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Finanzblogs
Sieben Blogs für Finanzcracks und Wirtschaftsnerds

Sieben Blogs für Finanzcracks und Wirtschaftsnerds
Interessant für Anleger: Finanzblogs erweisen sich als gute Inspirationsquelle.  Keystone

Mit dem Aufstieg sozialer Medien sind Internet-Blogs etwas in Vergessenheit geraten. Ein Besuch dieser Seiten lohnt sich noch immer.

Von Peter Manhart
12.10.2017, Aktualisiert am 17.10.2017

Blogger stehen in der digitalen Welt im Schatten der Influencer. Anstelle lange Analysen zu tippen, wird heute einfach ein Tweet oder ein Post in den sozialen Medien abgesetzt. Aufmerksamkeit ist ein knappes Gut und so müssen 140 Zeichen reichen.

Ganz verschwunden sind die blogschreibenden Idealisten indes nicht. Nur hat sich die Szene insofern verändert, als qualitativ hochstehende Internetseiten heute nur noch äusserst selten in Fronarbeit verfasst werden. Blogs sind heute meist Bestandteil etablierter Medien.

Auswahl zur Inspiration

Die hier vorgestellte Auswahl ist weder repräsentativ noch vollständig, sondern soll lediglich als Inspiration dienen. Auf die Vorstellung der gängigsten Deutschschweizer Finanzblogs wie Inside Paradeplatz, Finews oder «Never Mind the Markets» wurde bewusst verzichtet. Ebenso auf klassische Ökonomie-Foren wie batz.ch, das in erster Linie wirtschaftspolitische Themen behandelt.

Für Anleger haben aber vor allem Börsenbriefe an Bedeutung verloren. Es gibt sie zwar nach wie vor, doch die Abonnenten werden weniger. Ein Coup gelang möglicherweise zuletzt dem deutschen Autor Hans A. Bernecker. In seinem Letter hat er von einer deutlichen Unterbewertung der Aktien der Schweizerischen Nationalbank gesprochen. Und tatsächlich ist der Kurs zuletzt kräftig gestiegen. Kurse zu bewegen, kommt für Blogger einem Ritterschlag gleich.

Mehr als Aktien: DIEBOERSENBLOGGER.DE

Der Fokus ist klar auf die Finanzmärkte gerichtet. Sei es die amerikanische, die deutsche oder die österreichische Börse – über die an diesen Handelsplätzen kotierten Unternehmen wird ausführlich berichtet. Erfreulich für Schweizer Anleger ist, dass auch über helvetische Titel regelmässig in einer eigenen Sektion geschrieben wird. Zusätzlich werden Rohstoffe und Devisen thematisiert.

Bei den Autoren handelt es sich um Journalisten mit langjähriger Berufserfahrung, die mit dem Blog der Schnelllebigkeit und Informationsflut unserer Zeit etwas entgegensetzen wollen. Griffig bringen sie es auf den Punkt: «Wenn uns eine Nachricht erreicht, ist sie eigentlich schon alt.» Dieser Herausforderung stellen sich die Autoren mit unabhängigen Einschätzungen.

Zur Analyse dienen ihnen die Charttechnik ebenso wie Fundamentaldaten. Wer will, kann sich auch mit täglich und wöchentlich publizierten Newsletters auf dem Laufenden halten.

Rating: Übersichtlich gestalteter Webauftritt mit tagesaktuellen Berichten. Ein Besuch lohnt sich meistens bereits wegen der «Presseschau».

Nahrung fürs Gehirn: HANDELSZEITUNG.CH/FREE-LUNCH

Nichts ist gratis auf der Welt, heisst es im Bonmot «There is no such thing as a free lunch». Stimmt – bei der «Handelszeitung» gibt es aber trotzdem mehrmals pro Woche kostenfreien «food for thought». Beim Ökonomie-Blog «Free Lunch» steht die Volkswirtschaft im Fokus: Die Beiträge drehen sich um die Geldpolitik der SNB, um Makro-Ereignisse wie den Brexit und um übergeordnete Themen wie die Globalisierung.

Zuweilen werden auch Bücher und Filme besprochen: «Free Lunch Society», ein am Zürcher Filmfestival gezeigter Doku zum bedingungslosen Grundeinkommen, kam nicht allzu gut weg. Als Autoren fungieren die Redaktoren der «Handelszeitung». Gastbeiträge werden von Ökonomen der UBS, von Pictet Asset Management und von CA Indosuez veröffentlicht. Abgerundet wird der Blog durch das Projekt Next Generation, eine Kooperation mit Nachwuchsforschern der Universität St. Gallen.

Rating: Konkrete Anlagetipps gibt es bei «Free Lunch» nicht. Dafür gibt es Stoff, der zum kritischen Nachdenken über die grossen Themen anregt.

Im Tulpengarten: ICOWATCHLIST.COM

Der Kurs von Bitcoin hat sich erneut auf mehr als 4500 Dollar zurückgekämpft – zum beschworenen Absturz ist es (noch) nicht gekommen. Derweil haben Regulatoren die sogenannten ICO (Initial Coin Offerings) im Blick. Mit diesen nehmen Startups Geld auf und bringen vereinfacht gesagt neue Kryptowährungen (Token) in Umlauf.

Wer sich in dieser ICO-Welt ein wenig umsehen möchte, kann das beispielsweise auf der Internetseite ICOWatchlist.com tun. Hier sind bereits abgewickelte laufende und künftige ICO einsehbar. Zudem sind viele Interviews mit den Gründern dieser Projekte auf der Internetseite. Ähnlich wie der Wildwuchs an ICO finden sich mittlerweile Hunderte Blogs zur Blockchain-Technologie und zu Bitcoin und Ether.

Auf Deutsch gibt es insbesondere zum ICO-Markt beinahe keine Blogs. Die Ausnahme bildet der Altcoinspekulant. Dort wird auch erklärt, wie man Bitcoins kaufen kann.

Rating: Der Auftritt überzeugt. Doch es ist nicht ganz klar, wie unabhängig die Seite ist. Die Blogbeiträge kommen wie Werbung daher.

Immer ein bisschen negativ: ZEROHEDGE.COM

Zerohedge wurde im Januar 2009 gegründet, also in der dunkelsten Stunde der Finanzkrise. Das färbt bis heute auf die Berichterstattung ab. Die unbekannten Macher mit dem Autorenpseudonym Tyler Durden – einem Charakter aus dem Film «Fight Club» – können getrost als Permabären bezeichnet werden.

Kaum eine Meldung wird nicht als Vorbote eines drohenden Crashs gedeutet. Das war zumindest in den ersten Jahren das Geschäftsmodell. Mit der Zeit wurde das Themenspektrum breiter. So werden mittlerweile häufig politische Ereignisse kommentiert und es wird über Dinge berichtet, die nicht in den Mainstream-Medien behandelt werden.

lm Kern dreht sich aber immer noch der Grossteil der Berichterstattung um das Geschehen an den Börsen, ökonomische Datenreihen und Marktanomalien. Zurzeit, wo die Aktienmärkte von Hoch zu Hoch eilen, ist ein Stopp bei Zerohedge gute Medizin gegen Gier.

Rating: Kein wirklicher Blog mehr, sondern eine eigenständige Online-Zeitung. Hilft den Horizont zu erweitern. Nicht alles für bare Münze nehmen.

Auf Grahams Spuren: VALUEWALK.COM

Value ist einer der bekanntesten Anlagestile. Es geht darum, Anlagen zu finden, die aus den falschen Gründen zu tief bewertet sind. Der Markt werde diese Fehleinschätzung mit der Zeit korrigieren, so die Überzeugung der Value-Investoren. Das Themenspektrum von Valuewalk ist allerdings wesentlich breiter, als sich nur auf vielversprechende Aktientipps zu beschränken.

Vielmehr wird der Finanzmarkt auf der Metaebene analysiert und auf mögliche Probleme unter der Oberfläche hingewiesen. Über Politik und Technologie wird ebenfalls häufig berichtet. Wer sich weiterbilden möchte, findet spannende Inhalte in der Sektion «Academics», dort sind aktuelle Artikel und Research-Berichte von Koryphäen wie Robert Shiller und James Montier zu finden. Untypisch für ein digitales Angebot sind auch diverse Bücherlisten auf der Seite zu finden, beispielsweise die Lieblingslektüre von David Einhorn.

Rating: Wie häufig bei angelsächsischen Webseiten hat es viele Lockvogelangebote, die scheinbar gratis sind, aber mit Spam bezahlt werden.

Unter Zwergen: SCHWEIZERAKTIEN.NET

Streng genommen handelt es sich bei Schweizeraktien.net nicht um einen Blog. Doch weil das Nebenwertesegment auch in der Schweiz (zu Unrecht) stiefmütterlich behandelt wird, hat es die Seite in die Auswahl geschafft. Hier finden sich für Privatanleger unerlässliche Informationen zu kleinstkapitalisierten Werten und nichtkotierten Titeln.

Zur Ergänzung eines breit diversifizierten Portfolios finden sich in diesem Segment immer wieder vielversprechende Aktien. Die Macher befassen sich bereits seit Jahrzehnten mit Finanzmarktthemen und kennen die Unternehmen respektive die operative Führung oft persönlich. Diese Expertise fliesst in zwei Musterdepots (OTC/SPI) ein und liefert Lesern Inspiration für eigene Investments. Schweizeraktien. net führt zudem periodisch Workshops und Branchentalks durch. Abgedeckt werden die Bereiche Regionalbanken, Tourismus, Casinos und Industrie.

Rating: Der Internetauftritt wirkt etwas in die Jahre gekommen. Das sollte nicht abschrecken, der gebotene Inhalt hat Qualität.

Aus dem Reich von morgen: YOUNGCHINABIZ.COM

Hand aufs Herz – wie viele chinesische Aktiengesellschaften kennen Sie? Tencent, Alibaba, Geely sollten hier den meisten geläufig sein, aber bereits nach einer Handvoll Titeln dürfte vielen kein Name mehr in den Sinn kommen. Das sollten Schweizer Anleger ändern, denn es wird sich rächen, in den nächsten Jahren keine chinesischen Aktien im Depot zu haben.

Gemessen an der Kaufkraftparität sei China bereits die grösste Volkswirtschaft der Welt, schreibt die Saxo Bank in einer aktuellen Studie. Wer sich mit nicht so geläufigen Namen vertraut machen möchte, kann Youngchinabiz in die Favoritenliste aufnehmen.

Dort berichtet Doug Young vor allem über Technologie- und Finanzgesellschaften. Aber auch über Börsengänge, Medien und Energiefirmen. Doug lebt seit mehr als zwanzig Jahren vor Ort und war unter anderem Nachrichtenchef von Reuters, hat aber auch für lokale Zeitungen geschrieben.

Rating: Die Seite kommt nicht so professionell daher wie andere hier vorgestellte Internetauftritte. Aber die Inhalte sind exklusiv und teils sehr informativ.

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