Investoren setzen auf die Volatilität, denn für viele Börsianer ist die implizite Volatilität ein wichtiges Absicherungs- und Diversifikationsinstrument. Das belegt die Umsatzstatistik der Eurex. In den ersten drei Quartalen gab es an der Terminbörse mehr als sieben Millionen Kontrakte auf die erwartete Kursschwankungsbreite. Damit nahm das Handelsvolumen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um gut einen Viertel zu. In der Volatilität kommt die erwartete Schwankungsbreite eines Wertpapiers über einen bestimmten Zeitraum zum Ausdruck. Sie ist daher ein Massstab für das Risiko eines Investments. Grundsätzlich nimmt die Intensität der Preisausschläge zu, sobald es an den Börsen nach unten geht. Steigen die Kurse, lässt die Volatilität für gewöhnlich nach.

Angstbarometer schlägt aus

Wegen dieser negativen Korrelation gilt die Risikokennziffer als probates Werkzeug zur Absicherung von Portfolios. Von dieser Eigenschaft konnten sich Anleger zuletzt ein eindrucksvolles Bild machen. Als die Aktienmärkte Anfang Oktober nach unten rauschten, schnellte die Volatilität ruckartig nach oben. Beispielsweise lugte der VSMI, diese Benchmark steht für die in Optionen auf den SMI eingepreiste Schwankungsbreite, erstmals seit Dezember 2011 über die Marke von 25 Prozent. Derartige Volatilitätsspitzen sind typisch für hektische Börsenphasen. Da sich die Lage mittlerweile beruhigt hat, hat das Angstbarometer für den Schweizer Aktienmarkt bei Chips wieder deutlich nachgegeben.

Gleichwohl hätte ein Produkt auf den VSMI die Verluste der vergangenen Wochen schmälern können. Allerdings ist der Einsatz dieses Absicherungsinstruments nicht ohne weiteres möglich. Die Schwierigkeiten beginnen damit, dass der Handel von Volatilität Termin-bezogen erfolgt. Dabei notieren länger laufende Kontrakte in der Regel höher als kurzfristig laufende. Der Fachjargon spricht hier von einer Forwardkurve mit Contango. Investoren, die sich dauerhaft positionieren möchten, sind aber auf den regelmässigen Austausch von Futures angewiesen. Sie rollen die Positionen  von einer nahen Fälligkeit in eine weiter entfernte Laufzeit. Bei einem Contango fallen dabei mitunter hohe Rollverluste an. Nicht zuletzt dieser Umstand hat dazu geführt, dass die Anbieter von strukturierten Produkten lange einen Bogen um diese spezielle Anlageklasse gemacht haben.

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Mit Faktor-Zertifikat auf die Volatilität Rollverluste vermeiden

Vor gut drei Jahren wagte die Commerzbank einen neuen Anlauf. Sie lancierte Faktor-Zertifikate auf die Volatilität. Diese Produkte basieren unter anderem auf dem VSTOXX, dem Volatilitäts-Gradmesser für den europäischen Aktienmarkt. Bei der verwendeten Open-End-Struktur sollen die Einflüsse aus dem regelmässigen Austausch der Terminkontrakte möglichst aussen vor bleiben. In der jüngsten Korrekturphase ist das Konzept aufgegangen. Das mit einer Partizipationsrate von eins ausgestattete Faktor-Zertifikat auf den VSTOXX hat in der ersten Oktoberhälfte um bis zu 50 Prozent zugelegt.

Ein relativ neues Produkt hingegen konnte die jüngste Volatilitätsspitze nicht abgreifen. Mit dem ebenfalls von der Commerzbank entwickelten «Balanced»-Ansatz wird versucht, an einer steigenden Kursschwankungsbreite an der Wall Street zu partizipieren. Die Positionierung erfolgt in Abhängigkeit von der Form der Terminkurve. Dabei kann das Modell sowohl auf steigende als auch auf fallende Notierungen setzen. Dieser Ansatz soll dazu führen, dass die Strategie zusätzlich zur Partizipation an einer anziehenden Volatilität positive Rollrenditen generiert. Andreas Stocker, Derivateexperte der Commerzbank, führt die jüngste Kursschwäche des Zertifikats auf die heftigen Verschiebungen in der Terminkurve zurück. «In einer solchen Situation kann die Strategie ein Fehlsignal generieren», erklärt er.

Volatilitäts-Produkte für erfahrene Anleger

Einem vergleichbaren Produkt von Leonteq erging es wenig besser. Das ebenfalls auf einem Long/Short-Ansatz basierende Tracker-Zertifikat bewegt sich in einem kurzfristigen Abwärtstrend. Die Beispiele zeigen den speziellen Charakter solcher Volatilitäts-Strategien. Hier kommen die unterschiedlichsten Einflussfaktoren zum Tragen. Da zudem die Produkte selbst zu enormen Ausschlägen neigen, sollten nur erfahrene Anleger zu diesen Instrumenten greifen.

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Dieses Commerzbank-Produkt versucht, über den Einsatz von Futures eine Positionierung im VSTOXX zu ermöglichen. Dabei sollen die Unwägbarkeiten des Terminmarktes, Stichwort Contango-Falle, aussen vor bleiben. Der Basiswert des Open-End-Zertifikats steht für die in Optionen auf die Mitglieder des Euro Stoxx 50 eingepreiste Volatilität.

Die vor gut einem Jahr lancierte Strategie möchte eine steigende Volatilität an der Wall Street abgreifen und zudem eine positive Rollrendite erzielen. In der zugrunde liegenden Methodik spielt die Form der Terminkurve eine entscheidende Rolle. Je nach Verlauf geht das Konzept Long- oder Short-Positionen in Futures unterschiedlicher Laufzeit ein. Die Commerzbank veranschlagt für das Tracker-Zertifikat eine Managementgebühr von 1,00 Prozent p.a.

Tracker-Zertifikat auf CBOE Dynamic VIX Indices Basket (ISIN CH0199037935)

Vor zwei Jahren brachte Leonteq dieses Produkt an den Markt. Auch hier soll eine regelbasierte Strategie helfen, die Tücken von Volatilitäts-Investments in den Griff zu bekommen. Dabei setzt der zugrunde liegende Basket sowohl auf steigende als auch fallende Werte beim VIX, dem Volatilitäts-Gradmesser für den US-Aktienmarkt. Die Verwaltungsgebühr beläuft sich auf 0,90 Prozent p.a.