokus auf weniger kapitalintensive Lebensversicherungsprodukte sowie jüngste Veräusserungsgewinne könnten zusätzlich zu einer attraktiven Dividendenrendite von 4,1 Prozent eine weitere Kapitalrückzahlung bringen.

Beim Branchenkonkurrenten Helvetia Holding (ISIN: CH0012271687) wird das Kursziel auf 600 Franken beziffert. Die Gesellschaft verfüge über eine überragende Bilanz mit einer umsichtigen Rückstellungspolitik und zwei Dritteln der Anlagen in Schweizer Franken. Die Kompetenzen der Geschäftsleitung in Bezug auf Prämienwachstum und Zeichnungsmargen im Nicht-Leben-Bereich seien solide. Die Akquisition von Nationale Suisse dürfte sich positiv auf die Gewinne je Aktie (mindestens plus 7 Prozent) und auf Dividenden auswirken.

… und zwei Gesundheitstitel

Im Gesundheitswesen ist BB Biotech (ISIN: CH0038389992) mit einem Kaufvotum und einem Kursziel von 350 Franken versehen. Das Portfolio von BB Biotech sei aktuell stark auf rentable US-Biotechnologieunternehmen ausgerichtet. Gemäss der Dividendenpolitik für 2014 und 2015 solle die Ausschüttung 5 Prozent des gewichteten durchschnittlichen Aktienkurses für den Monat Dezember, quellensteuerbefreit in der Schweiz, betragen. Bei Julius Bär werden US-Biotechnologieunternehmen innerhalb des globalen Gesundheitssektors bevorzugt, wobei man der Aktienauswahl von BB Biotech positiv gegenüberstehe.

Ebenfalls aus dem Gesundheitswesen stammt mit Straumann (ISIN: CH0012280076) die nächste Kaufempfehlung. Das Kursziel beträgt hier 290 Franken. Der Zahnimplantat-Hersteller sei weltweit führend in den Bereichen Implantate, restaurative Dentalmedizin und Mundgewebe-Regeneration. Aufgrund von Trendverbesserungen in Schlüsselmärkten werden die Wachstumsaussichten des Unternehmens von Julius Bär optimistisch eingeschätzt. Durch Kostenkontrolle dürften solide operative Margen realisierbar sein.

Favoriten im Industriesektor

Unter den Industrieunternehmen hält Julius Bär vier Titel für kaufenswert. Bei dem auf Asien fokussierten Handelshaus DKSH (ISIN: CH0126673539) wird das Kursziel mit 93 Franken angegeben. Zur Begründung heisst es, DKSH sei führend in der Branche für Marktexpansionsdienstleistungen, die ein attraktives Wachstumspotenzial besitze. Das Geschäftsmodell sei dank hoher Ein-/Ausstiegsbarrieren, starker Kundenbeziehungen und seiner ausgeprägten Ausrichtung auf Gesundheits- und Konsumgüter widerstandsfähig. Das hochwertige Geschäftsmodell sowie die solide Leistung der Unternehmensleitung böten Aufwärtspotenzial für die Gewinne und die Bewertung.

Als Kursziel bei Georg Fischer (ISIN: CH0001752309) werden 760 Franken genannt. Wie die Julius-Bär-Analysten schreiben, hat der Industriekonzern die Zyklizität durch die Expansion der defensiven Rohrleitungssparte mittels Übernahmen verringert. Die Geschäftsbereiche Fahrzeugtechnik und Werkzeugmaschinen entwickelten eine gesunde Dynamik, während die Rohrleitungssparte strukturelles Wachstum biete. Der Ausbau der defensiven Positionierung sowie die Konzentration auf einen effizienten Kapitaleinsatz würden eine höhere Bewertung rechtfertigen.

Kaba und Panalpine – noch nicht ausgereizt

Dem Anbieter aus der Sicherheitsindustrie, Kaba (ISIN: CH0011795959), wird ein Kursziel von 612 Franken zugetraut. Das Unternehmen dürfte vor allem dank neuer Produkte sowie aufgrund von Cross-Selling-Möglichkeiten weiterhin ein überdurchschnittliches Umsatzwachstum erzielen. Akquisitionen könnten ein Umsatzplus von 50 Millionen Franken bis 100 Millionen Franken jährlich bringen. Das würde rund 5 bis 10 Prozent des Jahresumsatzes entsprechen. Trotz eines guten Umsatzwachstums habe Kaba das Aufwärtspotenzial bei den operativen Margen bislang nicht ausschöpfen können.

Beim Transport- und Logistikdienstleister Panalpina (ISIN: CH0002168083) beträgt das Kursziel 155 Franken. Die seit 2013 amtierende Geschäftsleitung treibe den Restrukturierungsprozess erfolgreich voran. Die solide Bilanz und der starke Cashflow böten Flexibilität, und die Neupositionierung der Gruppe erhebliches Aufwärtspotenzial für das Wachstum sowie für die unterdurchschnittlichen Margen.

Clariant – der Widerstand ist geknackt

Zu guter Letzt ist aus der Grundstoffindustrie auch Clariant (ISIN: CH0012142631) mit einer Kaufempfehlung versehen, allerdings ist hier das Kursziel von 19 Franken inzwischen erreicht. Der Spezialchemie-Betrieb befinde sich in einer Restrukturierungsphase und die Unternehmensleitung habe zuletzt positiv überrascht. Die Restrukturierungsbemühungen dürften dem Produktmix und den Margen zugute kommen. Julius Bär geht davon aus, dass 2015 das erste Jahr mit einem verbesserten Cashflow sein wird. Möglicherweise bringt jetzt aber der Sprung der Aktie über den Widerstand bei 20 Franken neue Kursdynamik.