Die Zuger Kantonalbank ist die führende Bank eines Kantons, der für seine tiefen Steuersätze bekannt ist. Da hat der Steuerstreit mit dem Ausland doch besondere Brisanz. Wie beurteilen Sie die Lage?

Toni Luginbühl: Die verhältnismässig tiefen Steuern im Kanton Zug haben nichts mit dem derzeitigen Steuerhinterziehungsstreit zu tun. Ich glaube aber, dass die Situation in der Politik wie auch in Bankkreisen zu wenig ernst genommen wird. Der Druck auf die Schweiz wird zunehmen.

Was ist dagegen zu tun?

Luginbühl: Wir sollten unser Steuersystem besser vermarkten und dessen Entstehung im In- und Ausland besser erklären. Die Schweiz ist keine Steueroase, denn unser Steuersystem ist demokratisch legitimiert und regelgerecht. Zudem hat das Bankkundengeheimnis nichts mit Steuerhinterziehung oder Steuerbetrug zu tun, sondern dient lediglich dem Schutz der Privatsphäre eines jeden einzelnen Kunden.

Was können die Banken konkret unternehmen?

Luginbühl: Uns muss in den nächsten Jahren die Frage beschäftigen, ob die Banken einen Beitrag gegen Steuerhinterziehung oder Steuerbetrug leisten können, damit wir eines Tages nicht erpressbar werden.

Die Kantonalbanken könnten noch zusätzlich betroffen sein: Die Steuererleichterungen und die Staatsgarantie sind der EU ja schon lange ein Dorn im Auge.

Luginbühl: Das sehe ich umgekehrt. Die Diskussionen über die Staatsgarantie werden von der Bildfläche verschwinden. Die aktuelle Finanzkrise zeigt mit aller Deutlichkeit, dass auch in der EU eine faktische Staatsgarantie für privatwirtschaftliche Banken besteht, wie man beispielweise im Fall Northern Rock gesehen hat. Mit dem Unterschied, dass diese Banken bisher keine Abgeltung für diese implizite Staatsgarantie leisten mussten, wogegen die Kantonalbanken den Staat für die explizite Staatsgarantie zum Teil fürstlich entschädigen.

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Die Finanzkrise hat vor allem die Schweizer Grossbanken hart getroffen. Profitieren kleinere Institute wie die Zuger Kantonalbank von der Krise bei den Grossen?

Luginbühl: Ja, viele Kunden sind verunsichert und suchen wieder vermehrt Sicherheit und Kontinuität. Wir haben tagtäglich Kunden, die zu uns wechseln.

Aber auch für Sie haben sich die Risiken erhöht. Wie begegnen Sie diesen?

Luginbühl: Wir machen nur Geschäfte, deren Risiken wir abschätzen können. Deshalb haben wir auch nicht in Subprime-Papiere investiert. Und zudem konzentrieren wir uns seit einigen Jahren auf eine genügend grosse Eigenmittelbasis ?

? die Eigenkapitaldecke beträgt derzeit 260%. Wird da nicht Rendite der Vorsicht geopfert?

Luginbühl: Eigenkapital bedeutet Sicherheit. Was nützt eine hohe Eigenkapitalrentabilität, wenn damit beim erstbesten Sturm das Unternehmen gefährdet ist? Heute zeigt sich, dass eine Bank eigentlich gar nicht genug Eigenkapital besitzen kann.

Die Eidgenössische Bankenkommission fordert nur eine Deckung von 120%.

Luginbühl: Das ist richtig, wobei diese Eigenmitteldecke auch in einer Krise nicht unterschritten werden darf. Unsere Eigenkapitaldecke dagegen darf auch in einem Stress-Szenario nie 120% unterschreiten. Dabei nehmen wir bewusst eine tiefere Eigenkapitalrendite zugunsten einer grösseren Sicherheit in Kauf.

Wie lange wird das jetzige schwierige Szenario noch andauern?

Luginbühl: Jenen, die das Ende der Turbulenzen schon in drei Monaten sehen, kann ich nicht beipflichten. Die Verwerfungen an den Märkten werden uns noch das ganze Jahr 2008 hindurch begleiten.

Was heisst das für das Geschäft der Zuger Kantonalbank in diesem Jahr?

Luginbühl: Dank unserem starken Bein im Zinsgeschäft werden wir sicher ein gutes Ergebnis erreichen. Auf der Börsenseite lässt sich noch nicht abschätzen, wie sich die Lage entwickelt. Halten die Turbulenzen dort an, dann werden wir unsere Ziele im indifferenten Geschäft nicht erreichen können. Trotzdem dürfte der Reingewinn höher ausfallen als 2007, weil unsere IT-Plattform abgeschrieben ist.

Und wie ist das 1. Quartal angelaufen?

Luginbühl: Beim Zinsgeschäft, wo wir knapp 70% unserer Erträge erwirtschaften, liegen wir leicht über Budget, im indifferenten Geschäft leicht darunter.

Werden Sie den Hypothekarzins erhöhen müssen, um diese Lücken im börsenabhängigen Kommissionsgeschäft zu füllen?

Luginbühl: Dem Konkurrenzkampf unter den Banken und den Aussichten bei den Marktzinsen nach zu urteilen, machen wir 2008 keine Hypothekarzinserhöhung.

Das Zinsengeschäft läuft ? was heisst das für die geplante Ausweitung in der Vermögensverwaltung?

Luginbühl: Die Finanzkrise wird unsere langfristig ausgelegte Strategie kaum beeinflussen. Möglicherweise müssen wir aber den definierten Zeithorizont, um unsere Ziele zu erreichen, leicht korrigieren.

Kämen auch Übernahmen in Frage, um diese Ziele zu erreichen?

Luginbühl: Nein. Wir streben ein kontinuierliches, organisches Wachstum in unserem Wirtschaftsraum an.

Andere sind da aggressiver: Julius Bär hat Ihnen letztes Jahr ein ganzes Vermögensverwaltungsteam abgeworben, und die neue Zuger Filiale der Valiant leitet mit Josef Huwiler ein ehemaliges Geschäftsleitungsmitglied der Zuger Kantonal-bank. Schreckt Sie das nicht auf?

Luginbühl: Es schmerzte, ein ganzes Team zu verlieren. Weil wir aber organisch gewachsen sind und nicht Kundenberater mit Kundenassets zusammengekauft haben, konnten uns die abgeworbenen Mitarbeiter kaum Kunden wegnehmen. Valiant dagegen spüren wir noch nicht. Aber es ist so: Als Marktleaderin in Zug zielen alle Attacken zuerst auf uns.

Sind Sie in der Defensive?

Luginbühl: Wir werden unsere Position zu verteidigen wissen. Als Marktführerin sind wir zudem flexibel für neue Situationen.

Wie neuerliche Abwerbungen?

Luginbühl: Wir haben die entstandene Lücke rasch schliessen können. Und die Sache hat uns auf einen neuen Ansatz gebracht: Es kann doch nicht die Zukunft des Finanzbereichs sein, Wachstum durch Abwerben von Beratern zu exorbitanten Preisen zu suchen. Viel eher muss brachliegendes Potenzial gefördert werden. Und dieses Potenzial sehen wir bei Frauen und Müttern. Deshalb starteten wir vor kurzem ein Wiedereinsteigerinnen-Programm.

Das heisst?

Luginbühl: Wir nehmen Familienfrauen, die später wieder in den Beruf einsteigen wollen, in unser Wiedereinsteigerinnen-Programm auf, wenn ihre Kinder noch klein sind. Wir begleiten sie bis zu fünf Jahre mit Schulungen und bezahlen dabei eine kleine Entschädigung, damit die Kosten für die Kinderbetreuung für die Zeit des Unterrichts gedeckt sind. Dann setzen wir die Wiedereinsteigerinnen via Job-Sharing schrittweise bei uns ein. Das Echo auf die Aktion ist enorm ? auf ein einziges Inserat hatten wir 100 Bewerbungen.

Dann übernehmen bei der Zuger Kantonalbank bald die Frauen das Ruder?

Luginbühl: Die Frauenquote liegt bereits heute bei rund 50% und wird noch weiter steigen. Das bringt einen gewissen Kulturwechsel mit sich. Nicht nur innerhalb der Bank, sondern vor allem auch gegenüber unseren Kundinnen und Kunden. Und schliesslich wird es wichtig sein, dieses Konzept auch auf höheren Führungsebenen anzuwenden.

Wie viel wollen Sie dafür ausgeben?

Luginbühl: Wir haben einen namhaften Betrag für dieses Konzept gesprochen.

Zu Ihren Anspruchsgruppen gehören auch die Aktionäre. Stocken Sie auch dort die Mittel auf?

Luginbühl: Wie haben die Zielgrösse bei unseren eigenen Mitteln erreicht. Das führt dazu, dass wir in den nächsten Jahren unsere Ausschüttungsquote von bisher 40% kontinuierlich steigern werden.

Reicht dies, um den Kurs nach den Verlusten 2007 zu beflügeln?

Luginbühl: Unsere Aktie ist eher ein Anlagepapier. Das zeigt auch die Dividendenrendite von über 3,5%. Je nach Zinserwartung kann eine höhere Dividendenausschüttung zu höheren Kursen führen.

Engpässe könnten auch mit einem Aktiensplit entschärft werden. Die Aktie ist mit 3700 Fr. eher schwer.

Luginbühl: Ein Split ist Moment kein Thema. Bei unseren Überlegungen haben aber die Nachteile eines Splits bisher überwogen.