Grosse Überraschungen blieben bei der Präsentation der Quartalszahlen von Nestlé aus. Mit einem organischen Wachstum von 3,9 Prozent erwiesen sich die Ergebnisse – inklusive einer Preisanpassung von 0,9 Prozent – als besser als von den Analysten erwartet. Diese hatten nur mit einem Plus von 3,6 Prozent gerechnet. Mit einem Umsatz von 20,9 Milliarden Franken im ersten Quartal 2016 hielt das SMI-Mitglied trotz negativer Währungseffekte von 2,8 Prozent das Vorjahresniveau und demonstrierte Schlagkraft. Das interne Umsatzwachstum, Revenue Internal Growth (RIG), liegt mit 3 Prozent ebenfalls über den Erwartungen von 2,5 Prozent. Das RIG umfasst Nestlé zufolge den Umsatz aus Verkäufen, bereinigt um Preis- und Währungs­schwan­kungen. Einziger Wermutstropfen sind die Zahlen in Asien, Ozeanien und Afrika, die schlechter als erwartet ausfielen, weil sich die Situation für Nestlé in einigen Schlüsselmärkten unverändert kompliziert darstellt. In allen anderen Märkten jedoch wies das Unternehmen solide Zahlen aus, und es präsentierte ein Ergebnis, das über den Erwartungen liegt.

Auf Produktebene ist anzunehmen, dass die Marke Dolce Gusto wie in den Vorquartalen das starke Wachstum in Lateinamerika fortsetzen wird. In Nordamerika sind die Marken Coffee-mate, Purina One und Pro Plan stark gewachsen. Mit einem Plus von 5 Prozent hat dieser Bereich – der mehr als einen Viertel des Konzern­umsatzes darstellt – das Ergebnis der Gruppe kräftig beeinflusst. In Indien haben die Maggi-Nudeln ihre Marktanteile zurückerobert, nachdem Nestlé diese aufgrund des Skandals aus den Regalen entfernen musste. Neben China war Indien eines der Länder, die dazu beigetragen haben, dass der Umsatz langsamer als erwartet gestiegen ist. Dies scheint aber nur vorübergehend der Fall gewesen zu sein, da die Marke Nescafé in der Region wiederum ein bemerkenswertes Wachstum zeigt.

Nestlé-Aktie – hohe Volatilität: Neue Marktentwicklungen sind möglich

Nachdem der Aktienkurs in den letzten Jahren stetig gestiegen ist, blieb er in den letzten zwölf Monaten relativ stabil und bewegte sich dabei in einer Bandbreite von 67 bis 75 Franken. Nestlé, der meistgehandelte Schweizer Titel, wies Mitte Januar 2015 – wie viele andere auch – sehr grosse Handelsvolumina auf, was sich in den darauffolgenden Monaten wieder normalisierte. Dennoch stellen wir fest, dass die durchschnitt­liche Volatilität innert 100 Tagen, im Zeitraum zwischen 2015 und 2016, mit 20 Prozent höher gewesen ist als zwischen 2012 und 2014 mit 15 Prozent. Die erhöhte Volatilität lässt vermuten, dass nicht ausgeschlossen werden kann, dass sich in den kommenden Monaten neue Marktentwicklungen zeigen werden.

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Der Titel von Nestlé erfuhr am 14. April 2016 mit +1,97 Prozent die grösste Tagesschwankung, weil der Markt offensichtlich ein grösseres Potenzial erkennt. Ich teile diese Einschätzung. Setzt sich die Entwicklung fort, werden wir in den nächsten zwölf Monaten wahrscheinlich einen Kursanstieg auf 76 Franken sehen. Dies entspräche einer Ratio von 14,5, die sich aus dem Unternehmenswert dividiert durch das Ebitda ergibt, was über dem Branchendurchschnitt liegt. Damit könnte die Gruppe aus Vevey ein geringfügig grösseres KGV von 26 erreichen, was wiederum leicht unter dem KGV-Durchschnitt der Branche liegen würde. Ich bin zuversichtlich, dass sich der Schweizer Riese eindeutig auf dem Weg zu einem weiteren, sehr starken Jahr befindet, auch wenn bis zum Jahresende noch rund zwei Drittel der Wegstrecke zu schaffen sind.

Laurent Bakhtiari, Market Analyst der IG Bank