Über das gesamte erste Halbjahr gesehen nahmen die Bestellungseingänge der so genannten MEM-Industrie um 10,2 Prozent ab. Ein ähnliches Bild meldet der Branchenverband Swissmem bei den Umsätzen: Diese brachen im zweiten Quartal um fast 20 Prozent ein, im gesamten Halbjahr sanken sie um knapp 13 Prozent. 

«Grossfirmem und KMU erfuhren im Durchschnitt denselben Einbruch», so die Mitteilung weiter.

Im zweiten Quartal arbeiteten 319’600 Personen in der MEM-Branche. Das waren 3'200 weniger als drei Monate zuvor. Dies liege jedoch eher darin, dass die Lage in den MEM-Firmen bereits vor dem Lockdown angespannt war, weshalb sie Stellen abzubauen begannen, so der Verband. Aber: Die Auswirkungen der Pandemie werden in den nächsten Monaten «zweifellos weitere Konsequenzen auf die Anzahl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der MEM-Branche haben.»

«Die Lage in der Schweizer MEM-Industrie präsentiert sich düster, in vielen Absatzmärkten herrscht grosse Unsicherheit.»

Stefan Brupbacher, Swissmem

Weitere Zahlen zur Lage im zweiten Quartal: 

  • Die Kapazitätsauslastung betrug 80,9 Prozent (langjähriger Mittelwert: 86,4 Prozent lag. Swissmem schreibt weiter: «Gemäss der jüngsten KOF-Umfrage erreichte sie im Juli noch 77 Prozent. Damit ist die Kapazitätsauslastung auf das Niveau der Finanzkrise von 2009 abgesunken.»
  • Die Exporte der MEM-Industrie erreichten im ersten Halbjahr 28,9 Milliarden Franken (16,4 Prozent tiefer als im Vorjahressemester).

Die einzelnen Firmen und Warengruppe waren allerdings sehr unterschiedlich betroffen: Die Exporte im Maschinenbau sanken um 17 Prozent (bei den Werkzeugmaschinen sogar um 34 Prozent), bei den Metallen um 16 Prozent, bei den Präzisionsinstrumenten um 14 Prozent und in der Elektrotechnik / Elektronik um 12 Prozent.

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Im Hintergrund steht auch, dass die Lage schon vor der Coronakrise angespannt gewesen war. Just vor einem Jahr, Ende August 2019, sprach Swissmem von einer «besorgniserregenden Entwicklung» und vermeldete leicht sinkende Auftragseingänge.

«Wenig Optimismus»

Die Lockdowns verstärkten nun den negativen Trend massiv. Seit der Trendumkehr im Jahr 2018 haben sich Auftragseingänge in der Branche nun bereits in acht aufeinander folgenden Quartalen negativ entwickelt. In einer Zahl: Seit Mitte 2018 hat die Branche 35 Prozent des Auftragsvolumens verloren. 

Der kurzfristige Ausblick lasse «wenig Optimismus zu und ist von grossen Unsicherheiten geprägt»: So wird nun die Stimmung beschrieben. 22 Prozent der MEM-Unternehmerinnen und Unternehmer erwarten in den nächsten zwölf Monaten mehr Aufträge aus dem Ausland. Andererseits befürchten 51 Prozent eine weitere Verschlechterung der Auftragslage 

«Die Lage in der Schweizer MEM-Industrie präsentiert sich düster und in vielen Absatzmärkten herrscht grosse Unsicherheit», kommentiert Swissmem-Direktor Stefan Brupbacher. Die Betriebe sind also gezwungen, ihre Kosten den neuen Realitäten anzupassen. «Entsprechend befürchten wir in den nächsten zwölf Monaten einen deutlichen Stellenabbau.»

Hören Sie im Podcast «HZ Insights»: Wirtschaftskrise: Alles halb so schlimm? Oder wird noch alles viel schlimmer?

(rap)

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