Das Fürstentum Liechtenstein hat schon vor zwei Jahren durchgemacht, womit momentan der Finanzplatz Schweiz zu kämpfen hat: Die Datenklau-Affäre bei LGT und der Liechtensteinischen Landesbank (LLB) hatte dazu geführt, dass viele Kunden ihre Vermögen vom Finanzplatz abgezogen haben. Doch jetzt legt sich der Sturm langsam. «Die Abflüsse von Kundengeldern verlangsamen sich», sagt Andreas Venditti, Analyst der Zürcher Kantonalbank (ZKB).

Zwar verzeichnete etwa die Liechtensteinische Landesbank (LLB) im letzten Jahr noch einen Abfluss von Nettoneugeldern in der Höhe von 2,2%. Doch für 2010 rechnet die LLB mit einer Trendwende. Die kleinere Konkurrentin VP Bank musste 2009 beim Neugeld einen Nettoabfluss von knapp 4% hinnehmen. «Allerdings konnte im 2. Halbjahr der Abfluss praktisch gestoppt werden», sagt Venditti. Bei der nichtkotierten LGT hatte sich der Abfluss dagegen in der 2. Jahreshälfte noch akzentuiert. Doch auch für die Fürstenbank hat das Jahr 2010 laut eigenen Angaben «sehr gut angefangen». Für 2010 wird beim Neugeldzufluss mit einer positiven Entwicklung gerechnet.

Günstige Bewertungen

Die LGT ist die grösste der Liechtensteiner Banken und am internationalsten aufgestellt. So verzeichnete das Institut im Heimmarkt deutliche Abflüsse an Kundengeldern. In den ausländischen Märkten, wo die Bank mit eigenen Niederlassungen präsent ist, sind dagegen Kundengelder zugeflossen.

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Die LLB ist etwas kleiner, aber ebenfalls in verschiedenen ausländischen Märkten präsent. Zuletzt wurde in Österreich die Geschäftstätigkeit aufgenommen. Die Bank ist aber auch über ihre Tochtergesellschaft Bank Linth am Schweizer Markt vor Ort. Die kleinere VP Bank kann sich eine kostspielige Expansion in ferne Auslandsmärkte weniger leisten und konzentriert sich daher stärker auf den Heimmarkt Liechtenstein. Die Aktien der VP Bank sind deutlich tiefer bewertet als diejenigen anderer Vermögensverwalter. Die Titel werden derzeit mit einem Abschlag von 30% zum Buchwert gehandelt. Dagegen wird momentan für die Aktien der LLB eine Prämie von 10% gegenüber dem Buchwert bezahlt. Dennoch schätzt Venditti von der ZKB das Kurspotenzial der VP-Bank-Aktien als geringer ein als dasjenige der LLB-Titel. Er stuft die VP Bank mit «Marktgewichten» und LLB mit «Übergewichten» ein. Vontobel-Analyst Tobias Brütsch bestätigt dagegen die «Hold»-Empfehlung für die Aktien der LLB und wird die Schätzung nach dem unerwartet hohen Neugeldabfluss reduzieren. Insgesamt sind die Analysten eher zurückhaltend mit Kaufempfehlungen für die beiden Papiere der Liechtensteiner Banken. Die Aktien der LLB empfehlen derzeit nur rund ein Fünftel zum Kauf, bei der VP Bank sind es etwa 30%.

Auf lange Sicht positiv

Auch wenn die neue Weissgeldstrategie des Fürstentums kurzfristig negativ für das Bankgeschäft sein dürfte, rechnet Venditti längerfristig mit positiven Auswirkungen: «Die Unsicherheit für die Bankkunden fällt weg, und das ist das Wichtigste im künftigen Umfeld.» Mit dem Abkommen mit Grossbritannien haben die Banken bisher positive Erfahrungen gemacht. Bereits sind erste Vermögen von britischen Kunden aus anderen Finanzplätzen zugeflossen (siehe Text rechts).

Auch Simon Tribelhorn, Geschäftsführer vom Liechtensteinischen Bankenverband, kommentiert: «Das Abkommen ermöglicht den Kunden auf sehr attraktive und einmalige Weise, in einem begrenzten Zeitfenster ?tax compliant? zu werden.» Diese Chance, die zwischen beiden Ländern verhandelt und ausgearbeitet wurde, sei ein Weg in die Zukunft und deswegen ein positives Signal.

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Abkommen mit Grossbritannien bringt Zuflüsse

L iechtenstein hat am 12. März 2009 eine neue Finanzplatzstrategie definiert. Das Abkommen mit Grossbritannien hat Modellcharakter für Abkommen mit weiteren Ländern. Die britischen Kunden können ihre unversteuerten Vermögen bis 2015 zu attraktiven Konditionen legalisieren. Wer das Geld nicht deklariert, muss den Finanzplatz Liechtenstein verlassen. Zudem verpflichten sich die Liechtensteiner Banken, nur noch nachweislich versteuerte Vermögen anzunehmen.

«Da dieses besondere Offenlegungsprogramm für die Kunden im Vergleich zum regulären britischen Programm sehr attraktiv ist, stösst dieses bei betroffenen Personen auf spürbares Interesse», kommentiert Cyrill Sele, Mediensprecher der Liechtensteinischen Landesbank (LLB). Für Neukunden läuft das Programm seit Anfang Dezember 2009. «Wir spüren wachsendes Interesse bei englischen Steuerzahlern, die Gelder im Ausland angelegt, aber noch keine Geschäftsbeziehung mit einer Liechtensteiner Bank haben», so Mediensprecher Christof Buri. Es habe schon interessante Zuflüsse gegeben.

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Auch aus der Schweiz sind Kundengelder nach Liechtenstein geflossen. Bei Schweizer Banken sei es aber oft so, dass diese schon bestehende Beziehungen zu Finanzintermediären in Liechtenstein hätten. «Wir sehen kein sehr grosses Potenzial bei Schweizer Banken, aus dem sich für uns neue Kundenbeziehungen ergeben könnten», so Buri. Und: «Die meisten britischen Steuerzahler, die dieses Programm nutzen können, haben heute keine Gelder in Liechtenstein angelegt. Wenn die Amnestie gut genutzt wird, werden sich daraus zwangsläufig Zuflüsse ergeben.» Auch bei der LLB ist man optimistisch: «Wir erwarten auf verschiedenen Ebenen positive Impulse durch das Abkommen. Schliesslich bietet dieses betroffenen Personen einen vergleichsweise attraktiven Weg in die Steuerkonformität. (ng)