Was Vaz für die Schweizer ist, ist Unterseen für Besucher aus dem Ausland. Was diese Orte gemeinsam haben? Beide sind beliebt bei Touristen, doch sind sie jeweils von verschiedenen Zielgruppen abhängig. Was bislang kein Problem war, könnte in diesem Jahr einen Unterschied machen. 

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie ist der Tourismus eingebrochen, Länder waren oder sind im Lockdown, der internationale Reiseverkehr ist zum Erliegen gekommen. Jetzt wo der Sommer vor der Tür steht, fragen sich viele, wohin sie eigentlich noch reisen können. 

Zwar haben in den vergangenen Tagen mehrere Länder in Europa angekündigt, die Grenzen vor der Sommersaison zu öffnen. Aber die Unsicherheit bleibt und daher werden wohl viele Schweizerinnen und Schweizer diesmal im eigenen Land Ferien machen. Die hiesigen Hoteliers freut es, wenn nun mehr einheimische Gäste kommen.

Ob sie die ausländischen Gäste, die ausbleiben dürften, ersetzen können, ist jedoch unklar. Denn sie waren bisher in der Überzahl – manche Orte sind regelrecht abhängig von internationalen Besuchern, wie eine Auswertung des Bundesamts für Statistik exklusiv für «HZ» zeigt.

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Die kleine Gemeinde Unterseen zwischen Thuner- und Brienzersee ist wie das benachbarte Interlaken beliebt bei internationalen Touristen. Kein anderer Ort in der Schweiz ist dermassen auf ausländische Gäste angewiesen. Fast 90 Prozent aller Logiernächte entfielen vergangenen Sommer auf diese Gruppe. Einen ähnlich hohen Anteil haben Genf und Lauterbrunnen

Bleiben in diesem Jahr wegen der Reisebeschränkungen die ausländischen Touristen aus, dürfte das massive Folgen für Unterseen haben. In den vergangenen Jahren ist Interlaken und Umgebung vor allem bei Touristen aus Asien und dem Nahen Osten immer beliebter geworden.

Mit diesen Gästen rechnen die Hoteliers vor Ort frühestens wieder ab dem Herbst. Diese Lücke durch Schweizer Gäste zu ersetzen, dürfte schwierig werden, auch wenn Herbergen wie das Jungfrau-Victoria Grandhotel mit speziellen Pfingstangeboten oder Ein-für-zwei-Übernachtungsgutscheinen um Gäste buhlen. 

Beliebteste Orte bei Schweizer Touristen

Werden Gemeinden wie Vaz/Obervaz, zu der auch Lenzerheide und Valbella zählen, also die Gewinner des diesjährigen Tourismussommers? Fast 90 Prozent der Logiernächte in der letzten Sommersaison gingen auf das Konto von Schweizer Gästen. Auch das nahegelegene Arosa ist unter den Top 10 der Orte mit der grössten Nachfrage aus dem Inland.

Eine grössere Nachfrage für die Sommermonate als in früheren Jahren spürt derzeit etwa Andreas Züllig, Besitzer des Hotel Schweizerhof in Lenzerheide. In 30 Jahren als Hotelier habe er das noch nie erlebt: Viele Schweizer planen ein oder zwei Wochen Ferien im Sommer.

Normalerweise verbringen zwei von drei Schweizern ihre Sommerferien im Ausland, weiss Züllig, der auch Präsident von Hotellerie Suisse ist. «Graubünden, Wallis und Tessin werden die ausländischen Gäste teilweise kompensieren können und mit einem blauen Auge davon kommen. Anders sieht es in den Städten wie Zürich und Genf aus, die ein hoher zweistelliger Umsatzrückgang erwartet.»

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Rekordjahr 2019 für Schweizer Hoteliers

Regionen wie Graubünden, Tessin und das Wallis haben traditionell mehr Schweizer Gäste als ausländische – vor allem im Sommer, und dürften daher besser wegkommen als Städte und Gegenden, die stark von internationalen Touristen abhängen, etwa Genf und Zürich, aber auch das Berner Oberland und Luzern/Vierwaldstättersee.

Von den rund 40 Millionen Logiernächten im Jahr 2019 entfielen fast 22 Millionen aus internationale Gäste, wenngleich die Schweizer mit rund 18 Millionen ziemlich aufholten. Eins ist sicher: Ein Rekordjahr wie 2019 wird es in diesem Jahr nicht geben – mit oder ohne ausländische Touristen.

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