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Wohlstand
Deutschland - der grosse Verlierer der Euro-Krise

Deutschland: Die Euro-Krise vernichtete alleine in Deutschland Abermilliarden. (Bild: Keystone)

Die Finanzkrise vernichtete weltweit Billionen an Wohlstand. Experten berechneten nun die Auswirkungen auf einzelne Länder - und fanden einen überraschenden Verlierer.

Von Martin Greive (Die Welt)
am 09.09.2013

Die Finanzkrise war teuer. Laut Berechnungen der DZ Bank und der Berenberg Bank für die «Welt am Sonntag» summieren sich die volkswirtschaftlichen Schäden der 2008 ausgebrochenen Finanzkrise auf mehrere Billionen. Ohne die Krise, ausgelöst durch die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers, wäre die Weltwirtschaft zwischen 2008 und 2012 laut den Ökonomen jährlich nicht um 4, sondern um 5,7 Prozent gewachsen. Diese Zahl ergibt sich aus den durchschnittlichen Wachstumsraten der Weltwirtschaft der Jahre zwischen 1995 und 2008.

Aus der Wachstumsdifferenz resultiert ein Wohlstandsverlust von rund 3800 Milliarden oder 3,8 Billionen Euro – rund 7 Prozent des globalen Bruttoinlandprodukts von 2012. «Der Euro-Raum litt am stärksten unter der Finanz- und Schuldenkrise», sagt Stefan Bielmeier, Chefvolkswirt der DZ Bank. 2,76 Billionen Euro beträgt der durch die Finanzkrise ausgelöste Wohlstandsverlust für die Währungsunion ohne Deutschland – das sind 41 Prozent der Wirtschaftsleistung der Euro-Zone 2012.

Deutschland büsste fast 500 Milliarden ein

Die Bundesrepublik ist laut der Berechnung einer der grössten Verlierer der Krise: Die grösste Volkswirtschaft Europas musste Wohlstandseinbussen von umgerechnet 496 Milliarden Euro hinnehmen – 19 Prozent der Wirtschaftsleistung des Jahres 2012. Dies liegt daran, dass der Wirtschaftseinbruch in Deutschland 2009 mit fast 5 Prozent besonders heftig war. Deutschland hängt als Exportland stark von der globalen Konjunktur ab. Die USA kommen auf ein Minus von 1300 Milliarden Euro, rund 11 Prozent des Bruttoinlandproduktes des vergangenen Jahres.

Die Berenberg Bank hat zudem den durch die Finanzkrise verursachten Anstieg der Staatsschulden analysiert und dafür 2011 als das Ende der akuten Finanzkrise angesetzt. Ende 2011 lagen die Staatsschulden demnach insgesamt um 5500 Milliarden Euro höher, als wenn der Verschuldungstrend der Staaten aus der Vorkrisen-Zeit angehalten hätte. Zusammengerechnet mit den Kalkulationen der DZ Bank, ergeben sich damit insgesamt Kosten aus der Finanzkrise in Höhe von 8300 Milliarden oder 8,3 Billionen Euro.

Folgenreiche Immobilien-Blasen

In den USA ist der Schuldenstand durch den Ausbruch der Finanzkrise um 2700 Milliarden Euro stärker gestiegen, in der Euro-Zone um 2000 Milliarden Euro und in Grossbritannien um 300 Milliarden Euro. «Überschlagsmässig könnte man sagen, dass bis zu einem Drittel dieser Kosten ohnehin angefallen wäre, da die Immobilienblasen in den USA, Grossbritannien, Spanien und Irland ohnehin geplatzt wären», sagt Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank.

Diese Blasen hatten vor der Krise den Trend der Staatseinnahmen geschönt. Und das Platzen der Blasen hätte Kosten verursacht, selbst wenn die USA den Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September 2008 verhindert hätten. «Aber der grösste Teil des Schuldenanstiegs lässt sich wohl darauf zurückführen, dass die USA auf die Schwierigkeiten bei Lehman Brothers so katastrophal falsch reagiert haben, dass sie damit die grösste Weltfinanzkrise seit 1929 ausgelöst haben», sagt Schmieding.

Deutschland auch eine Ausnahme

Viele Länder hätten sich in der folgenden Rezession Konjunkturprogramme gegönnt, die sie sich eigentlich nicht leisten konnten. Eine der wenigen Ausnahmen ist Schmiedings Ansicht nach Deutschland gewesen, das dank der guten Finanzlage dazu im Stande war.

DIeser Artikel erschien zuerst in der «Welt am Sonntag».

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