Die EZB will der schwächelnden Wirtschaft im Euro-Raum mit noch tieferen Zinsen und weiteren Konjunkturhilfen unter die Arme greifen. Auf ihrer heutigen Sitzung hat der EZB den Einlagensatz noch tiefer in den negativen Bereich gesenkt.

Er lag bereits bei minus 0,4 Prozent – künftig werden es minus 0,5 Prozent sein. Damit lag die Anpassung im Rahmen der Erwartungen. Ein negativer Satz bedeutet Strafzinsen für Geldhäuser, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Denn sie sollen diese nicht bei der Zentralbank horten sondern als Kredite an die Wirtschaft weiterreichen. Der Satz war bereits seit 2014 negativ.

20 Milliarden pro Monat

Die EZB kündigte ferner an, die im Dezember 2018 beendeten Anleihenkäufe wieder aufzunehmen. Sie will ab November monatlich Papiere für 20 Milliarden Euro erwerben – ein Endtermin wurde nicht genannt. Das erste Obligationen-Ankaufsprogramm hatte ein Volumen von insgesamt 2,6 Billionen Euro erreicht, bevor die EZB-Leitung unter Mario Draghi es Ende 2018 abbrach.

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Die Euro-Wächter passten zudem ihren Ausblick an. Nunmehr wollen sie ihre Schlüsselzinsen solange auf dem aktuellen oder einem niedrigeren Niveau halten, bis das Inflationsziel von knapp zwei Prozent erreicht ist. Bislang stellten sie bis Mitte 2020 stabile oder niedrigere Schlüsselsätze in Aussicht. 

Eher Taube als Falke

Insgesamt lagen die Entscheide damit im Rahmen der Erwartungen – vielleicht mit einem Unterton, den man in den Märkten als «dovish» bezeichnet, also vorsichtig gegenüber Rezessions-Gefahren.

Das EZB-Paket setzte den Euro umgehend unter Druck. Die Gemeinschaftswährung fiel wieder unter 1,09 Franken beziehungsweise unter die Marke von 1,10 Dollar. Die Obligationen-Renditen gaben nach – dabei fiel die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel auf ein Rekordtief von 0,782 Prozent, die deutschen Papiere rentierten mit minus 0,642 Prozent ebenfalls schwächer. 

Obwohl Banken tendenziell unter Negativzinsen leiden, profitierten die europäischen Bankaktien von den Nachrichten aus Frankfurt. Der Grund: Die Notenbank senkte zwar den Einlagezins auf minus 0,5 Prozent, sie verlangt diesen Strafzins aber nicht für alle bei der Notenbank geparkten Mittel (auch in der Schweiz kennt man so ein Stufensystem) solche Stufensysteme. Der europäische Bankenindex schnellte zeitweise um 1,9 Prozent nach oben. 

(reuters/mbü/rap)