Ganz überraschend kam der Einbruch nicht. Nachdem die Kurse von US-Technologieaktien monatelang fortwährend gestiegen waren, ging es in den vergangenen Tagen abwärts. Den Anfang machte die Apple-Aktie: Der Titel des wertvollsten Unternehmens der Welt verlor am Freitag vor einer Woche ganze vier Prozent, nachdem ein kritischer Bericht zum neuen iPhone erschienen war.

Investoren strichen reihenweise Gewinne ein – auch bei anderen Technologietiteln aus Übersee: Die Aktien von Facebook und der Google-Mutter Alphabet fielen innerhalb eines Tages um mehr als drei Prozent. Die Schwergewichte rissen den gesamten Technologieaktien-Index Nasdaq mit in die Tiefe. Zu Wochenbeginn setzte sich der Ausverkauf fort.

Bei Anlegern kamen sofort böse Erinnerungen an das Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 hoch. Viele hatten sich ohnehin schon lange gefragt, wann der Technologie-Crash kommen würde. Die fünf grössten US-Technologieunternehmen hatten von Januar bis Mai dieses Jahres insgesamt 38 Prozent zum gesamten Wertzuwachs des US-Aktienindex S&P 500 beigetragen, schon davor hatten Titel von Unternehmen wie Apple oder Amazon eine monatelange Rally hingelegt. Die jüngsten Kursabstürze von Technologietiteln könnten nun der Anfang vom Ende der Rally sein, fürchten Anleger.

Von günstigeren Preisen profitieren

Marktbeobachter geben jedoch Entwarnung. Sie sehen in den Kursverlusten lediglich eine kurzfristige Korrektur im US-Technologiesektor. Langfristig seien die Valoren von Internetgiganten wie Apple, Amazon, Facebook und Alphabet weiterhin attraktiv. Investoren können also immer noch getrost zugreifen – gerade jetzt, wo einige Titel billiger zu haben sind als in den Monaten zuvor. «US-Technologieschwergewichte sind reif für eine Sommerpause, dürften aber langfristig weiterhin gut abschneiden», sagt Cédric Spahr, Aktienmarktstratege der Bank J. Safra Sarasin.

Auch Hyun Ho Sohn, Fondsmanager des Fidelity Global Technology Fund, bereiten die Kursverluste von Technologietiteln kein Kopfzerbrechen. «Bislang gibt mir die aktuelle Marktbewegung noch keinen Anlass zur Sorge», sagt er. Eine Korrektur sei ohnehin längst überfällig gewesen: «Viele langfristige Faktoren sorgen indes für einen unverändert starken Ausblick für Technologieunternehmen.»

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Grundsätzliche Unterschiede

Tatsächlich sind die meisten US-Technologieunternehmen gut aufgestellt, ihre Geschäftsmodelle sind stabil und solide. Apple etwa gilt trotz des kurzfristigen Einbruchs nach wie vor als einer der aussichtsreichsten Technologietitel am Markt. Das Unternehmen hat erst kürzlich neue oder verbesserte Produkte präsentiert, zudem kommt im September das neue iPhone auf den Markt. In den kommenden Monaten dürfte es nach kurzer Verschnaufpause weiter aufwärts gehen, erwarten Analysten. Auch den Aufwärtstrend anderer Nasdaq-Valoren halten sie für intakt.

Grundsätzlich sollten Anleger, die das Platzen einer neuen Tech-Blase befürchten, eines klarmachen: Zwischen der Dotcom-Euphorie in den späten Neunzigerjahren und dem heutigen Siegeszug von Technologieaktien gibt es deutliche Unterschiede. So steht die Technologiebranche im Vergleich heute deutlich besser und stabiler da als vor rund 20 Jahren.

«Damals hatten viele Unternehmen gute Ideen, die aber meist noch nicht umsetzbar waren. Das sieht heute ganz anders aus. Inzwischen gibt es die technischen Gegebenheiten, um gute Ideen auch umzusetzen – etwa hohe Datenkapazität und schnelle Daten-Übertragungsraten», sagt Andreas Dagasan, Experte für Technologie-Investments bei Bantleon in Zug. Zudem könnten die Unternehmen der Branche solide Bilanzen und stabile Cashflows vorweisen. «Der kurzfristige Einbruch am Markt hat nichts an den guten Fundamentaldaten der Unternehmen geändert», sagt Dagasan.

Weit weniger hoch bewertet

Nicht zuletzt sind auch die Bewertungen von Technologieaktien weit von den Höchstständen zu Dotcom-Zeiten entfernt. Die fünf grössten US-Technologieunternehmen sind im Schnitt mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 22 bewertet. Vor dem Platzen der Dotcom-Blase wiesen manche Valoren KGV-Werte von 70 oder noch mehr auf. Eine Kursrallye allein schafft also noch keine Blase. Anleger können den kurzfristigen Einbruch bei Technologietiteln vielmehr zum Einstieg nutzen. Alles auf eine Karte setzen und nur in IT-Unternehmen investieren, sollten sie jedoch auch nicht. Sonst drohen massive Verluste, falls die Technologie-Rallye doch einmal an Fahrt verliert.

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