Die Aktienmärkte zeigen sich nach wie vor äusserst volatil und sind damit für Investoren beinahe unberechenbar. Viele Anleger suchen deshalb nach Strategien, um ihr Geld aus den Börsen abzuziehen und in liquider Form vorübergehend sicher zu parkieren.

Doch nach der Flucht in Cash sind die Problem noch nicht vorbei. Denn da ist die hohe Inflation von 2,9%, die dafür sorgt, dass die Geldanteile permanent an Wert verlieren: Der Realzins, die Differenz zwischen Zinsgutschrift und Inflation, fällt bei den meisten Sparkonti, Festgeldern und Kassenobligationen negativ aus. Erst nächstes Jahr können Sparer mit Erleichterungen rechnen, die Ökonomen der Basel Economics (Bak) gehen von einem Absinken der Inflationsrate auf 1,6% aus, was auch einen Einfluss auf die Realzinsen haben dürfte.

Sparer legen meist drauf

Gerade das klassische Sparheft schneidet hinsichtlich der Realzinsen schlecht ab. Die Zinssätze liegen zwischen 0,875% bei der UBS und 1,5% bei der Raiffeisen Bank und damit deutlich unter dem Inflationswert. Wer sein Geld auf ein Depositokonto oder Anlagesparkonto einzahlt, erhält leicht bessere Konditionen, muss je nachdem aber Einbussen bei der Verfügbarkeit des Kapitals hinnehmen.

Anzeige

Die Zürcher Kantonalbank (ZKB) bietet 1,625% auf ihr Anlagesparkonto, PostFinance vergütet das E-Depositokonto sogar mit 2% Zins. Die Post ist auch der einzige Anbieter, der derzeit mit einem Sonderangebot lockt. Wer in diesem Jahr ein E-Depositokonto eröffnet, erhält von PostFinance bis zu 100 Fr. geschenkt, wenn auf dem Konto bis zum Jahresende 7500 Fr. angespart wurden. Das ist zwar nicht viel, aber wenn man sein Geld ohnehin hinterlegen will, nimmt man den Batzen gerne entgegen.

Für Sparkonti und in eingeschränktem Mass auch für Depo-sitkonti spricht, dass man sein Geld sehr schnell wieder abziehen kann, sollte sich die Lage an den Aktienmärkten aufhellen.

Die isländische Kaupthing Bank sprengt mit ihren Angeboten momentan den Rahmen. Das Tagesgeldkonto Kaupthing Edge in Fr. wird mit 4% verzinst, das in Euro sogar mit 5%.

Die seit Juni in der Schweiz tätige Online-Bank birgt, trotz ihrem Aussenseiterstatus, wenig Risiko für hiesige Anleger. Beträge bis 30000 Fr. werden durch den Einlageschutz gedeckt. «Der Zins ist sicher attraktiv, es ist jedoch eher ein Marketingangebot», so Marc Weber vom VZ Vermögenszentrum. Dieses enthalte auch eine Risikoprämie, sie werde aber nicht genügen, um massiv Kunden anzuziehen, da derzeit Sicherheit das oberste Gebot sei und «das Lockangebot von Kaupthing genügt nicht, um die Zinsen der anderen Institute anzutreiben», so Weber. Wer über mehr Kapital verfügt und sein Geld risikolos anlegen will, ist derzeit mit einem Festgeldkonto gut beraten. Bei den meisten Instituten sind Festgeldkonti ab einer Einlage von 100000 Fr. möglich. Die beinahe täglich wechselnden Zinsen der Anlagen sind der Laufzeit, meistens zwischen einem Monat und einem Jahr, angepasst. Somit ist das Kapital nach Ablauf des Festgeldes wieder verfügbar.

Attraktive Festgelder

Wie Sparkonti versprechen auch Festgelder keine grosse Rendite. Bei der Raiffeisen Bank liegen die Zinssätze zwischen 2% bei einer Einlage über einen Monat und 2,5% bei einer Laufzeit von einem Jahr. Am besten schlägt sich die UBS in diesem Segment. Sie bietet für ein zwölfmonatiges Festgeld 2,71% Zinsen. Diese können sich, je nach investierter Summe und Institut, nach oben anpassen.

Noch leicht bessere Konditionen bieten Kassenobligationen, festverzinsliches Wertpapiere mit einer Laufzeit von bis zu zehn Jahren. Trotz der langfristigen Bindung erfahren sie derzeit einen enormen Zulauf. So verzeichnet die Migros Bank bei den Kassenobligationen im letzten Jahr einen Volumenzuwachs von 31%. Im Gegensatz zu Geldmarktfonds, ist bei Kassenobligationen das Zinsänderungsrisiko abgefedert, da der Zins über die ganze Laufzeit unverändert bleibt.

Geldmarktfonds gefragt

«Geldmarktfonds können derzeit hohe Zuflüsse verbuchen», so Matthäus den Otter von der Swiss Fund Association (SFA) vor kurzem an einer Informationsveranstaltung. Im Juli flossen beinahe 3,7 Mrd Fr. in Geldmarktfonds, die in variable und festverzinsliche Geldmarktpapiere anlegen.

Besonders gut schnitt in den letzten sechs Monaten der Robeco Dynamic Premium A EUR shares (Valor 618529/Management-Gebühr 0,30%) ab. Die Performance in dieser Periode betrug 4,78%. Ebenfalls gut unterwegs waren der SGAM Fund Money Market AC (Euro) (Valor 594380/Management-Gebühr 0,30%) mit 3,95% und der Pictet (CH)-Money Market Fund (EUR)-P (Valor 1129236/Management-Gebühr 0,22%) mit einer Halbjahres-Rendite von 3,94%. Laut SFA müssen jedoch die Fonds mit Performanceeinbussen aufgrund der Finanzmarktturbulenzen rechnen.