1. Home
  2. Konjunktur
  3. Diese Produkte werden jetzt drastisch billiger

Geld
Diese Produkte werden jetzt drastisch billiger

Viele wichtige Importprodukte wie Lebensmittel, Autos oder Heizöl werden günstiger. Die Preisrückgänge liegen im zweistelligen Bereich – das sind satte Rabatte für Schweizer Konsumenten.

Von Mathias Ohanian
am 20.01.2015

Die Schweizer Exportwirtschaft ächzt unter der Aufgabe des Mindestkurses und dem teureren Franken. Die Konsumenten hingegen frohlocken bereits: Denn dank der erstarkten Schweizer Währung werden die Preise für viele Güter aus dem Ausland in den kommenden Monaten deutlich sinken.

«Alle importierten Produkte und Dienstleistungen – direkt besonders Ferienreisen und Heizöl – werden günstiger», stellt Alexander Rathke, Ökonom bei der Zürcher Konjunkturforschungsstelle Kof, in Aussicht. Das gelte, sagt er, auch für importierte Konsumgüter wie Elektronikgeräte oder Autos.

Schweiz importiert Fahrzeuge, Kleidung, Mineralölprodukte

Vor allem Fahrzeuge, Bekleidung und Mineralölprodukte importiert die Schweiz stark. Deshalb sollte dort der bessere Wechselkurs denn auch am stärksten zur Geltung kommen. «Dies gilt umso mehr, als gerade bei diesen Gütern hoher Wettbewerb unter den Anbietern herrscht», sagt Daniel Hartmann, Ökonom beim Anleiheinvestor Bantleon.

Das heisst: Die Firmen müssen einen grossen Teil der Vergünstigungen an die Schweizer Konsumenten weitergeben, um im Kampf um Kunden bestehen zu können. Wie sehr die Preise in der Schweiz letztlich fallen, hängt natürlich auch davon ab, wo sich die Wechselkurse in den kommenden Wochen einpendeln werden.

Detailhändler und Reiseanbieter reagieren bereits

Bereits zu sehen sind die gesunkenen Importpreise beim Einkauf im Supermarkt. Schon seit gestern sind im Detailhandel viele Produkte günstiger. Rund 200 Früchte und Gemüse, die man importiere, kosteten in der Spitze bis zu 20 Prozent weniger, teilt ein Coop-Sprecher mit. Das gelte etwa für Salat, Orangen, Peperoni oder Knoblauch. Preissenkungen auf andere Produkte, die in Euro eingekauft werden, sollen in den kommenden Wochen folgen – etwa bei Poulet- und Trutenfleisch, frischem Fisch und Käse sowie Molkereiprodukten, Blumen, Wein oder Backwaren.

Man habe bereits am Freitag alle «Lieferanten angeschrieben, mit der Forderung, sie sollen ihre Kursvorteile konsequent an uns und damit an unsere Kunden weitergeben», so der Coop-Sprecher. Doch nicht nur die orangenen Riesen haben reagiert. Auch kleinere Anbieter, wie etwa Delinat, Hersteller von Bio-Weinen aus St. Gallen, will alle Wechselkursvorteile an die Kunden weitergeben. Selbst Möbelhändler wie Wohnbedarf oder die Uhrenmanufaktur Vulcain informierten schon über sinkende Preise. Ebenso haben die Anbieter von Ferienreisen reagiert: Kuoni, Tui Suisse und andere Reiseportale gewähren inzwischen schon 15 Prozent Rabatt auf Ferienangebote.

Schweizer Importpreise könnten zweistellig sinken

Doch wie stark drückt dies die Preise insgesamt? Aufschluss gibt ein Vergleich zur Zeit nach der Finanzkrise, als der Franken von 2008 bis Mitte 2011 rund 25 Prozent gegenüber den wichtigsten Währungen aufwertete. Mit einer zeitlichen Verzögerung von etwa einem halben Jahr zeigte sich dies bei den Importpreisen, so Bantleon-Ökonom Hartmann. Diese sanken zwischen Ende 2008 und Ende 2011 um insgesamt 12 Prozent. Entsprechend rechnet der Experte ab Mitte diesen Jahres mit einem Rückgang der Importpreise um 7 bis 10 Prozent.

Damit dürften auch die Konsumentenpreise deutlich sinken, sind sich Fachleute unisono einig. Die Experten der Credit Suisse etwa rechnen mit einer negativen Inflationsrate von fast 2 Prozent in diesem Jahr, wie aus der gestern aktualisierten Prognose hervorgeht. Zum Vergleich: Vor Aufgabe des Mindestkurses hatte die Nationalbank noch einen Mini-Rückgang von minus 0.1 Prozent für 2015 veranschlagt.

Anzeige

Das sind die Reaktionen auf den Franken-Schock

1|76
Reaktionen auf den Franken-Schock: Ruag führt ab Oktober für 72 ihrer Mitarbeiter in Nyon Kurzarbeit ein. Im April und Juli hat der Rüstungs-und Technologiekonzern bei exportorientierten Bereichen die Arbeitszeit um drei Stunden auf 43 Stunden pro Woche erhöht. Grund war die Frankenstärke.