Der Mann mag deutsches Bier. Zu seiner Hochzeit unweit von Troyes – der historischen Hauptstadt der Region Champagne in Frankreich – wünschte Ernst Freiherr von Freyberg ausdrücklich Gerstensaft aus Deutschland. So brachten die Hochzeitsmusiker aus Baden-Württemberg zum Fest der Vermählung Bergbier mit nach Frankreich. Das war im Juni 2011, und auf dem Anwesen der Tante der französischen Braut wussten weder die 50 angereisten Musikanten noch die Brautleute, dass der Bräutigam mit dem schütteren Haar nur eineinhalb Jahre nach der Hochzeit einen der weltweit schwierigsten Jobs in der ­Finanzindustrie übernehmen würde.

Am 15. Februar verkündete ein Sprecher des Vatikans, der Heilige Stuhl habe einen neuen Verwaltungsratspräsidenten für die Vatikanbank ernannt. Ernst Conrad Rudolf von Freyberg-Eisenberg-Allmendingen, so sein vollständiger Name, ist in der Schweizer Geschäftswelt kein Unbekannter. Allerdings waren seine Aktivitäten hierzulande bisher nicht von Erfolg gekrönt. Für den abtretenden Papst Benedikt XVI. spielte das indes keine Rolle. Er segnete die Wahl des adeligen Deutschen ab, der vom verantwortlichen Kardinalsgremium am Ende den Vorzug vor einem Franzosen, einem Österreicher und einem Belgier erhalten hat. Keiner der Kandidaten, heisst es bei Insidern des Auswahlverfahrens, sei wirklich ein Topshot gewesen.

Das gilt auch für von Freyberg. Mit dem Schlossherrn aus Schwaben setzt der Vatikan auf einen erprobten und vernetzten Katholiken. Er organisiert Pilgerfahrten nach Lourdes. Er ist Ritter und Schatzmeister des Souveränen Malteserordens. Mit seiner Freyberg-Stiftung unterstützt er katholische Organisationen in Deutschland, Frankreich und Österreich. Mit Wirtschaftskapitänen geht der passionierte Hobbyjäger auf die Pirsch. Er ist mehrfacher Verwaltungsrat und gilt als «hochanständig», «unterhaltsam», «kultiviert», sagt einer, der mit ihm gearbeitet hat.

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Dennoch gibt es kritische Stimmen bezüglich seiner Wahl. Ein langjähriger Weggefährte von Freybergs, der nicht mit Namen genannt sein will, erzählt: «Ich sass im Auto, als ich im Radio die Nachricht hörte.» Sein erster Gedanke sei gewesen: «Aber er ist doch gar kein Banker?!»

Von Freyberg ist promovierter Jurist, bis zuletzt war er in Frankfurt im Bereich der Corporate Finances tätig. Sein Aufstieg hatte nach dem Mauerfall begonnen. Ab 1991 lag sein beruflicher Schwerpunkt in der Beratung der Treuhandanstalt – einer Anstalt der DDR mit der Aufgabe, die Volkseigenen Betriebe des gescheiterten sozialistischen Staates zu privatisieren.

Von Freybergs Geschäftspartner, und zu Beginn wohl auch sein Financier, war die Hambros-Bank. Schon 1998 stieg die britische Investmentbank Close Brothers ein und kaufte die Aktienmehrheit an Freyberg Hambros. Von Freyberg blieb Geschäftsführer in Frankfurt. Heute heisst die Firma DC Advisory Partners und gehört der japanischen Investmentbank Daiwa.

Probleme in der Firma

Als Geschäftsführer in Frankfurt hatte von Freyberg ein kurzes, aber wenig erfolgreiches Gastspiel in der Schweiz. 2008 gründete Close Brothers eine Filiale in Zürich, von Freyberg präsidierte den Verwaltungsrat. Doch schon bald gab es in der Firma Probleme. Bereits im März 2010 musste die Muttergesellschaft in Frankfurt ihre Anteile an Close Brothers Zürich in voller Höhe von 497000 Euro abschreiben. Intern begründet wurde dies mit einer «nachhaltigen Ertragsschwäche». Ebenso wurde ein an Close Brothers Zürich gewährtes, kurzfristiges Darlehen von 276000 Euro ausgebucht, wie in internen Dokumenten steht. «Es ist beabsichtigt, diese Gesellschaft zu verkaufen oder zu verschmelzen», hiess es weiter. Das ist indes nie geschehen. Nur ein halbes Jahr nach dem alarmierenden Befund wurde die erfolglose Gesellschaft in Liquidation gesetzt. Im Februar 2012 erfolgte die Löschung im Handelsregister.

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Inzwischen scheint von Freyberg in der Schweiz seinen nächsten Versuch zu starten. Im November gründete seine Frau – erst Bankerin bei JP Morgan, später Vizepräsidentin bei der Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch in Genf – eine Gesellschaft. Der Firmenname FreyMonta ist ein Akronym für Freyberg und Montagne, ihren Mädchennamen. Die GmbH mit offiziellem Domizil in Genf hat zum Firmenzweck «alle Aktivitäten eines Family Office» sowie Vermögensverwaltung, die Beratung in Rechts- und Steuerfragen oder den Handel mit Immobilien. Während die Ehefrau die Firma gründete und sich im Handelsregister als einzige Gesellschafterin eintrug, kümmerte sich von Freyberg während des vatikanischen Auswahlverfahrens um die weltweite Reservierung der Internetadressen für FreyMonta. Wie aktiv er in das Geschäft verwickelt sein wird, ist nicht klar. Weder er noch seine Frau wollten Fragen der «Handelszeitung» beantworten.

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Von Freyberg verlässt Manpower

Auch über von Freybergs andere Nebentätigkeiten herrscht Unklarheit. Dank seiner Mutter ist er ein Sprössling der Familie Blohm und bei der deutschen Schiffswerft Blohm + Voss Präsident des Verwaltungsrates. Dieses Amt soll er laut Vatikan behalten. Das Personalverleih­unternehmen ManpowerGroup hingegen teilt mit, von Freyberg werde als Beirat ausscheiden, um sich voll und ganz auf die neue Aufgabe zu konzentrieren. Unklar wiederum ist seine Zukunft beim Vermögensverwalter Flossbach von Storch. «Wir können uns nicht dazu äussern, ob Herr von Freyberg zukünftig, zum Beispiel aufgrund von Terminen, das Aufsichtsratsmandat weiterhin ausüben kann», heisst es dort.

Das ist tatsächlich fraglich, denn im Vatikan wird von Freyberg viel zu tun haben. Es wird ein Vollzeitjob sein. Die Kirchenmonarchie will bald auf die weisse Liste der Staaten, die Geldwäsche und Terrorfinanzierung ernsthaft bekämpfen. Laut Europarat ist dies derzeit nicht der Fall. Vorrangig wird er darum in der Vatikanbank aufräumen müssen, die wegen Geldwäscherei und Mafiakontakten wiederholt in den Medien stand. Gelingt ihm das Aufräumen, wird ihm der Vatikan wohl manches Bergbier zu Feierabend zahlen.

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Vatikanbank: Verwalter von Vermögen

Die Vatikanbank mit dem offiziellen Namen «Institut für die religiösen Werke» ist eher eine Vermögensverwalterin als eine Bank. Sie verwaltet 6,3 Milliarden Euro und hat 104 Mitarbeiter, die 20772 Kunden betreuen. Ende 2011 hatte die Vatikanbank fast 5000 nachrichtenlose Konten, auf denen 30 Millionen Euro lagen. Das heisst, in den vergangenen fünf Jahren gab es keine Kontobewegungen, und die Inhaber sind unauffindbar. Hauptkunde der Bank ist der Vatikan mit seinen diplomatischen Vertretungen, kirchlichen Organisationen, Diözesen und Bischöfen.