Mit einem Hammerschlag schloss der polnische Präsident Andrzej Duda die Klimakonferenz COP24 in Katowice. Die Delegierten verabschiedeten nach jahrelanger Vorarbeit ein Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Abkommens von 2015. Es legt fest, wie das Ziel des Abkommens erreicht und die Erderwärmung auf zwei Grad beschränkt werden soll.

Der wichtigste Baustein des Pariser Abkommens sind die Beiträge zur Reduktion des CO2-Ausstosses. Jedes Land legt diese für sich selbst fest. In Katowice definierten die Delegierten nun die Regeln für Struktur und Inhalte dieser Reduktionsmassnahmen. Sie umfassen ebenso Vorgaben zur Berichterstattung und Überprüfung der Umsetzung. Weiter regelt es die Berichterstattung über finanzielle Beiträge, welche die Länder für Massnahmen gegen den Klimawandel einsetzen. Das Paris-Abkommen schreibt vor, dass die einzelnen Staaten regelmässig ihre Prioritäten, ihren Unterstützungsbedarf, Pläne und ihre Aktivitäten gegen den Klimawandel kommunizieren.

Nicht ausreichend

Trotz allem ist bereits jetzt absehbar, dass die aktuellen Klimaziele der einzelnen Staaten nicht ausreichen werden, um die Erderwärmung auf unter 2° Celsius zu begrenzen. Ohne weitere Anstrengungen wird sich die globale Temperatur bis 2030 um über 3° C erhöhen. Die absehbaren Folgen des Klimawandels werden viele Staaten überfordern. Schon heute beeinträchtigen die Folgen des Klimawandels die Stabilität ganzer Staaten und Regionen. Laut einem Bericht des IPCC ist eine Verdreifachung der globalen Klimaanstrengungen notwendig, um das 2°-C-Ziel erreichen zu können. Für eine Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5° C sei sogar ein Verfünffachen der Anstrengungen notwendig.

Das Ergebnis von Katowice ist ein Erfolg für den Multilateralismus. Die Bewährungsprobe folgt aber erst, wenn es an die Umsetzung des Pariser Abkommens geht. Die Regierungen müssen jetzt zuhause entschieden für Klimaschutz handeln.

Versicherer nehmen Verantwortung wahr

Die Folgen dieser Entwicklungen sind auch für die Versicherungsbranche relevant. Und die Versicherer engagieren sich. Bereits an der Weltklima-konferenz 2017 in Bonn wurde die InsuResilience Global Partnership for Climate and Disaster Risk Finance and Insurance Solutions gegründet (siehe Kasten). Nebst Vertretern aus Regierungen, aus der Zivilgesellschaft und aus internationalen Organisationen sind auch namhafte Versicherungsgesellschaften Mitglied dieser Partnerschaft.

InsuResilience will sicherstellen, dass die Risikofinanzierung in einen umfassenderen Dialog über Katastrophenvorsorge und humanitäre Hilfe integriert wird. Die Partnerschaft zielt ferner darauf ab, eine offene und integrative globale Gemeinschaft von Ländern, Experten und Praktikern zu bilden, die auf politischer, operativer und strategischer Ebene am finanziellen Schutz der am stärksten vom Klimawandel betroffenen Bevölkerung arbeitet. Ein konkretes Ziel lautet, dass bis 2020 rund 200 Millionen Menschen direkt oder indirekt von einem Versicherungsschutz profitieren.

Direktversicherungen werden auf Mikroebene implementiert und versichern Haushalte und Unternehmen individuell gegen Risiken wie Ernteausfälle durch Überschwemmungen. Schnelle Versicherungsauszahlungen helfen, die Schäden der betroffenen Personen und ihrer Familien im Fall eines extremen Wetterereignisses zu decken.

In indirekten Versicherungssystemen sind Regierungen oder Kommunen entweder durch Versicherer oder über Risikopools versichert. Indirekte Versicherungen können auf Makro-ebene implementiert werden, um natio-nale oder lokale Regierungen zu versichern, und auf Mesoebene, um Genossenschaften, Mikrofinanzinstitute, Kreditgenossenschaften und NGOs zu versichern, die Auszahlungen zugunsten von Einzelpersonen nutzen. Der Einzelne profitiert somit indirekt, beispielsweise von der Lebensmittelverteilung, die durch Versicherungsleistungen nach einer Dürre finanziert wird, oder vom rechtzeitigen Wiederaufbau der Infrastruktur in den betroffenen Regionen. Versicherungen ermöglichen es den Regierungen, eine Umverteilung der Budgets zu vermeiden und eine schnellere und kostengünstigere Unterstützung zu leisten als humanitäre Hilfe.

Darüber hinaus unterstützt InsuResilience die Entwicklung von Versicherungsmärkten in den Partnerländern und von nachhaltigen Geschäftsmodellen für Klima-Risikoversicherungen, die skaliert und repliziert werden können.

Auswirkungen auf die Schweiz

Auch die Schweiz ist mit den Konsequenzen des Klimawandels konfrontiert. Eine kürzlich vom Bund veröffentlichte Studie zeigt auf, dass ein Anstieg der globalen durchschnittlichen Temperatur um 2° C in der Schweiz im Sommer zu wesentlich höheren Temperaturen, Trockenpe-rio-den und Starkniederschlägen führen würde. Die Winter würden deutlich schneeärmer.

Die Auswirkungen des CO2-Anstiegs lassen sich aber bereits heute beobachten. Dies zeigen Langzeitmessungen. So hat die Temperatur in der Schweiz in den letzten 150 Jahren bereits um etwa 2° C zugenommen. Dies ist deutlich mehr als der global beobachtete Wert von 0,9° C. Auch kommt es heute bereits zu häufigeren und wärmeren Hitzeperioden als früher. Das Volumen der Gletscher hat seit Mitte des 19. Jahrhunderts um 60 Prozent abgenommen. Eindeutig erkennen lassen sich auch zunehmende Starkniederschläge, die heute heftiger ausfallen und häufiger auftreten. Ohne Klimaschutzmassnahmen wären diese Auswirkungen noch deutlich stärker ausgeprägt.

Der Klimawandel muss in den Überlegungen zur Naturgefahrenprävention miteinbezogen werden. Die Versicherer übernehmen in diesem Bereich eine wichtige Funktion. Die Versicherer führen selber Präventionsprojekte durch oder unterstützen solche. Diese haben zum Ziel, Schäden zu mindern und die Bevölkerung für das Thema Naturgefahren zu sensibilisieren. Dazu arbeiten die Versicherungen erfolgreich mit den zuständigen Fachstellen des Bundes und der Kantone zusammen.

Aktuelles Beispiel ist die «Gefährdungskarte Oberflächenabfluss», die im Sommer 2018 veröffentlicht worden ist. So gibt es nach einem Starkniederschlag Überschwemmungen nicht, nur weil Bäche, Flüsse oder Seen über die Ufer treten – vielmehr kann auch Wasser zu Überschwemmungen führen, das nicht im Boden versickern kann und über das offene Gelände abfliesst. Die landesweite Karte zeigt, welche Gebiete gefährdet sind und wie tief sie unter Wasser stehen können. Sie dient Architekten, Bauherren, Behörden oder Interventionskräften bei der Planung von Schutzmassnahmen. Die Karte ist öffentlich und steht allen interessierten Kreisen unter www.schutz-vor-naturgefahren.ch frei zur Verfügung.

Die Versicherungen nehmen die Gefahren, die der Klimawandel hervorruft, ernst, und sie haben damit begonnen, ihre Geschäftspolitik anzupassen. Ein schnelles Vorgehen der gesamten Branche ist wichtig, damit die notwendige Wirkung erzielt wird.

 

GUNTHARD NIEDERBÄUMER ist Leiter des Bereichs Schaden- und Rückversicherung des Schweizerischen Versicherungsverbandes SVV und hat als Mitglied der Schweizer Delegation an der Klimakonferenz COP24 in Katowice teilgenommen.