Anleger sind genervt. Es gibt und gibt einfach nicht mehr Geld für Spareinlagen, die Zinsen wollen und wollen nicht steigen. Nach einem zwischenzeitlichen Anstieg im Vorjahr sind die Renditen bei vielen Emittenten von Staatsanleihen bereits wieder gesunken. So hatte sich zwar die Rendite von zehnjährigen eidgenössischen Bundesobligationen zwischen Mai 2013 und dem Jahresende auf rund 1,2 Prozent in etwa verdoppelt, doch inzwischen sind die Zinsen wieder im Rückwärtsgang und liegen wieder bei nur noch 0,9 Prozent. Ähnlich sieht es im Ausland aus. So lag die Rendite von deutschen Bundesanleihen zum Jahresende noch bei 1,9 Prozent, jetzt sind es 1,5 Prozent. 

Tendenziell zurückgebildet haben sich im bisherigen Jahresverlauf auch die Renditen bei Schwellenländer-Titeln. Das trifft zumindest auf Euro-Basis auch auf osteuropäische Emittenten zu. Deren Renditeaufschlag fiel seit Jahresbeginn von 149 auf 143 Basispunkte. Es gibt aber auch negative Ausreisser. Zumindest, wenn Russland und die GUS-Staaten miteinbezogen werden. Denn im Fall von Russland und der Ukraine wird die Bilanz durch die Krim-Krise belastet. Das Rating von Russland wurde bereits gesenkt, und die Ukraine wäre ohne externe Hilfe vermutlich pleite. 

Osteuropa im Schlepptau deutscher Obligationen

Nicht unproblematisch sind viele andere Länder Osteuropas. Immerhin wird das teilweise kaschiert durch die Anbindung an die EU. Dadurch profitiert dieses Segment von den sinkenden Renditen der deutschen und amerikanischen Staatsanleihen und der Tendenz hin zu fallenden Risikoaufschlägen. Dafür mitverantwortlich ist sicherlich das Nachdenken der europäischen Zentralbank über weitere expansive geldpolitische Schritte sowie die viel diskutierten Deflationsgefahren in Europa.

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Positiv zu sehen sind aus volkswirtschaftlicher Sicht die Erholungstendenzen in Osteuropa und speziell in Zentralosteuropa. Die negativen Effekte der Krise in der Ukraine auf die Konjunktur osteuropäischer Länder halten sich laut Unicredit-Volkswirt Gillian Edgeworth in Grenzen. Auch bei Capital Economics verweisen die Experten auf ein anziehendes Wachstum in Zentralosteuropa, wobei sie sowohl Stärkesignale beim Export als auch bei der inländischen Nachfrage ausmachen.

Kaum Renditeaufschlag für Polen oder Tschechien ...

All das wird vermutlich nichts daran ändern, dass auch die Anleiherenditen in Osteuropa unter Druck geraten dürften, falls die mit einer Leitfunktion ausgestatteten US-Staatsanleiherenditen nachhaltig anziehen sollten. Auch allgemein dürfte die Aussicht auf einen weiteren Rückgang des Renditeaufschlags im Vergleich zu den für Europa typischerweise als Vergleichsmassstab dienenden deutschen Bundesanleihen eher begrenzt sein. Aber für Privatanleger, die mit dem Willen in Staatsanleihen investieren, diese bis zur Endfälligkeit zu halten, spielen diese Schwankungen nur bedingt eine Rolle, sofern der jeweilige Schuldner am Laufzeitende das Kapital auch voll zurückbezahlt. In Zeiten von allgemein viel zu hohen Staatsschulden ist die Garantie darauf zwar nicht mehr so gross wie früher, aber die damit verbundenen Gefahren treffen auch auf fast alle anderen Staatsschuldner zu und nicht nur auf osteuropäische Emittenten.

Allgemein stehen in Osteuropa die Emittenten Polen, Tschechien und Slowakei am solidesten da. Deshalb bilden die Anleihen dieser Schuldner die Basis des Osteuropa-Portfolios der WGZ Bank. Allerdings weisen Emittenten wie Polen auch nur noch einen Renditespread von 78 Basispunkten gegenüber den Bundesanleihen auf. 

... aber in Ungarn gibt es 200 Punkte mehr

Besser sieht es bei einem Spread von 234 Basispunkten bei ungarischen Staatsanleihen aus. Doch das hat natürlich auch mit schlechteren volkswirtschaftlichen Rahmendaten zu tun sowie mit den Zweifeln, die an die etwas «unorthodoxe» Wirtschaftspolitik des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Urban geknüpft sind.

Viel Lob für die von ihnen betriebene Wirtschaftspolitik erhalten hingegen zumeist die baltischen Staaten, und nach einer schweren Krise haben sie sich mit Reformen auch wieder nach oben gekämpft. Mit das grösste Risiko ist hier die Nähe zu Russland sowie die Abhängigkeit von Energielieferungen von dort. Wer sich dennoch für die Region interessiert, findet in litauischen Anleihen vergleichsweise attraktive Investments. Das Land strebt den baldigen Euro-Beitritt an, und auf dem Weg dorthin dürften 2015 die Maastrichter-Stabilitätskriterien erfüllt werden. Dazu passt auch die jüngst von den Ratingagenturen Fitch und Standard & Poor’s getroffene Entscheidung, die Kreditwürdigkeit des Landes als besser zu beurteilen.

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Renditeaufschlag in Rumänien

Im Südosten Europas gibt es noch viele Schwachstellen, und sehr viele davon hat ausgerechnet der zuletzt beigetretene EU-Neuling Kroatien aufzuweisen. Das Land schafft es seit Jahren nicht, auf einen Wachstumskurs umzuschalten, und auch bedingt dadurch wächst der staatliche Schuldenstand schnell. Auch deshalb votiert die WGZ Bank bei diesem Emittenten zum Verkauf.

Etwas besser sieht es, gemessen an den vorherrschenden volkswirtschaftlichen Trends, in Rumänien aus. Dem Land ist es zuletzt gelungen, sein Ratingprofil zu verbessern. Allerdings ist auch hier die Politik immer wieder für negative Überraschungen gut. Deshalb sollten die Ende des Jahres anstehenden Präsidentschaftswahlen als kritisches Datum im Kalender angekreuzt werden.

Osteuropaanleihen – 3,0 Prozent sind drin

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Laufzeit: 7.2.2018, Rating A-, Rendite 1,6 Prozent

Laufzeit: 23.3.2021, Rating A2, Rendite 1,6 Prozent

Laufzeit: 18.6.2018, Rating BB+, Rendite 2,5 Prozent

Laufzeit: 18.3.2020, Rating AA-, Rendite 1,1 Prozent

Laufzeit: 11.6.2018, Rating BB, Rendite 3,0 Prozent