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Gastkolumne
Obamacare – eine doppelte Chance für Anleger

Andreas Knörzer: Leiter Asset Management bei Notenstein Privatbank

Durch Obamacare haben mehr US-Amerikaner Zugang zu einer Krankenversicherung. Gesundheitsunternehmen wie Community Health Services und UnitedHealth Group profitieren.

Von Andreas Knörzer
am 07.05.2015

Der Gesundheitssektor in den USA steht vor grossen Veränderungen. Diese Entwicklung geht einerseits darauf zurück, dass in den letzten Jahrzehnten, auch aufgrund von demografischen Veränderungen, der Anteil der Gesundheitskosten am Bruttoinlandprodukt überproportional auf ein nicht mehr nachhaltig tragbares Mass gestiegen ist. Andererseits spürt das Gesundheitssystem in den USA nun die Auswirkungen des als «Obamacare» bekannten Gesetzes.

Dank diesem haben nun deutlich mehr Amerikaner Zugang zu einer Krankenversicherung, ein aus sozialer Sicht sehr wünschenswertes Postulat. Dies führt vorerst zwar zu weiter steigenden Kosten, erhöht aber den Druck auf die im Gesundheitsbereich tätigen Unternehmen, deutlich preis- und kostenbewusster zu werden, um langfristig bestehen zu können. Dabei eröffnen sich Chancen für neue Geschäftsmodelle, bei denen die nachgefragten Dienstleistungen effizienter bereitgestellt werden.

Obamacare – Profiteur eins: Spitalbetreiber CHS

Community Health Services (CHS) und UnitedHealth Group (UNH) sind zwei Unternehmen, die von dieser Entwicklung in den USA profitieren können. CHS ist ein Spitalbetreiber. Das Unternehmen ist mit 206 Spitälern in 29 Bundesstaaten vertreten. Die Einführung von Obamacare führt zu einem steigenden Patientenwachstum, da nun mehr Amerikaner in der Lage sind, die Dienstleistungen eines Spitalbetreibers zu bezahlen. Die sinkende Arbeitslosigkeit trägt tendenziell ebenfalls zu einem Patientenwachstum bei.

Als privat geführter Spitalbetreiber ist CHS auf eine effiziente Geschäftsführung ausgerichtet, d.h. sie kann schneller als viele andere staatliche Anbieter auf die Veränderungen im Gesundheitssektor in den USA reagieren. Dies ist angesichts des sich verändernden Machtgefüges im Parlament zu Gunsten der Republikaner und des politischen Pokers im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen auch notwendig. Immerhin ist Obamacare einer der grössten Streitpunkte zwischen den beiden politischen Lagern. Entsprechend ist je nach politischer Wetterlage mit einem volatilen Kursverlauf zu rechnen. An der grundsätzlich positiven Geschäftsgrundlage ändert dies nichts.

Obamacare – Profiteur zwei: Gesundheitsdienstleister UNH

UNH ist ein weiteres Gesundheitsunternehmen, das von den Veränderungen im Gesundheitssystem der USA profitiert. Das Unternehmen operiert im sogenannten Marktsegment «Managed Care» und bietet verschiedene Dienstleistungen an, welche zu einer effizienten Bewirtschaftung der Gesundheitskosten von an diesem System beteiligten Personen führen. UNH ist der am breitesten aufgestellte Anbieter von «Managed Care» in den USA. Gemäss den mittelfristigen Zielen will UNH den adjustierten Gewinn pro Aktie jährlich um 13 bis 16 Prozent steigern. Zugleich profitieren die Aktionäre von Dividenden und Aktienrückkäufen.

Ich bin überzeugt, dass sich das Gesundheitssystem der USA nachhaltig verändern wird. Dieser Wandel bietet für flexible und effiziente Unternehmen grosse Chancen. Der Gesundheitsbereich ist ein Sektor, der bezüglich Nachhaltigkeit besonders kritisch zu hinterfragen ist. Einerseits erbringt er grossen sozialen Nutzen, andererseits steht er unter starkem Kostendruck. Diese Balance im Sinn der Nachhaltigkeit zu finden, erfordert entsprechende Massnahmen, die meiner Meinung nach von beiden Unternehmen gut umgesetzt werden.

Andreas Knörzer, Leiter Asset Management bei Notenstein Privatbank

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