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Absturz
Venezolanischer Bolívar crasht massiv

Banknotenbündel in Venezuela: So sieht Hyperinflation aus. Keystone

Die Währung des Krisenlandes Venezuela hat innert weniger Stunden gegenüber dem Dollar zwei Drittel an Wert verloren. Hintergrund war eine Versteigerung der US-Währung durch die Regierung.

Veröffentlicht am 01.06.2017

Innerhalb weniger Stunden hat die venezolanische Währung gegenüber dem Dollar fast zwei Drittel an Wert verloren. Am Mittwochmittag (Ortszeit) mussten für einen Dollar 2010 Bolívar gezahlt werden, davor waren es 721 Bolívar gewesen.

Dies teilte einer der Direktoren der venezolanischen Zentralbank (BCV), Pedro Maldonado, mit. Die Abwertung erfolgte bei einer Versteigerung der US-Währung durch die Regierung. Auf dem Schwarzmarkt werden in Venezuela rund 6000 Bolívar für einen Dollar gezahlt.

Maduro spricht von «Wirtschaftskrieg»

Die Regierung des linksnationalistischen Staatschefs Nicolás Maduro übt über eine Kontrolle der Devisen das Monopol über die Einfuhr von Nahrungsmitteln und anderen Waren aus. Insgesamt wurden am Mittwoch 24 Millionen Dollar versteigert, vor allem an Firmen für den Import von Rohstoffen, Fertigprodukten und Ersatzteilen.

Maduro hatte das System der Dollar-Versteigerung im April bekannt gegeben. Die Regierung will damit den Devisen-Schwarzmarkt bekämpfen und die schwere Wirtschaftskrise eindämmen. Maduro schreibt die Wertverzerrung auf dem Devisen-Schwarzmarkt einem vom Privatsektor geschürten «Wirtschaftskrieg» zu, mit dem sein Sturz betrieben werden solle.

Experten sind der Ansicht, dass der auf dem Schwarzmarkt erzielte Tauschwert realitätsgerechter ist als der von der Regierung festgesetzte Wechselkurs.

Drastische Preissteigerungen

Das erdölreiche Venezuela befindet sich infolge von Ölpreisverfall und Misswirtschaft in einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen seiner Geschichte, die von drastischen Preissteigerungen begleitet wird. Der Internationale Währungsfonds (IWF) rechnet für dieses Jahr mit einer Inflationsrate von 720 Prozent.

Wegen der anhaltenden Versorgungsengpässen gibt es in dem südamerikanischen Land fast täglich Proteste der Opposition. Bei den Ausschreitungen wurden seit dem ersten April dutzende Menschen getötet. Für die Gewalt machen sich Regierung und Opposition gegenseitig verantwortlich.

(sda/gku/jfr)

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